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Lebensmittelkrise: Wal-Mart-Tochter rationiert Reis

Auch Bürger von Industrienationen sind nun von Nahrungsmittel-Rationierungen betroffen: Als Reaktion auf Hamsterkäufe hat die amerikanische Supermarktkette Wal-Mart ihren Reisverkauf auf vier Säcke pro Kunde beschränkt. Der Reispreis erreichte derweil neue astronomische Höhen.

Wegen der Krise erlaubt die Wal-Mart-Tochter Sam's Club ihren Kunden nur noch den Kauf von vier Reissäcken à neun Kilo pro Besuch. Der Konkurrent Costco Wholesale berichtete ebenfalls von einer auffallend großen Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln wie Reis oder Mehl. "Wohin man auch blickt: Überall tauchen Berichte über Lebensmittelengpässe und Hamsterkäufe auf", sagte Reis-Broker Neauman Coleman in Brinkley im Bundesstaat Arkansas.

Mit Blick auf die Rationierungen in den USA gaben deutsche Einzelhändler allerdings Entwarnung. Firmensprecher von Edeka, Tengelmann und Metro sagten der Nachrichtenagentur Reuters, in ihren Supermärkten seien derzeit noch keine Hamsterkäufe bei Lebensmitteln zu beobachten. Es gebe daher auch keine Pläne für Einkaufsbeschränkungen wie bei Sam's Club in den USA. "Wir beobachten die Entwicklung", fügte ein Metro-Sprecher hinzu.

Die Krise um weltweit steigende Lebensmittelpreise hat indes einen neuen Höhepunkt erreicht: In Thailand kostete eine Tonne Reis am Donnerstag erstmals mehr als 1000 Dollar. Damit hat sich der Preis für das lebenswichtige Grundnahrungsmittel im größten Reisexportland seit Jahresbeginn fast verdreifacht. Auch an der weltgrößten Warentermin-Börse in Chicago kletterte der Reispreis auf ein Rekordhoch von 25 Dollar pro Zentner.

Steigende Preise führten zu Hunger-Unruhen

Die rasant steigenden Lebensmittelpreise haben von Asien über Afrika bis in die Karibik bereits zu gewaltsamen Protesten geführt. In Haiti stürzte die Regierung im Zuge der politischen Unruhen. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht, weil sich an den Gründen für die Preisexplosion vorerst nicht viel ändern dürfte. Dazu zählen die wachsende Weltbevölkerung, der Anstieg der Lebensqualität in Schwellenländern wie China, der Trend in Industrieländern hin zu Bio-Sprit und Ernteausfälle in wichtigen Exportländern wie Australien im Zuge immer stärkerer Wetterschwankungen. Hinzu kommen außerdem Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln durch Hedge-Fonds und andere Investoren.

Verschärft wird die Krise durch die Verhängung von Exportbeschränkungen wichtiger Anbauländer. So stoppten Indien und Vietnam in den vergangenen Wochen ihre Reisausfuhren, um das Angebot im eigenen Land besser bedienen zu können und die Preisexplosion für einheimische Kunden zu stoppen. Auch Brasilien entschied sich für diesen Weg und verbot die Ausfuhr von Reis. EU-Handelskommissar Peter Mandelson kritisierte diese Exportbeschränkungen. Dadurch verschärfe sich das Problem für andere Länder nur noch, warnte Mandelson in einem Interview.

Reispreis könnte weiter steigen

Der thailändische Verband der Reisexporteure rechnet daher mit einem weiteren Preisanstieg. In Bangkok könnte sich der Reis nach Einschätzung von Händlern in diesem Jahr noch auf über 1300 Dollar pro Tonne verteuern. Zu Jahresbeginn lag der Preis noch bei 380 Dollar. Die Regierung in Thailand hat wiederholt erklärt, ihre Reisexporte nicht beschränken zu wollen, was ihr Beifall von der Welthandelsorganisation eingebracht hat. Für die Verbraucher in Thailand dürfte sich die Lage dadurch aber zunächst kaum verbessern.

Reuters / Reuters