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Medienkrise: "Frankfurter Rundschau" steht vor dem Aus

Der Herausgeber der traditionsreichen "Frankfurter Rundschau" hat Insolvenzantrag gestellt. Damit kapitulieren zwei prominente Haupteigner vor der Krise der Printmedien in Deutschland.

Von Sven Oliver Clausen

Die Krise der Printmedien erreicht Deutschland. Der Eigentümer der traditionsreichen "Frankfurter Rundschau" stellte am Dienstag einen Insolvenzantrag. Der Verlag bestätigte damit indirekt Informationen der "Financial Times Deutschland". Damit wird in den nächsten Tagen ein Insolvenzverwalter die Geschäfte übernehmen und nach einem Investor suchen. Dies wird schwierig: Die "Frankfurter Rundschau" schreibt Verluste, wie praktisch sämtliche Printmedien leidet sie unter einer bröckelnden Auflage. Zwar wächst die Leserschaft digitaler Angebote, allerdings tun sich die Verlage schwer, ein Geschäftsmodell zu finden, dass die teuren Redaktionen finanzieren kann.

Mit dem Entschluss kapitulieren zwei langjährige Medienunternehmer bei einer ihrer wichtigsten Beteiligungen vor dem digitalen Umbruch in der Medienbranche. Die Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, die die Frankfurter Rundschau herausgibt, gehört zu 50 Prozent plus einer Stimme der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg. 40 Prozent liegen bei der DDVG, der Medienholding der SPD. Die übrigen Anteile hält die Karl-Gerold-Stiftung. Bislang hatten die Eigentümer die Verluste über eine Patronatserklärung immer abgedeckt. Nach Informationen der FTD hatten sie kürzlich signalisiert, dies künftig nicht mehr leisten zu wollen. Die SPD-Medienholding ist daneben direkt oder indirekt an weiteren Zeitungen wie der "Neue Westfälische", "Sächsische Zeitung", "Frankenpost" oder "Hannoversche Allgemeine" beteiligt. DuMont Schauberg gibt auch den "Kölner Stadt-Anzeiger", die "Kölnische Rundschau", die "Berliner Zeitung" sowie die Boulevard-Blätter "Express", "Hamburger Morgenpost" und "Berliner Kurirer" heraus.

Belegschaft am Nachmittag informiert

Die Belegschaft wurde am Nachmittag informiert. MDS und DDVG dankten den Mitarbeitern für ihre Veränderungsbereitschaft in den vergangenen Jahren und auch dafür, dass sie mit Gehaltsverzicht zum Versuch beigetragen hatten, die Zeitung zu retten. "Eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste ist aber sowohl für MDS als auch die DDVG nicht länger darstellbar", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Die Auflage der "FR", die 1945 gegründet wurde, war von 190.000 im Jahr 2001 auf zuletzt 118.000 gesunken. Ob MDS den "FR"-Lesern anbietet, auf andere Titel des Verlags umzusteigen, war am Dienstag noch nicht klar.

Bislang hatte die Krise der Printmedien vor allem im Ausland konkrete Folgen. Mehrere französische Tageszeitungen haben auf eine rein digitale Erscheinungsweise umgestellt, im vergangenen Monat kündigt das US-Wochenmagazin "Newsweek" diesen Schritt an.

mit Agenturen / FTD