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Landwirtschaft: Gen-Kartoffel "Amflora" zugelassen

Trotz heftiger Proteste von Umweltschützern hat die EU grünes Licht für die genmanipulierte Kartoffel "Amflora" gegeben. Die Industrie will die Pflanze zu Kartoffelpapier und Textilien verarbeiten. Doch wer garantiert, dass sie sich nicht in der freien Natur verbreitet?

Der Weg für die Zulassung der umstrittenen Gen-Kartoffel "Amflora" in der Europäischen Union für rein industrielle Zwecke ist frei. Die EU-Agrarminister stimmten bei ihrem Treffen in Brüssel zwar weder mehrheitlich für noch gegen eine Genehmigung. Die EU-Kommission wird die Pflanze jedoch wegen der Pattsituation zulassen, wie sie vor dem Treffen erklärt hatte. Bei der vom deutschen Chemie-Unternehmen BASF entwickelten "Amflora" handelt es sich um eine Industriekartoffel zur Herstellung von Kleidung oder Papier.

Die gentechnische Veränderung bestehe darin, dass die Kartoffel statt zwei Stärke-Komponenten nur noch die für die industrielle Anwendung erforderliche Komponente Amylopektin enthalte, sagte die Sprecherin der BASF Plant Science, Susanne Benner, der Nachrichtenagentur AP. Mit einer Nutzung von Amflora müsste die Kartoffelstärke nicht mehr aufgespalten werden, was nach Angaben Benners Energie und Wasser sparen würde. Die Pflanze enthält nach den Angaben ein Resistenz-Gen gegen das medizinische Antibiotikum Kanamycin.

Umweltschützer kritisieren, dass Amflora ein so genanntes Markergen enthält, das eine Resistenz gegen die dieses Antibiotika auslösen könnte. Sie befürchten, beim Anbau von Amflora könnte dieses Markergen etwa von Bodenbakterien aufgenommen und von diesen verbreitet werden. Der Grünen-Europaabgeordnete Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf warnte zudem vor einer Vermischung mit Lebensmittel- oder Futterkartoffeln: "Eine Ausbreitung der Kartoffel auch auf Nachbarfelder, zum Beispiel durch Erntemaschinen, kann nicht ausgeschlossen werden." Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte nach Untersuchungen im April 2007 erklärt, dass die Kartoffel für Mensch und Umwelt unbedenklich sei.

Seehofer kündigt strenge Überwachungen an

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer stimmte im Agrarrat für die Zulassung der "Amflora"-Kartoffel, kündigte aber zugleich eine strenge Überwachung der Folgen an: "Wir behindern keine deutsche Firma, nehmen den Schutz von Mensch und Umwelt aber sehr ernst", Sein Ministerium werde durch nationale Maßnahmen sicherstellen, "dass diese Industrie-Kartoffel fern gehalten wird von Lebensmittel- und Futterkartoffeln", erklärte der CSU-Politiker. Experten prüften bereits, ob etwa bestimmte Abstände zu anderen Feldern eingehalten werden müssten. Zudem sollten die "Rückwirkungen auf die Bodenökologie" überprüft werden. Österreich, Malta, Luxemburg, Lettland, Italien, Griechenland, Zypern, Dänemark, Polen, Ungarn und Irland hatten sich gegen die Zulassung von "Amflora" ausgesprochen, sechs weitere Länder enthielten sich der Stimme. Damit kam weder für noch gegen das Produkt eine qualifizierte Mehrheit zu Stande, so dass die EU-Kommission das letzte Wort hatte. Die Amflora-Kartoffel wird heute bereits auf Versuchsflächen unter anderem in Deutschland und Schweden angebaut.

Der Grünen-Europapolitiker Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf warnte vor der Genehmigung der Gen-Kartoffel. Ihre Ausbreitung auch auf Nachbarfelder könne nicht ausgeschlossen werden, erklärte der Vizepräsident des Agrarausschusses im EU-Parlament. Der Schutz der Gesundheit der Bürger dürfe nicht den Wirtschaftsinteressen von BASF untergeordnet werden.

AP/DPA / AP / DPA