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Kundenbindungs-Systeme: Nicht alle Bonusträume werden wahr

"Sammeln Sie Punkte?" "Haben Sie eine Kundenkarte?" Die Fragen an der Kasse sind fast schon Standard beim Einkaufen. Fast überall wird ein Plastikkärtchen oder Bonusheft verlangt.

Und wer es noch nicht hat, wird intensiv umworben. Ob Meilen, Digits, Points oder Swops - die Sammelwut kennt keine Grenzen. Rund 100 Millionen Kundenkarten sollen in Deutschland derzeit im Umlauf sein. Der Handel sieht darin ein wichtiges Instrument der Kundenbindung. Verbraucherschützer warnen hingegen vor dem Missbrauch der Daten.

Mehr als 90 Prozent aller Verbraucher besitzen Marktforschern zufolge mindestens eine solcher Karten. Bei gut einem Drittel der Kunden stecken sogar mehr als vier Karten im Portemonnaie. Wer sie regelmäßig an der Kasse vorlegt, wird mit Rabatten oder Prämien belohnt - von der patentierten Sockenklammer bis zum Wellness- Wochenende.

Höherer Umsatz bei Karteninhabern

Ob die Karten- und Bonusprogramme dem seit Jahren in der Krise steckenden Handel mehr Umsatz in die Kassen spülen, ist aber nur schwer auszumachen. "Einzelne Unternehmen dürften durchaus von den Karten profitieren. Die großen Träume wurden damit aber nicht realisiert", betont Hubertus Pellengahr, Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE. Der Kartenboom setzte vor gut vier Jahren ein, kurz nachdem das Rabattgesetz aufgehoben wurde.

Bis zu fünf Millionen Transaktionen verzeichnet der Handelsriese KarstadtQuelle mittlerweile wöchentlich über das Bonus-Programm HappyDigits. Der durchschnittliche Umsatz pro Kartenkunde sei um 50 Prozent höher als bei den Kunden ohne Karte. "Wir profitieren davon, der Kunde aber auch", betont Konzernsprecher Martin Schleinhege.

Bescheidene Ersparnis

Verbraucherschützer weisen indes darauf hin, dass die versprochenen Ersparnisse meist eher bescheiden ausfallen. Der Stiftung Warentest zufolge liegen sie nur bei 0,25 bis 3 Prozent. Zudem würden oft Nachlässe auf Produkte gegeben, für die die Kunden gar keine Verwendung hätten. Einige Anbieter bieten auch gar keine finanziellen Anreize. So dürfen Kunden des schwedischen Möbelhauses Ikea stattdessen an Gewinnspielen teilnehmen. Außerdem wird eine Transportversicherung für die gekauften Möbel gewährt.

Lohnend ist das Geschäft hingegen für die Kartenanbieter. So ist HappyDigits aus Köln seit 2002 auf dem Markt und gibt mit 100 Mitarbeitern mittlerweile für rund 25 Partner fast 23 Millionen Karten heraus. Partnerunternehmen sind neben KarstadtQuelle auch Sixt, Tengelmann und T-Com. Zusammen mit Payback (27 Millionen Karten) zählen die Kölner in Deutschland zu den größten Anbietern. Umsatzzahlen werden aber nicht genannt.

Gläserner Kunde

Als "Mutter aller Bonuskarten" versteht sich der BSW, der schon seit 1960 im Geschäft ist. Bei dem aus dem aus dem Beamten Selbsthilfewerk hervorgegangenen Kartenherausgeber können nur Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und sozialer Einrichtungen das Angebot nutzen. Dem Bonussystem mit derzeit fast 2 Millionen Kundenkarten sind rund 27 000 Partnerfirmen angeschlossen, darunter neben großen Handelskonzernen auch viele regionale Unternehmen. Allein 2003 seien an die Mitglieder etwa 50 Millionen Euro Rabatt ausgeschüttet und bei den Partnerfirmen gut 520 Millionen Euro Umsatz erzielt worden.

Datenschützer mahnen zur Vorsicht beim Umgang mit Kundenkarten. "Mit jeder persönlichen Angabe hinterlässt man unwiderruflich eine Datenspur", betont der Sprecher des Berliner Datenschutzbeauftragten, Volker Brozio. Missbrauchsfälle seien bislang zwar kaum bekannt. Er empfiehlt aber, der Weitergabe von Informationen gleich bei Abschluss des Kartenvertrages zu widersprechen. "Grundsätzlich sollte sich Jeder fragen, ob sich der Fußball oder die Sporttasche als Prämie lohnt, wenn man dafür seine Daten preisgibt."

Maren Martell/DPA