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Ex-VW-Chef Winterkorn: 3100 Euro Betriebsrente am Tag sind obszön

Martin Winterkorn ist seit 1. Januar offiziell Rentner. Trotz Diesel-Skandal bekommt der Ex-VW-Chef laut “Bild“-Zeitung jedes Jahr einen Millionenbetrag. Auch wenn es ihm vertraglich zusteht, ist das kaum zu ertragen.

Ein Kommentar von Jan-Boris Wintzenburg

Martin Winterkorn

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn steht in der Kritik

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn ist seit 1. Januar offiziell Rentner. Trotz Diesel-Skandal bekommt er laut Bild-Zeitung jedes Jahr einen Millionenbetrag. Die Empörung ist groß.

Martin Winterkorn war jahrelang einer der angesehensten deutschen Manager. Als Vorstandsvorsitzender von Volkswagen führte er den Konzern an die Weltspitze. Da verzieh man ihm sogar sein Spitzengehalt: Mit bis zu 17 Millionen Euro jährlich führte er regelmäßig die Rangliste der bestbezahlten Manager an. Doch sogar die machtbewussten Betriebsräte von VW trugen diese irrsinnigen Summen – 5000 mal mehr als ein Bandarbeiter im Konzern – mit.

Dass Winterkorn gleichzeitig auch noch eine enorme Altersversorgung aufbaute, die der Konzern irgendwann zahlen muss, war schon damals klar. Es war eine Vorsorge Deluxe für Manager: Normalbürger können von 70 Prozent Betriebsrente vom letzten Grundgehalt nur träumen. Selbst inklusive der gesetzlichen Rente kommen sie in der Regel auf viel weniger. Und da Winterkorn zuletzt 1,6 Millionen Euro Grundgehalt bezog, bekommt er nun rechnerisch rund 3100 Euro am Tag.

Diesel-Skandal kostet mindestens 18 Milliarden Euro

Angesichts der Krise, in der er den Volkswagen-Konzern hinterlassen hat, ist das kaum zu ertragen. Der Diesel-Skandal kostet den Konzern wohl mindestens 18 Milliarden Euro und sorgt für Sparzwänge, denen mittelfristig mindestens 30.000 Jobs zum Opfer fallen werden. Da hilft es auch nicht, dass Winterkorn bisher offenbar jedes Wissen in Sachen Diesel-Manipulationen abstreitet und natürlich bis zu einer Verurteilung als unschuldig zu gelten hat. 3100 Euro Tagesrente sind auch so obszön, genauso wie 17 Millionen Euro Gehalt im Jahr. So viel ist für einen Angestellten, der kein unternehmerisches Risiko trägt, in der heutigen Zeit nicht zu rechtfertigen.

Allen, die sich nun darüber zu Recht aufregen, bleibt zumindest die Hoffnung auf Schadenfreude: Denn höchstwahrscheinlich wird Martin Winterkorn auch eine hohe Millionenrechnung von Volkswagen für den Diesel-Skandal bekommen. Als Vorstandsvorsitzender haftete er zwar nicht unternehmerisch, aber zumindest war er als Boss rechtlich für das was im Konzern passierte, verantwortlich – egal, ob er davon wusste oder nicht. Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer zahlte für einen Schmiergeldskandal, bei dem man ihm zwar keine Beteiligung nachweisen konnte, der aber in seiner Amtszeit passiert war, fünf Millionen Euro. Winterkorn dürften deutlich höhere Beträge drohen. Und auch eine strafrechtliche Ermittlung läuft noch.

Doch Schadenfreude kann in solchen Fällen nicht die Lösung sein. Verantwortungsvolle Aufsichtsräte sind gefordert, Exzesse bei Gehältern und exorbitanten Altersversorgungen zu verhindern. Wie das Beispiel Winterkorn zeigt, sind sie nicht zum Besten des Unternehmens.

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