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Microsoft: Bill Gates zieht sich zurück

Bei Microsoft geht eine Ära zu Ende: Konzerngründer Bill Gates will sich bis Mitte 2008 aus dem Tagesgeschäft zurückziehen - und sich dann verstärkt seiner wohltätigen Stiftung widmen. Seine Nachfolge ist jedoch bereits geregelt.

Microsoft-Gründer Bill Gates will sich bis zum Juli 2008 aus dem Tagesgeschäft des Softwaregiganten zurückziehen. Er wolle sich um seine karitative Arbeit in der Bill & Melinda Gates Stiftung kümmern, teilten Gates und Microsoft-Chef Steve Ballmer in Redmond (US-Bundesstaat Washington) mit.

Gates hatte die Software-Firma 1975 zusammen mit Paul Allen gegründet. Allen und Vorstandschef Steve Ballmer bleiben weiterhin in der aktiven Führungsspitze. Mit den Hauptprodukten Windows und Office führte der Studienabbrecher Gates Microsoft in den achtziger und neunziger Jahren an die Spitze der Softwarebranche bevor er im Jahr 2000 die Leitung des Konzerns an seinen Freund Steve Ballmer abgab. Als Chef Software Architekt hatte Gates aber bis zuletzt großen Einfluss auf die Gestaltung der Microsoft-Produkte. So hat Gates auf die Richtung der Produktentwicklung beim neuen Betriebssystem Windows Vista vorgegeben, das nach zahlreichen Verspätungen nun zum Jahreswechsel 2006/2007 auf den Markt kommen soll.

Schwere Entscheidung für Gates

Angesichts des verschobenen Einführungstermins für die neue Windows-Version Vista und Herausforderungen von Internet-Giganten wie Google und Yahoo kommt Gates' angekündigter Rückzug in einer schwierigen Phase für Microsoft. Gates sagte aber, die Software-Schmiede habe sich schon immer neuen Konkurrenten und Herausforderungen stellen müssen und die jüngsten Probleme hätten nichts mit seiner Entscheidung zu tun. "Es hat nie eine Phase in unserer Geschichte gegeben, in der es nicht Fragen zu Microsoft gegeben hat", sagte er.

"Es war sehr hart für mich, diese Entscheidung zu treffen", sagte der 50-jährige in einer Pressekonferenz. "Ich glaube, dass Microsoft diesen Übergang bewältigen kann, ohne eine Entwicklung zu verpassen." Microsoft sei für den künftigen Erfolg gut aufgestellt. Damit leitete Gates das Ende einer Ära in dem Konzern ein, dessen Aufstieg ihn zum reichsten Mann der Welt machte. Er betonte zwar, dass er Microsoft nicht verlasse und weiterhin der größte Aktionär des Unternehmens bleibe. Ballmer räumte zur Nachfolgeregelung aber in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP ein: "Wenn wir denken sollten, irgendjemand könnte Bill Gates sein, wäre das wohl eine falsche Hypothese."

Gates hat die größte karitative Stiftung der Welt

Einer der drei Technischen Leiter von Microsoft, Ray Ozzie, wird sofort Gates' Rolle als Oberster Software-Architekt übernehmen und zusammen mit Gates das gesamte Programm-Design überwachen. Ein weiterer Technischer Leiter, Craig Mundie, arbeitet ab sofort als Leiter der Forschungs- und Strategie-Abteilung mit Gates in diesen Bereichen zusammen. Mit dem Chefjuristen Brad Smith leitet Mundie zudem die Microsoft-Aktivitäten bezüglich Urheberrecht und Technologie-Politik.

Als reichster Mann der Welt gehört Bill Gates zu den größten Philanthropen der Geschichte. Gates erklärte, er habe bei der Gründung seiner Stiftung vor sechs Jahren nicht das Potenzial erkannt, das er mit der Bill & Melinda Gates Foundation bei der Lösung einiger der größten Probleme der Menschheit habe. "So wie sich Microsoft in einer Art entwickelt hat, die ich nie erwartet hatte, ist es auch mit der Stiftung geschehen", erklärte er. Sein Reichtum - geschätzt auf 50 Milliarden Dollar - bringe auch eine große Verantwortung mit sich. Er wiederholte seinen Wunsch, den größten Teil davon seiner Stiftung zur Verfügung zu stellen. Bereits jetzt ist sie die größte karitative Stiftung der Welt mit einem Vermögen von 29,1 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro). Die Stiftung konzentriert sich in ihrer Arbeit auf die Bereitstellung von Impfstoffen für arme Länder in Afrika und Asien.

AP/DPA / AP / DPA