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LUFTVERKEHR: Germania: Berlin-Köln für 77 Euro

Ab 2. April kommt die nächste Preis-Offensive, im Herbst sind weitere Strecken in Europa geplant. Außerdem will das Unternehmen von der Lufthansa Schadensersatz.

Der deutsche Billigflieger Germania will noch in diesem Jahr sein innerdeutsches Liniennetz drastisch ausweiten. Ab 2. April soll die Strecke Berlin-Köln zum Preis von 77 Euro für den einfachen Flug zur Destination Berlin-Frankfurt kommen, die derzeit für 99 Euro angeboten wird. Weitere innerdeutsche und europäische Verbindungen sind in Vorbereitung, sagte Geschäftsführer Hinrich Bischoff in Berlin.

»Beamten-Shuttle«

Germania ist auf der Ost-West-Strecke bereits mit 14 Flügen des »Beamten-Shuttles« zwischen dem alten und dem neuen Sitz der Bundesregierung aktiv. Bischoffs Ko-Geschäftsführer Mustafa Muscati ergänzte, dass14 weitere hinzu kommen sollen; mit dem Schwerpunkt auf Montag vormittags und Freitag abends. Den trotz etwa gleicher Entfernung niedrigeren von Preis begründete Muscati mit den geringeren Flughafengebühren in Köln. Die Strecke wird zurzeit außer von Lufthansa auch von der Deutschen BA bedient. Bischoff meinte, dass die Tochter der britischen Gesellschaft möglicherweise ihre Flüge reduzieren wird, falls es mit dem neuen Angebot zu Überkapazitäten kommt.

Weitere Strecken kommen

Für den Herbst planen Bischoff und Muscati mit gGermania weitere drei bis vier Verbindungen, darunter Berlin-München und München-Hamburg. Diese sollen maximal 99 Euro kosten. Auch Berlin-Stuttgart und »ein bis zwei internationale Strecken« hat er im Visier, sagte Bischoff. Germania ist mit größeren internationalen Gesellschaften im Gespräch bezüglich einer Zusammenarbeit, Bischoff wollte aber keine Namen nennen. »Wir wollen aber nicht gerade mit einem Schwächling kooperieren«, sagte er angesichts des großen Konkurrenten, mit dem man es in Deutschland zu tun hat.

»Fast hysterische« Reaktion der Lufthansa

Bischoff sagte, dass er nicht mit der »fast hysterischen« Reaktion der Lufthansa gerechnet hat, die ihre Preise für die Strecke Frankfurt am Main-Berlin auf rund 100 Euro senkte, nachdem Germania am 11. November den Liniendienst mit 99 Euro für den einfachen Flug aufgenommen hatte. »Seit die Lufthansa sich um uns bemüht«, sagte er ironisch, sind die Buchungen um rund 300 bis 350 Plätze täglich gestiegen. Germania bietet rund 1.000 Plätze auf den vier Hin- und Rückflügen täglich an. Eine genaue Auslastung nannte Bischoff aber nicht.

Streit mit Lufthansa geht weiter

Die Weiterführung des Liniendienstes Frankfurt-Berlin im Sommerfahrplan geht nach Angaben Muscatis auch nicht ohne Rechtsstreit vonstatten. Die Lufthansa weigert sich, profitable Slots (Abflugzeiten) freizugeben. Muscatis Angaben zufolge hat das Bundeskartellamt den Zusammenschluss von Lufthansa und Eurowings nur mit der Auflage genehmigt, dass die Lufthansa mindestens drei Slots für Wettbewerber freigibt. Darauf beruft sich Germania jetzt, und das Kartellamt ist angeblich bereits eingeschaltet.

Jetzt kommen Schadenersatzklagen

Die Dumping-Preise der Lufthansa auf der Strecke Berlin-Frankfurt wollen Bischoff und Muscati mit Schadenersatzklagen und weiteren Preissenkungen kontern. Wenn die Lufthansa nicht sofort nach dem endgültigen Verbot des Kartellamtes die Preise erhöht, dann »wird gekämpft«, versprach Bischoff. Er stellte Preise von 77 oder 55 Euro in Aussicht und deutete an, dass selbst eine dann steigende Auslastung in diesem Fall keinen zufrieden stellenden Ertrag verspricht.