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Mobilfunk: O2 beugt sich Trend zu Pauschaltarifen

Handynutzer haben Grund zur Freude: Der Siegeszug des Pauschaltarifs rüttelt weiter an den Preisen. Mobilfunkbetreiber versprechen sich durch die Billigangebote mehr Umsatz. Noch geht diese Rechnung allerdings nicht auf.

Von Volker Müller

Als vierter und letzter Mobilfunkbetreiber in Deutschland wird O2 von der zweiten Novemberhälfte an einen Pauschaltarif für Handytelefonate anbieten.

Der kleinste deutsche Anbieter, eine Tochter des spanischen Telefoniekonzerns Telefónica, folgt damit dem Pionier E-Plus, der bereits seit August 2005 unter der Marke Base einen Pauschaltarif verkauft. Noch zu Jahresbeginn hatte sich O2-Geschäftsführer Rudolf Gröger strikt gegen Pauschaltarife ausgesprochen. "Base wird angenommen - und wir müssen dem Markt folgen. Am Anfang hatten wir gedacht, es wäre ein vorübergehendes Phänomen", sagte Gröger der FTD. Dies sei eine Fehleinschätzung gewesen, räumt er heute ein.

Bei Pauschaltarif werden Kunder häufiger angerufen

Bereits Anfang Oktober hatte die Telekom-Tochter T-Mobile einen Pauschaltarif eingeführt, Vodafone folgte am Dienstag. "Die dahinterstehende Wette ist: Mit einem Pauschaltarif werden die Kunden aktiver. Sie telefonieren aber nicht nur selbst häufiger, sondern werden auch häufiger angerufen. Daran verdient der Netzbetreiber zusätzlich", erklärte Gröger das Geschäftsmodell.

In der Branche heiße es, Base-Kunden würden E-Plus einen monatlichen Umsatz von knapp 50 Euro bescheren - weit mehr als Kunden anderer Tarifmodelle, sagte Gröger. Zu dem eigenen Angebot nannte er keine Details, sagte aber: "Die Kunden haben sich an 25 Euro gewöhnt. Es dürfte schwer fallen, einen anderen Preis durchzusetzen."

Mit dem Start von Base sowie Discounttöchtern wie Simyo hat E-Plus die Preise im deutschen Mobilfunkmarkt spürbar ins Rutschen gebracht: Binnen Jahresfrist ist der durchschnittlichen Minutenpreis um etwa 13 Prozent gesunken. Das ist allerdings ein zweischneidiges Schwert für die Netzbetreiber: Die erhoffte Zunahme der Handytelefonate blieb bislang aus. "Wir verlieren alle Umsatz, das häufigere Telefonieren kompensiert bisher nicht die günstigeren Preise. Die Kunden trauen dem Frieden noch nicht", sagte Gröger.

Angriff auf E-Plus stockt

Um weiterhin kräftig zu wachsen, sucht O2 deshalb vom 27. Oktober an auch seinen Erfolg im Geschäft mit schnellen DSL-Zugängen zum Internet. Bis zum Ende dieses Jahres erwartet Gröger dabei aber lediglich rund 30.000 Kunden: "Diese sollen zeigen, ob wir die Prozesse beherrschen." Langfristig wolle O2 bis zu 20 Prozent des deutschen Neukundengeschäfts gewinnen. Der Vergleich aktueller Angebote für DSL-Zugänge zeigt jedoch: Die O2-Tarife liegen lediglich im Mittelfeld des Marktes. "Wir werden regelmäßig prüfen, ob unser Preispunkt der richtige ist", sagte Gröger.

Streit mit der Bundesnetzagentur

Kampfeslustig gibt sich der Manager im Streit um die sogenannten Terminierungsentgelte. Diese verlangen Netzbetreiber für eingehende Anrufe aus fremden Netzen. Sie werden vom kommenden Januar an erstmals durch die Bundesnetzagentur reguliert. Während die Behörde einen Minutenpreis von weniger als 10 Cent für angemessen hält, hat O2 vor wenigen Tagen einen Antrag über 22 Cent eingereicht.

Damit geht Gröger auf Konfrontationskurs mit der Netzagentur. Deren Chef Matthias Kurth hatte im August der FTD gesagt: "In Europa liegen jetzt einige Entscheidungen vor, die Entgelte im Laufe des Jahres 2008 auf 6 bis 7 Cent pro Minute zu senken. Ich sehe auch in Deutschland das Ziel, im Rahmen eines Gleitpfads binnen zwei Jahren auf ein vergleichbares Niveau zu kommen."

Gröger verteidigte die hohe Forderung von O2: "Herr Kurth hat sich auf eine Vollkostenregulierung festgelegt. 21 Cent sind die vollen Kosten." Anders als von der Netzagentur geplant, rechnet Gröger auch übergeordnete Kosten wie etwa Lizenzgebühren ein, auch Kundenakquisitionskosten oder den parallelen Betrieb des GSM- und des UMTS-Netzes. Zudem habe O2 kein flächendeckendes Netz in Deutschland und kaufe deshalb Netzabdeckung beim Rivalen T-Mobile. Dies habe er der Behörde in einem 800-seitigen Dokument zur Begründung detailliert dargelegt, sagte Gröger.

Der O2-Manager verwies darauf, dass der Mobilfunk in Deutschland nach wie vor ein Minusgeschäft sei: "Trotz der hohen Margen vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Die darunter liegenden Ergebnisse sind rot gefärbt. Insofern darf doch niemanden der Preis von 21 Cent verwundern."

Die Verfahrensweise der Bonner Bundesnetzagentur kann Gröger nicht nachvollziehen: "Die Netzagentur kann sich nicht einerseits auf eine kostenbasierte Regulierung festlegen, anderseits sich aber an einem europäischen Benchmark orientieren - das passt nicht zusammen."

Die Behörde habe nach Kosten gefragt, stehe aber nun vor Antworten aller Netzbetreiber, die er nicht habe hören wollen. Einen politischen Wunschpreis werde O2 nicht akzeptieren: "Wir können ja nicht 10 Cent verlangen, nur weil das gerade politisch opportun erscheint." Dieser könne einer Enteignung gleichkommen: "Gegebenenfalls prüfen wir, juristisch dagegen vorzugehen", kündigte Gröger an.

FTD