HOME

Verkaufspoker um Karstadt: Highstreet, Berggruen und Triton im Bieterstreit

Ein Krimi könnte nicht spannender sein: Wenige Stunden vor der möglicherweise entscheidenden Sitzung des Gläubigerausschusses hat das Vermieterkonsortium Highstreet als dritter Bieter ein Kaufangebot für den Traditionskonzern Karstadt vorgelegt. Am Freitag entscheidet sich, welcher Interessent den Zuschlag erhält.

Im Bieterrennen um die insolvente Warenhauskette Karstadt gehen drei Kandidaten an den Start. Hochrangige Vertreter der Interessenten Highstreet, Berggruen und Triton wollen ihre Konzepte im Laufe des Freitags dem Gläubigerausschuss präsentieren. Ob es am gleichen Tag zu einer Entscheidung kommt, ist jedoch noch völlig ungewiss.

Erst kurz vor dem Starttermin der Gläubigerausschusssitzung hatte der Karstadt-Vermieter Highstreet seine Offerte vorgelegt. Zu Details wollte ein Sprecher zunächst keine Stellung nehmen. Highstreet will dem Vernehmen nach auf Entlassungen verzichten. Gleichwohl sollen die 25 000 Karstadt-Mitarbeiter länger arbeiten, ohne mehr Lohn zu erhalten. Im Gegenzug sollen die Arbeitnehmer am Unternehmen beteiligt werden.

Der Vorstoß des mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörenden Immobilienfonds war in der Branche erwartet worden. Highstreet besitzt 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser und ist damit nicht nur der wichtigste Vermieter, sondern auch einer der Hauptgläubiger der insolventen Warenhauskette.

Neben Goldman Sachs sind als weitere Partner die Deutsche Bank und die italienischen Unternehmen Borletti, Generali und Pirelli an dem Immobilienfonds beteiligt. Borletti hat bereits Warenhaus-Erfahrung mit der italienischen Kette La Rinascente und dem französischen Kaufhaus Printemps gesammelt.

Als weitere Interessenten haben der deutsch-schwedische Investor Triton sowie die Berggruen Holding eine Offerte vorgelegt. Alle vorliegenden Angebote seien jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft, hieß es in Branchenkreisen. Während Triton etwa Zugeständnisse der Belegschaft und der Vermieter fordert, verlangt Berggruen lediglich Mietsenkungen und will die Beschäftigten ungeschoren lassen. Gegen die Forderungen von Triton hatte sich vor allem die Gewerkschaft Verdi gewehrt.

Beobachter rechnen damit, dass sich die Präsentationen der drei Bieter bis in den späten Nachmittag hinziehen. Nach der Vorstellung der Konzepte sollen die elf Mitglieder des Gläubigerausschusses die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen.

Sollte noch Klärungsbedarf bestehen, kann der Gläubigerausschuss den Termin für die Unterzeichnung des Kaufvertrags ein zweites Mal verschieben. Die ursprünglich für den 30. April gesetzte Frist war bereits um vier Wochen auf den 28. Mai verschoben worden.

Damit der Insolvenzplan in Kraft treten kann, muss er vom Essener Amtsgericht bestätigt werden. Ein Gerichtstermin ist für den kommenden Montag geplant. Ein Vertreter des Gerichts nimmt jedoch bereits an der Sitzung des Gläubigerausschusses teil.

DPA/APN / DPA