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KUNDENBINDUNG: Kundenkarten der Autohersteller

Mit ihren Fahrzeugschlüsseln sind die Autohersteller in den Hosentaschen der Kunde bestens präsent. Seit einigen Jahren erobern sie mit eigenen Karten auch die Portemonnaies.

Immer öfter bieten Autohersteller ihren Kunden nicht nur Mobilität, sondern auch Finanzdienstleistungen weit über den Autokauf hinaus. Hauseigene Kreditkarten gehören zu diesen Angeboten dazu und sorgen außerdem für eine intensive Kundenbindung. Dabei profitieren von diesem Marketinginstrument beide Seiten: Der Hersteller bringt sich bei jedem Bezahlvorgang erneut in Erinnerung, und der Kunde genießt je nach Anbieter eine Reihe spezieller und individueller Vorteile.

Porsche: Extra-Bonus am Flughafen

Bestes Beispiel ist die bereits 1995 eingeführte PorscheCard. Für eine Jahresgebühr von 250 Mark (128 Euro) bekommt der Porsche-Fahrer nach Angaben des Herstellers in Stuttgart nicht nur ein weltweit gültiges Zahlungsmittel mitsamt den üblichen Versicherungs-, Reiseorganisations- und Notfalldiensten, sondern auch Sonderkonditionen bei Hotels, Mietwagenfirmen und Golfplätzen sowie Freikarten für die IAA.

Den größten Bonus jedoch gibt es am Flughafen: Dort können Porsche-Fahrer ihren Wagen beim Porsche-Partner Avis bis zu sieben Tage lang kostenlos parken und bekommen ihn frisch gewaschen zurück. Weil die Schwaben auch noch mit der Lufthansa kooperieren, gibt es für jede Rechnung zusätzliche Bonusmeilen. Außerdem sinken bei Vorlage der Karte auf rund 1.800 Golfplätzen die Greenfee-Gebühren um bis zu 50 Prozent.

BMW kooperiert mit Tankstellen

Ein anderes »Rabattsystem« gibt es bei BMW in München, wo man nach Angaben von Sprecherin Christine Krepold seit 1998 in die Portemonnaies ihrer Kunden vorgedrungen ist. Die bislang rund 100.000 Inhaber der BMW-Card zahlen ab dem zweiten Jahr eine Nutzungsgebühr von 40 Mark (20,50 Euro), sparen dafür aber bei allen Umsätzen an Tankstellen ein Prozent der Rechnungssumme, das vor der Abbuchung vom Monatsauszug abgezogen wird. Außerdem gibt es auch bei BMW Serviceleistungen vom Buchungsdienst für Bahnfahrten und Flüge über das Sekretariat am Telefon bis hin zur Pannenhilfe. Wer mit seiner Karte keinen Kredit, sondern ein Guthaben verwaltet, der kassiert laut Krepold auch noch überdurchschnittlich hohe Zinsen.

Mercedes bietet Kultur

Ein breites Spektrum an Finanz- und Servicedienstleistungen bietet auch die »Mercedes-Card«, die derzeit in mehr als 300.000 Portemonnaies steckt. Wer die Jahresgebühr von 40 Mark (20,50 Euro) bezahlt oder stattdessen alle zwölf Monate einen Fragebogen ausfüllt, bekommt nach Angaben des Herstellers aus Stuttgart zusätzlich zur reinen Währungsfunktion einen exklusiven Veranstaltungsservice mit besonders guten Plätzen bei Kultur- und Sportevents. Außerdem dürfen Inhaber einmal im Jahr kostenlos auf eine deutsche Automesse, können Zeitschriften zum Sonderpreis abonnieren und sich über den jährlichen Mercedes-Kalender sowie das Freiabonnement des Mercedes-Journals freuen.

Service-Hotline bei VW

Auch im VW-Konzern setzt man längst alles auf eine Karte. So gibt es bei Audi laut Sprecherin Ute Röding 410.000 Teilnehmer am »Audi A Plus-Programm«, die über ihre Kundenkarte regelmäßig mit Informationen zur Marke versorgt werden. Bei Pannen, Reiseorganisation oder Fragen zu Technik und Unternehmen können sie eine spezielle Service-Hotline anrufen, und bei jedem Besuch von Werkstatt oder Zubehörshop und dem Einkauf bei Partnerunternehmen aus der Reisebranche lassen sich Bonuspunkte sammeln, die später beim Audi-Partner versilbert werden.

Kundenkarte oder Kreditkarte?

Gegen eine Jahresgebühr von derzeit 35 Mark (17,95 Euro) wird die Kundenkarte zur Kreditkarte aufgerüstet, dient dann auch als weltweites Zahlungsmittel. Ziele des Programms in der Analyse der Marketing-Abteilung: »Verstärkung der Kundenidentifikation mit der Marke als ein Element für gesteigerte Markenloyalität, Bindung an die Marke Audi und an die Audi Händler und Vertiefung des Markenimages.«

Den gleichen Rahmen nutzt die Konzernmutter in Wolfsburg, die nach eigenen Angaben eine Mitgliedskarte im »Volkswagen Club« anbietet und dort neben zahlreichen Dienstleistungen eben auch ein Bonussystem aufgezogen hat. Wer mit seiner Kundenkarte auch bezahlen möchte, den verweisen die Wolfsburger an die verhältnismäßig unabhängig operierende »Volkswagen Bank direct«, die ihre Kreditkarten - anders als die Wettbewerber - auch für Fahrer von Fremdfabrikaten ausstellt.

Auch Importeuere entdecken die Karte

Mittlerweile haben auch eine Reihe von Importeuren den lohnenswerten Weg in die Geldbörsen ihrer Kunden entdeckt. Zwar fehlt den Karten von Volvo, Renault oder Citroën noch die Zahlungsfunktion, doch als Element der Markenbindung taugen die Kunststoffchips mit aufgedrucktem Magnetstreifen allemal. Schließlich garantieren sie wie bei der »Volvo Life Card« Sonderkonditionen im Zubehörshop oder Zugang zu exklusiven Events, versprechen wie die Citroën Service Plus Card besondere Garantieleistungen oder machen wie die »Renault Signe-Karte« für Oberklasse-Kunden den Weg frei für einen besonderen Service bei der Wartung des Wagens.