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Verlierer: KirchMedia geht wohl an US-Investor Saban

Kirchs Pleite machte auch Murdoch und die Banken zu Verlierern - nun hoffen die Banken, wengistens die Hälfte ihrer einst gezahlten Kredite wieder zu bekommen.

Haim Saban könnte die Korken eigentlich schon knallen lassen: Aus dem Bieterrennen um die insolvente KirchMedia ist der US-Milliardär höchstwahrscheinlich als Sieger hervorgegangen, denn der Bauer-Verlag zog sich am Mittwoch aus dem Wettbewerb zurück. Sobald der Kaufvertrag unterschrieben ist, ist Saban Chef des größten deutschen Film- und Fernsehkonzerns. Doch die größte Pleite der deutschen Nachkriegsgeschichte ließ auch Verlierer der Superlative zurück - allen voran Leo Kirch, Rupert Murdoch und die Banken.

Vermögen dramatisch geschrumpft

Leo Kirch wurde noch an seinem 75. Geburtstag mit einem Vermögen von 13 Milliarden Euro von "Forbes" zu den reichsten Männern der Welt gezählt. Ihm gehörten sechs Fernsehsender, Europas größter Filmbestand, die Bundesliga-, WM- und Formel-1 Rechte sowie 40 Prozent des Axel-Springer-Verlages. Unter der Schuldenlast von 6,5 Milliarden Euro ging sein Konzern Pleite.

Trotzdem kein gebrochener Mann

"Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen", sagte der fränkische Winzersohn, der als Student mit dem Filmhandel begonnen hatte. Der Unternehmensgründer ist alles andere als ein gebrochener Mann, wie zuletzt sein Auftritt als Zeuge im Haffa-Prozess bewies. Sein Lebensabend dürfte finanziell gesichert sein. Wegen zig Millionen ermittelt die Staatsanwaltschaft in St. Moritz. Von der Deutschen Bank kann er nach einem Urteil noch Schadenersatz erwarten.

Murdoch am Ausverkauf nicht beteiligt

Rupert Murdoch hatte für 1,5 Milliarden Euro Anteile an Kirchs PayTV gekauft. Für eine Beteiligung an KirchMedia brachte er seinen Sender TM3 als Morgengabe ein. Jetzt schaut er in die Röhre. Murdoch hatte die Pleite mit öffentlichen Forderungen sogar noch forciert. Aber beim Ausverkauf des Konzern-Erbes wurde der Medientycoon aus Übersee ausgebremst.

Geld futsch

Silvio Berlusconi, italienischer Medienzar und Ministerpräsident, hatte eine halbe Milliarde Euro in den Kirch-Konzern investiert, ebenso wie der kalifornische Fonds Capital Research, der saudische Prinz Al Waled und die britische Investmentbank Lehman Brothers. Jetzt stehen sie mit leeren Händen da - ebenso wie der Handelskonzern Rewe, einer der ältesten Kirch-Gesellschafter.

Blaues Auge für die Banken

Die Gläubigerbanken hoffen noch, mit einem blauen Auge davon zu kommen. "Wenn es gut läuft, kommt mehr als die Hälfte zurück", heißt es bei einem Institut. Größter Kreditgeber war die Bayerische Landesbank mit 2,0 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank soll 720 Millionen, HypoVereinsbank 490 Millionen, Dresdner Bank 460 Millionen, DZ-Bank 400 Millionen, J.P. Morgan 350 Millionen, Commerzbank 300 Millionen und Lehman Brothers 250 Millionen ausgeliehen haben.

Kredite unterschiedlich gut besichert

Die Kredite sind unterschiedlich gut mit Pfandrechten gesichert. Die Landesbank musste auf Druck des Bundesaufsichtsamts ihre Wertberichtigung auf fast 900 Millionen Euro erhöhen. Heute hält sie mit J.P.Morgan und Lehman 75 Prozent der Formel-1 und will den Großteil möglichst bald an die Autokonzerne weiter verkaufen. Landesbank und HypoVereinsbank halten auch ein Viertel von Premiere und hoffen, dass sie beim 2005 geplanten Börsengang des Abosenders ausbezahlt werden. Einen großen Teil der KirchMedia-Kredite können die Banken im Laufe der nächsten Jahre zurückerwarten, wenn der Filmhandel wieder in Schwung kommt. Die Deutsche Bank sicherte sich Kirchs Springer-Aktien. Die Dresdner Bank beansprucht den lukrativen spanischen Sender Telecinco als Pfand - aber das wird von den anderen Gläubigern angefochten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

"Wie hoch die Verluste letztlich sind, kann man erst sagen, wenn alles wieder verkauft ist", erklärte ein Banker. "Nicht auszuschließen, dass wir alles wieder bekommen."

Filmstudios und Fußballer aus dem Paradies vertrieben

Für Hollywood und die Bundesliga bedeutete Kirchs Pleite die Vertreibung aus dem Schlaraffenland. Die Studios hatten Kirch in lang laufenden Verträgen Filme zu Höchstpreisen verkauft. Jetzt bleiben sie auf der Ware sitzen - oder müssen billiger liefern. Premiere bekommt die Filme schon zum halben Preis. Schadenersatz-Forderungen der Studios in Milliardenhöhe wurden vom Insolvenzverwalter nicht anerkannt. Die Fußballvereine bekommen für die Bundesliga-Rechte von Sat.1 und Premiere heute ein Viertel weniger.

20 Prozent verloren den Job

Rund 2.000 der einst 10.000 Beschäftigten im Kirch-Konzern verloren ihren Job. Allein bei Premiere wurden 1.000 Mitarbeiter gefeuert und der Medienstandort München büßte an Bedeutung ein.