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Weitere Chefposten: Behält Winterkorn Führungspositionen bei VW?

Obwohl Martin Winterkorn als VW-Chef zurückgetreten ist, ist er noch immer Vorsitzender der Porsche Holding SE. Ob er den Posten behält, ist fraglich. 

Ehemaliger VW-Chef Martin Winterkorn gemeinsam mit Wolfgang Porsche und Matthias Müller

Da war Martin Winterkorn (l.) noch VW-Chef: Bei der Hauptversammlung der Porsche Holding SE, bei der Winterkorn noch immer Vorstandsvorsitzender ist, im Mai in Stuttgart steht er neben Wolfgang Porsche (M.) und seinem potenziellen Nachfolger Matthias Müller. 

Trotz seines Rücktritts vom Posten des Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG bleibt Martin Winterkorn bisher weiter in zentralen Führungspositionen des VW-Konzerns, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Winterkorn sei weiterhin Vorsitzender der Porsche Automobil Holding SE, der Muttergesellschaft der Volkswagen AG, die rund 51 Prozent der VW-Stammaktien hält. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, dass Winterkorn bei der Porsche SE weiter im Amt sei. Außerdem sei er Aufsichtsratsvorsitzender der Audi AG. "Das ist im Präsidium bisher offenbar niemandem aufgefallen", zitierte die "Bild" einen VW-Insider. Die Nachrichtenagentur "DPA" will aus Konzernkreisen erfahren haben, dass Winterkorn doch bald seinen Posten bei der Porsche SE räumen soll.

Was weiß der potenzielle Nachfolger Matthias Müller über den Abgas-Skandal?

Winterkorn war am Mittwoch als VW-Vorstandschef zurückgetreten, obwohl er sich nach eigener Aussage "keines Fehlverhaltens bewusst" war. VW steckt in der tiefsten Krise der Unternehmensgeschichte, seit bekannt wurde, dass bei Dieselfahrzeugen die Abgaswerte manipuliert worden waren. Eine entsprechende Software ist nach Angaben des Konzerns weltweit in elf Millionen Autos eingebaut. Allein in den USA kommen auf Volkswagen eine Milliardenstrafe sowie eine teure Rückrufaktion und Schadenersatzklagen zu.
Der Aufsichtsrat von Volkswagen berät am Freitag in Wolfsburg über Winterkorns Nachfolge an der Vorstandsspitze. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Porsche-Chef Matthias Müller die Leitung des Gesamtkonzerns übernehmen.

Der nahe Chemnitz geborene und in Bayern aufgewachsene Müller bezeichnet sich selbst als Konzernzögling. Seinen Weg bei VW begann er als Auszubildender bei Audi in Ingolstadt. Der gelernte Werkzeugmacher setzte ein Informatikstudium drauf und kehrte zu Audi zurück, wo er als Produktmanager unter dem damaligen Audi-Chef Winterkorn den A3 zum Verkaufsschlager machte.

Müller ist ein Zögling von Martin Winterkorn

Müllers Karriere ist eng mit Winterkorn verknüpft: Als dieser 2007 VW-Chef wurde, machte er Müller zum Produktstrategen des Konzerns in Wolfsburg. Nur drei Jahre später schickte Firmenpatriarch Ferdinand Piech ihn in heikler Mission als neuen Chef zu Porsche. Die Stuttgarter Sportwagenschmiede - im Besitz der VW-Familienhauptaktionäre Porsche und Piech - war 2009 mit dem Versuch gescheitert, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. In einem Machtkampf mit Ferdinand Piech wurde der Autobauer Porsche schließlich von VW übernommen - trotzdem hält die Porsche Holding SE die Mehrheit der VW-Stammaktien. Derzeit noch Vorsitzender der Holding ist Martin Winterkorn. Ein Karussell, bei dem die Spieler bisher nur bedingt getauscht wurden. 

"Der 62-Jährige wäre, soweit man ihn eben kennt, der wohl richtige Mann für diesen Job. Wenn er denn nicht doch zu sehr von innen kommt, also ein irgendwie Mitwissender war von diesem Dieselskandal. Dazu wird er sich erklären müssen", gibt die "Süddeutsche Zeitung" in einem Kommentar zu bedenken

Reuters / AFP