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Mineralwasser im Check: Gleiches Wasser, viermal so teuer - so funktioniert der Quellen-Trick

In Deutschland muss jedes Mineralwasser offiziell aus einer anderen Quelle kommen. Tatsächlich liegen die Quellen aber teils so nah zusammen, dass ein Unterschied kaum erkennbar ist. Außer beim Preis.

Für kann man sehr viel Geld ausgeben - oder auch sehr wenig. So kostet manches Markenwasser im Laden 50, 60 oder 70 Cent je Liter. Beim Discounter gibt es die 1,5-Liter-Flasche dagegen schon für 19 Cent. Wie lässt sich ein solch großer Preisunterschied begründen? Sind die teuren Wässerchen wirklich so viel hochwertiger oder ist das alles Augenwischerei?

In muss jedes Mineralwasser aus einer anderen Quelle stammen - so schreibt es der Gesetzgeber vor. So können sich auf natürliche Weise tatsächlich Unterschiede beim Mineralgehalt ergeben. In der Praxis treibt das Eine-Quelle-eine Marke-Gesetz allerdings merkwürdige Blüten, wie der NDR in seiner Verbrauchersendung "Markt" berichtet. So liegen die Quellen der Abfüller teilweise so nah beieinander, dass das Wasser im Ergebnis nicht mehr zu unterscheiden ist.

Premium- und Billig-Quelle trennen nur sechs Meter

Beim Mineralwasser-Hersteller Magnus aus bei Hamburg trennen die Quellen nur ein paar Schritte. Rund sechs Meter liegen zwischen den beiden Schächten, aus denen der Hersteller sein Billig- und sein Premiumwasser emporholt. Unter dem einen der beiden unscheinbaren Kanaldeckel ruht die "Gute-Laune-Quelle" für das Magnus-Wasser, das im Laden 55 Cent kostet. Der zweite Deckel verbirgt die "St-Georg-Quelle", aus der die Flaschen des nur 35 Cent teuren Alstertaler-Mineralwassers befüllt werden. Formal handelt es sich um zwei Quellen, weil zwei unterschiedliche Wasserschichten angebohrt werden - in 45 Metern und in 430 Metern Tiefe.

Der Vorteil für den Verbraucher? De facto nicht vorhanden, wie Magnus-Chefin Gaby Gaßmann offen zugibt. Bei der Zusammensetzung des Wassers gebe es keinen Unterschied. "Aber was soll auch aus sechs Metern Unterschied anderes aus der Erde kommen?", sagt Gaßmann dem . Die zweite Quelle habe man nur angebohrt, um zusätzlich zum Magnus-Wasser auch noch eine Billigmarke anbieten zu können, die mit den Discount-Preisen konkurrieren kann. 

Sechs Quellen in einem Ort

Magnus ist natürlich nicht der einzige Hersteller, der den Trick mit der Zweitquelle anwendet. Und manchen sind zwei Quellen längst nicht genug: Das Unternehmen Hansa-Heemann aus dem norddeutschen Trappenkamp vertreibt sechs Mineralwasser, die sich aus sechs Quellen speisen, die alle im Stadtgebiet des 5000-Einwohner-Örtchens liegen. Die Spanne reicht vom Premiumwasser Hella für 59 Cent bis zum Discountwasser Quellbrunn, das bei Aldi für 13 Cent verscherbelt wird.

"Auch wenn Mineralwasser an einem Standort abgefüllt wird, weist es aufgrund der unterschiedlichen Quellen eine unterschiedliche Mineralisierung auf", erklärt Hansa-Heemann dem NDR dazu in einer schriftlichen Stellungnahme. Zugang zu den Quellen wollte das Unternehmen dem NDR nicht gewähren. Der Hydrogeologe Professor Andreas Dahm erklärt dem NDR, das es sich bei den Trappenkamper Wassern trotz geringer Abweichungen im Mineralstoffgehalt im Grunde um einen Typ Wasser handle.

Stiftung Warentest: Mineralwasser überbewertet

Welche Unterschiede zwischen Quellen aus verschiedenen Orten bestehen, hat die Stiftung Warentest vergangenes Jahr bei einem großen Vergleich von 77 Mineralwassern untersucht. Tatsächlich unterscheidet sich der Gesamtgehalt an Mineralstoffen sowie deren Zusammensetzung zum Teil erheblich. Für die meisten Menschen ist es allerdings nicht wichtig, welches Wasser sie nehmen, da sie die meisten Mineralstoffe sowieso übers Essen aufnehmen.

Lediglich in Spezialfällen lohnt es sich, genauer hinzusehen: So können beispielsweise laktoseintolerante Menschen oder solche, die keine Milch trinken, ein Wasser mit hohem Kalzium-Gehalt wählen. Immunschwache Menschen sollten laut Warentest zudem ein Produkt mit niedrigem Keimgehalt wählen, für Gesunde war der Keimgehalt in keinem der Produkte bedenklich. Auch Krankheitserreger fanden die Warentester in keinem der untersuchten Mineralwasser.

Das günstigste, gute Wasser steht allerdings nicht im Laden, sondern kommt frei Haus. Die Trinkwasserqualität ist in Deutschland generell gut, Probleme gibt es höchstens durch alte Blei-Leitungen im eigenen Haus. Die Stiftung Warentest hält Mineralwasser aus der Flasche daher grundsätzlich für überbewertet. In manchen Gegenden ist das Leitungswasser laut Test sogar so gehaltvoll, dass es mehr Mineralstoffe enthält als die meisten Mineralwasser aus dem Laden.

Den Mineral- und Leitungswasservergleich der Stiftung Warentest finden Sie gegen Gebühr hier

Den Beitrag von NDR-Markt können Sie sich hier ansehen


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