Kursrutsch Panik an der Frankfurter Börse

Die Angst vor einer Rezession in den USA und Japan hat den Aktienhandel in Frankfurt massiv belastet. Der Dax verlor zeitweise mehr als fünf Prozent und stand deutlich unter 7000 Punkten. Die Anleger fürchten, die schlechte Wirtschaftslage könnte auch Deutschland hart treffen.

Die anhaltende Angst der Anleger vor einer Rezession in den USA hat am Montag den Dax unter 7000 Punkte gedrückt. Der Leitindex fiel um über fünf Prozent unter 6922 Punkte und notierte damit wieder unter dem Niveau vom Sommer vergangenen Jahres. Allein seit Jahresbeginn hat der Leitindex knapp zehn Prozent eingebüßt.

Die Stimmung der Investoren habe inzwischen ein "Panik-Level" erreicht, kommentierten die Analysten von JP Morgan Asset Management. "Eine Rezession in den USA ist schon fast eingepreist, jetzt greift die Angst vor einer Übertragung der Konjunkturabkühlung auf Europa und die Schwellenländer um sich", sagte Fondsmanager Dennis Nacken von Allianz Global Investors.

Daher werde der Rückgang beim Ölpreis auf unter 90 Euro auch nicht als Entlastung gewertet. Vielmehr spiegele der Preis die Erwartung einer rückläufigen Nachfrage wider, so Nacken weiter. Auch ein nachgebender Euro wurde am Markt als Bote eines nachlassenden Wirtschaftswachstums interpretiert und nicht wie sonst als vorteilhaft für die deutsche Exportwirtschaft.

Banken- und Versicherungswerte zogen den Dax am stärksten in die Tiefe. So rutschten die Commerzbank-Titel um 5,79 Prozent auf 19,86 Euro - zeitweise wurden sie zum niedrigsten Kurs seit August 2006 gehandelt. Auch andere Bankentitel gaben deutlich nach.

Der Grund: Die WestLB erwartet für das Jahr 2007 einen Verlust von einer Milliarde Euro. Die Eigentümer sollen nun den Jahresverlust ausgleichen, teilte die Bank am Morgen mit. "Das sind keine guten Nachrichten", sagte ein Händler. Der angekündigte Verlust sei ein weiterer Beweis dafür, dass die aktuelle Skepsis gegenüber Finanztiteln gerechtfertigt sei.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos äußerte sich hingegen zuversichtlich: "Es gibt in Deutschland keinen Grund zur Sorge", sagte Glos. Die reale, produzierende Wirtschaft sei "nach wie vor in Ordnung". Dort gebe es keinen Grund für einen pessimistischen Ausblick.

Kursrutsch auch in Asien

Zuvor waren bereits die Börsen in Fernost ins Rutschen geraten. In Tokio fiel der Nikkei-Index um 3,86 Prozent auf 13.325,94 Punkte. In Hongkong ging der Hang-Seng-Index im Handelsverlauf um 3,5 Prozent auf 24.323,44 Punkte zurück. In Schanghai gab der Index um 5,1 Prozent auf auf 4914,44 Zähler nach.

Auch an den Börsen in Südkorea, Australien, Singapur, Taiwan und den Philippinen dominierten die Minuszeichen. An der Schweizer Börse hat sich die Talfahrt ebenfalls ungebremst fortgesetzt. Der Blue-Chip-Index SMI büßte bereits 4,33 Prozent auf einen Stand von 7359 Punkte ein. An der New Yorker Börse findet wegen eines Feiertags am Montag kein Handel statt.

Der indische Aktienmarkt verlor ebenfalls kräftig. Der Sensex-Index der 30 führenden Werte stürzte um 7,1 Prozent auf 17.531,65 Punkte ab. Das war der zweitgrößte prozentuale Verlust in der indischen Wirtschaftsgeschichte. Zwischenzeitlich lag der Index sogar mit knapp 11 Prozent im Minus.

Unruhe trotz geplantem Steuerprogramm

Auch die von US-Präsident George W. Bush angekündigten Steuernachlässe für private Haushalte und Unternehmen konnten die Börse nicht beruhigen. Er hatte ein Programm in Höhe von etwa einem Prozent des Bruttosozialprodukts, also rund 145 Milliarden Dollar, angekündigt. Dies sollte den Auswirkungen der US-Hypothekenkrise entgegenwirken.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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