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KUNDENBINDUNG: Rabattprogramme an Tankstellen

Mineralölkonzerne wollen Autofahrern den Spaß am Tanken zurückgeben: Seit dem Fall des Rabattgesetzes sollen Kunden mit Prämien an die Marke gebunden werden.

Zwar darf man getrost an der finanziellen Entschädigung in Form eines Badetuches oder eines besonders günstigen Mountainbikes zweifeln - doch weil die Sammellust der Deutschen offensichtlich ungebrochen ist, geht die Rechnung am Ende wahrscheinlich trotzdem auf.

DEA waren die Ersten

Als erster Anbieter am Markt hat der Mineralölkonzern DEA schon vor rund zwei Jahren ein spezielles Rabattprogramm mit dem Namen »Payback« aufgelegt. Mit einer Rabattkarte können die Kunden damit nach Angaben des Unternehmens in Hamburg bei jeder Tankfüllung Punkte sammeln, die ab einem Stand von 1.500 Punkten auf dem elektronischen Konto in Prämien oder Bargeld umgetauscht werden können.

Ein Toaster für 7.000 Liter

Für jeweils zwei Liter Kraftstoff gibt es einen Punkt, der einen Wert von einem Euro-Cent hat - allerdings beteiligen sich nicht alle DEA-Stationen am Rabattprogramm. Damit sich das Punkte-Depot schneller füllt und man bereits vor dem Tanken von 3.000 Litern seine ersten Prämien oder Auszahlungen bekommt, gibt es eine weit reichende Kooperation mit vielen anderen Unternehmen vom Kaufhaus bis hin zur Optik-Kette, die den Umsatz ebenfalls mit Bonuspunkten aufwiegen. Wer nur an der Tankstelle sammelt, der muss wirklich oft zur Zapfpistole greifen - so ist für einen Toaster als Prämie ein Punktestand erforderlich, der etwa 7.000 Litern Sprit entspricht.

Comeback der Rabattmarken

Mittlerweile hat das DEA-Beispiel Schule gemacht. So hat Esso kürzlich seine »Swops« vorgestellt, die wie Rabattmarken in einem kleinen Sammelheft eingeklebt werden müssen. Dabei gibt es nach Angaben von Esso-Sprecher Olaf Martins in Hamburg für jeweils zehn Liter Treibstoff oder einen Liter Öl einen Aufkleber.

»Swop« gegen Prämie

Hat der Kunde genügend Marken gesammelt, kann er die »Swops« direkt an der Tankstelle gegen eine Prämie eintauschen und etwa für 1.200 Liter eine Quarzuhr und zwei Benetton-Taschen einstreichen. Highlight im Prämien-Katalog ist ein Mountainbike aus der Feder des Stardesigners Pininfarina, das für 200 Swops und eine Zuzahlung von 249,90 Mark zu haben ist. Bis allerdings so viele Aufkleber im Rabattheft pappen kann, müssen 2.000 Liter getankt und bei einem Durchschnittsverbrauch von acht Litern etwa 25.000 Kilometer zurückgelegt werden.

Auch Aral im Sammelfieber

Als dritter Anbieter am Tankstellenmarkt heizt jetzt auch Aral das Sammelfieber der deutschen Autofahrer an. Seit dem 01. November verteilt das Unternehmen aus Bochum laut Sprecher Ulrich Winkler an vielen seiner Stationen »Danknoten«, mit denen die Autofahrer unter anderem bei den rund 2.000 Filialen spezieller Kooperationspartner Preisnachlässe bekommen.

So gibt es für Aral-Tanker laut Winkler Rabatte in Fastfood-Restaurants, Sonnenstudios, bei Kino-Ketten, in Spielwarenläden und Süßigkeiten-Shops. Dabei bekommt der Kunde für jeweils 25 Euro (48,75 Mark) Tankumsatz eine »Danknote« im Wert von 50 Cent (98 Pfennig) und damit einen Rabatt von zwei Prozent. Für den Einzelnen hält sich der Gewinn damit in engen Grenzen, schließlich gibt es - grob geschätzt - für eine Tankfüllung gerade mal eine Tafel Schokolade. Doch für Aral ist die Aktion eine teure Investition in die Kundenbindung. Schließlich rechnet man in Bochum allein in den kommenden Monaten mit einem Prämienaufwand von 30 Millionen Euro (58,5 Millionen Mark).

Andere werden nachziehen

Zwar gibt es von den anderen Mineralölkonzernen noch keine konkreten Angaben, doch nach Informationen aus Branchenkreisen wird auch bei BP, Agip & Co. eifrig an entsprechenden Programmen zur Kundenbindung gearbeitet.

BMW mit Kreditkarte

Aber auch wer sich nicht fest an eine Tankstellen-Kette binden möchte, kann beim Griff zur Zapfpistole einen kleinen Rabatt herausschlagen - zumindest wenn er einen BMW fährt. Denn dann bekommt er von dem Autohersteller aus München nach Angaben der Presseabteilung eine spezielle Kreditkarte, die neben den üblichen Finanz- und Serviceleistungen einen weiteren Vorteil bietet: Bei allen Umsätzen an Tankstellen wird automatisch ein Prozent von der Rechnungssumme abgezogen. Doch wirklich sparen können damit nur Vielfahrer, denn allein um die Jahresgebühr von 40 Mark wieder herein zu fahren, muss man mehr als 2.000 Liter tanken.

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