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Meldungen: Einsparungen nicht auf Kosten älterer Patienten

Ulla Schmidt hat den Reformkompromiss als qualitative Verbesserung des Gesundheitswesens verteidigt. Der Vorschlag der Jungen Union, die medizinische Versorgung älterer Patienten einzuschränken, wurde barsch zurückgewiesen.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sieht durch den überparteilich erzielten Gesundheitskompromiss den Einstieg in den Ausstieg aus bisherigen Monopolverhältnissen. "Die Kassenärztlichen Vereinigungen werden nicht mehr schalten und walten können wie sie es bis heute können", sagte Schmidt in einem dpa- Gespräch. Künftig würden sie alles Wichtige nur noch zusammen mit den Kassen festlegen können.

Medizinische Leistungen würden besser

Schmidt zeigte sich überzeugt, dass die Ärzte durch die Strukturreform qualitativ besser würden. Denn "wer Nein sagt und sich weigert, sich fortzubilden, wird einfach bestimmte Leistungen bei der Kasse nicht mehr abrechnen können". Das gesamte Vergütungssystem der Ärzte werde auf eine neue Grundlage gestellt, sagte Schmidt.

Die neuen medizinischen Zentren bezeichnete die Gesundheitsministerin als Chance auch für viele Mediziner, die etwa nach der Erziehungszeit wieder in den Beruf einsteigen wollen - "und zwar ohne auf einer Bank zuvor viel Geld für eine teure Praxis aufnehmen zu müssen". In diesen Zentren werde auch Teilzeitarbeit möglich sein, sagte Schmidt.

Einsparungen nicht auf Kosten älterer Menschen möglich

Unterdessen wies das Gesundheitsministerium den Vorschlag des Vorsitzenden der Jungen Union Missfelder, bei 85-jährigen Patienten auf künstliche Hüftgelenke zu verzichten, sowohl als ethisch nicht vertretbar als auch ökonomisch nicht notwendig zurück. Die geplanten Milliarden-Einsparungen im Gesundheitswesen können ohne Leistungskürzungen für ältere Patienten realisiert werden. Das sei durch mehr Transparenz und ein integriertes Versorgungssystem möglich, sagte der zuständige Staatssekretär Schröder am Montag im Deutschlandradio Berlin.

Verwaltungskosten auf neuem Rekordhoch

Trotz aller Sparappelle haben die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenversicherung Bericht des „Handelsblatt“ im vergangenen Jahr einen neuen Rekord erreicht. Sie lägen bei 8,02 Milliarden Euro, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die neue Jahresstatistik des Gesundheitsministeriums.

Kassen-Sprecher waren bereits am Wochenende davon ausgegangen, dass einige Versicherungen ihre Verwaltungsausgaben deutlich senken und die Beiträge reduzieren könnten. „Viele Krankenkassen können ihre Verwaltungskosten um bis zu einem Drittel kürzen», sagte der Sprecher der Gmünder Ersatzkasse der „Berliner Zeitung“. Der Sprecher der Direktkrankenkasse BIG erklärte, rechnerisch wäre ein 0,3 Punkte niedrigerer Durchschnitts-Beitragssatz möglich.

Barmer-Chef sagt neue Lasten für Kassen voraus

Der Chef der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, prophezeite neue Milliarden-Lasten. „Ab 2005 kommen auf die Kassen rund 1,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten zu, weil sie dann die medizinischen Behandlungskosten für Pflegefälle übernehmen“, sagte er der „Financial Times Deutschland“. Auch die elektronische Gesundheitskarte, die 2006 eingeführt werden soll, koste die Kassen mindestens 1 Milliarde Euro mehr.

DPA