McKinsey-Studie Klimaschutzziel kostet EU bis zu 1,1 Billionen Euro


Die Anfang März beschlossenen Klimaschutzziele könnten laut einer Studie in den EU-Mitgliedsstaaten zu immensen Ausgaben führen. Wollte Deutschland weiterhin drei Viertel der europäischen Klimaschutzlast tragen, würde das die Verbraucher jährlich 45 bis 60 Milliarden Euro kosten.

Die EU muss durch ihre Anfang März beschlossenen Klimaschutzziele einer Studie zufolge bis zum Jahr 2020 mit Kosten in Höhe von insgesamt bis zu 1,1 Billionen Euro rechnen. 60 bis 80 Milliarden Euro pro Jahr seien nötig, um die Kohlendioxid-Emissionen in den nächsten 14 Jahren wie angestrebt um 20 Prozent zu verringern, berichtete die Tageszeitung "Die Welt" vorab aus ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf eine Erhebung der Unternehmensberatung McKinsey.

Kurz vor Beginn der EU-Verhandlungen über die klimapolitische Lastenverteilung lasse die Summe Zweifel daran aufkommen, ob Deutschland auch in der Zeit nach Auslaufen der Kyoto-Frist im Jahr 2012 weiterhin drei Viertel der gesamteuropäischen Klimaschutzlast allein tragen könne, hieß es in dem Bericht. Denn für die deutschen Verbraucher und Steuerzahler würde das jährliche Klimaschutzkosten von 45 bis 60 Milliarden Euro bedeuten. Diese wären vor allem in Form höherer Energiekosten zu zahlen.

Auch kostenlose Möglichkeiten, Kohlendioxid einzusparen

Zudem könnten dem Bericht zufolge die tatsächlichen Kosten des Klimawandels sogar noch höher ausfallen, da die Minderung des CO2-Ausstoßes um 20 Prozent für die Europäische Union lediglich das Minimalziel sei. "Wir rechnen bei einem ausgewogenen, sinnvollen Einsatz der günstigsten verfügbaren Umweltschutz-Technologien mit jährlichen Kosten von 60 bis 80 Milliarden Euro für die EU-25 bis zum Jahr 2020", wird der McKinsey-Experte für Energie zitiert, Thomas Vahlenkamp. Aufaddiert ergebe sich eine Gesamtsumme von bis zu 1,1 Billionen Euro über die nächsten 14 Jahre. Der Experte rät der Politik dem Bericht zufolge, kostengünstigere Methoden der Kohlendioxid-Einsparung mit höheren Fördermitteln zu bedenken, wie etwa die Gebäudesanierung. Dabei gebe es "viele sogar völlig kostenlose Möglichkeiten Kohlendioxid einzusparen, die weder unseren Lebensstil noch unseren Komfort negativ beeinflussen würden", wird Vahlenkamp zitiert.

Die Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung erwarten dagegen laut einer Umfrage von einem weiteren Ausbau des Klimaschutzes keine negativen Auswirkungen auf die heimische Konjunktur. Unter Berufung auf die Umfrage unter 646 Führungspersönlichkeiten schreibt das Wirtschaftsmagazin "Capital", 80 Prozent hielten die Unternehmen für flexibel genug, auch auf strengere Auflagen zu reagieren. Nur 17 Prozent der Elite glauben demnach, die Wirtschaft werde überfordert. Große Zuversicht herrscht laut der Umfrage auch in den Chef-Etagen der Firmen: Drei Viertel der Top-Manager urteilten, die Unternehmen könnten einen verschärften Klimaschutz ohne Nachteile verkraften, schreibt das Magazin.

McKinsey ermittelte den Angaben nach seine Berechnungen für 25 EU-Staaten (EU-25). Die Studie prognostiziere detailliert die Kosten und Potenziale aller weltweit verfügbaren Klimaschutz-Techniken in Euro pro eingesparte Tonne Kohlendioxid.

Reuters/AP AP Reuters

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