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MEDIEN: Heiße Phase im Bieterrennen um KirchMedia

Angeblich sind nur noch drei Interessenten im Rennen: Dringeblieben sind offenbar Viacom, das Commerzbank- und das Springer-Konsortium, das aber nicht für Sport bietet.

Die Bieterschlacht um das untergegangene Medien-Imperium von Leo Kirch geht in die entscheidende Phase. Die Commerzbank erwartet nach Angaben eines Sprechers, dass am morgigen Mittwoch bekannt gegeben wird, welche Bieter in die nächste Runde kommen und damit genaueren Einblick in die Firmenbücher erhalten. Die »Financial Times Deutschland« und ihr englisches Mutterblatt berichteten am Dienstag, dass offenbar nur noch drei der sieben Interessenten im Rennen sind.

Dreier-Gruppe

Den Berichten zufolge handelt es sich um das gemeinsame Konsortium von Springer- und Bauer-Verlag und deren Finanzpartner HypoVereinsbank. Chancen habe auch der amerikanische Medienriese Viacom, der unter anderem die Sender MTV und CBS sowie das Hollywood-Studio Paramount betreibt. Auch die Commerzbank mit dem zum Sony-Konzern gehörenden Hollywood-Studio Columbia Pictures sei in der engeren Auswahl.

Entscheidung sollte Ende August fallen

Aus dem Rennen sei dagegen der französische Sender TF 1 und der US-Milliardär Haim Saban, der mit bis zu 2,6 Milliarden Euro das höchste Einzelgebot für die insolvente KirchMedia abgegeben hatte. Hartmut Schultz, Sprecher der neuen Geschäftsführung von KirchMedia, die das Unternehmen als Insolvenz in Eigenverwaltung leitet, wollte die Berichte nicht kommentieren. Er bestätige, dass »dieser Tage die sieben Bieter auf einige sehr wenige eingegrenzt werden«. Diese können dann im Rahmen einer so genannten »erweiterten Due Dilligence« das Unternehmen und seine Bücher genau durchleuchten und überprüfen. »Wir gehen davon aus, dass man sich in einem Zeitrahmen von Ende August bis Anfang September für einen Bieter entscheidet«, sagte Schultz.

Wer bekommt dann kalte Füsse?

Die bisherigen Angebote waren nur unverbindlich und zum Teil an Voraussetzungen geknüpft, die sich erst mit dem Blick in die Kirch-Bücher bestätigen lassen. »Es kann sein, dass vielleicht ein Bieter, wenn er alle Verflechtungen und Zahlen kennt, doch noch die Finger von KirchMedia lässt«, erklärte ein Branchen-Insider.

Keine strategischen Partner erwünscht

Die englische »Financial Times« berichtete, das Angebot des US-Milliardärs Saban liege je nach Voraussetzungen zwischen 1,8 und 2,6 Milliarden Euro, der französische börsennotierte Sender TF 1 habe 1,6 bis 2,2 Milliarden Euro geboten. Beide wurden aber von der KirchMedia-Führung als strategische Investoren eingestuft, die das Unternehmen nicht in seiner bisherigen Form weiterführen, sondern zerschlagen oder fusionieren wollen. Wie es in Branchenkreisen hieß, hatte es zwar Gespräche von TF 1 über einen Einstieg in das Konsortium von Commerzbank und Sony/Columbia gegeben. Es kam aber zu keiner Vereinbarung.

Springer-Konsortium bietet 1,4 Milliarden Euro

Die 'Financial Times' berichtete weiter, das Angebot des vom Springer-Verlag geführten Konsortiums liege lediglich bei 1,4 Milliarden Euro. Zudem will die Investoren-Gruppe nicht, wie bisher angenommen, für die bei der KirchMedia liegenden Sportrechte bieten, die beispielsweise die Fernsehrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und die Bundesliga beinhalten. Das Springer-Trio soll sich demnach nur für Kirchs Filmrechte und dessen Anteil an der ProSiebenSat.1-Fernsehgruppe interessieren.

Der Springer-Verlag wollte den Bericht nicht kommentieren. Das Verfahren befinde sich in einer heiklen Phase, bei der »wir uns weder zu nähern Ziffern noch zu Details äußern können«, sagte Sprecherin Edda Fels