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Alain Caparros: C&A-Chef tritt überraschend ab – "nicht mehr in der Lage, meine Position auszufüllen"

Als Rewe-Chef zwang er Edeka und Kaiser's Tengelmann in die Knie. Als C&A-Europachef brachte er frischen Wind in die angestaubte Textilhandelskette. Doch jetzt zwingt sein Herz den 62-jährigen Alain Caparros kürzer zu treten.

C&A-Chef - Alain Caparros - Herzinfarkt

Alain Caparros wird beruflich kürzertreten

DPA

Überraschender Führungswechsel beim Textilhandelsriesen C&A: Alain Caparros räumt nach weniger als zwei Jahren den Posten als Europa-Chef des Traditionsunternehmens. Gesundheitliche Probleme lassen dem 62-jährigen Manager keine andere Wahl. "Leider sehe ich mich aufgrund meines Herzinfarktes im vergangenen Jahr nicht mehr in der Lage, meine Position mit dem erforderlichen Einsatz auszufüllen", begründete Caparros in einer am Mittwoch im schweizerischen Zug veröffentlichten Mitteilung der C&A AG den Schritt. Er wolle sich jetzt auf seine Genesung konzentrieren.

Bundesweit bekannt geworden war Caparros, als er vor einigen Jahren noch als Rewe-Chef die geplante Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch den Konkurrenten Edeka mit seinem Widerstand fast zum Scheitern brachte. Am Ende musste Edeka rund 60 Kaiser's-Tengelmann-Filialen auf dem attraktiven Berliner Markt Rewe überlassen, um das Vorhaben zu retten. 

Alain Caparros warf Zukunftspläne über den Haufen

Nach dem Ende seiner Amtszeit bei Rewe wollte Caparros eigentlich kürzer treten. "Wenn ich mal aufhöre, Mehl und Zucker zu verkaufen, dann kann ich mir gut vorstellen, Galerist zu werden und jungen Künstlern ein Forum zu geben, damit sie von ihrer Kunst leben können", sagte der 1956 im damaligen französischen Département Algerien geborene Manager einmal in einem Interview. Doch es kam anders. 

Denn im Sommer 2017 erklärte Caparros plötzlich: "Ich habe mich dazu entschieden, meine Pläne für die Zeit nach Rewe zu ändern." Obwohl er bis dahin kaum Berührung mit dem Textilhandel gehabt hatte, übernahm der damals 60-Jährige noch im August des gleichen Jahres die Leitung von C&A Europa.  

Das Traditionsunternehmen kämpfte damals mit rückläufigen Umsätzen. Denn es hatte die Geschwindigkeit, mit der sich der Modehandel in Richtung Internet verlagert, unterschätzt. Für zusätzlichen Druck sorgte die wachsende Zahl von Billiganbietern wie beispielsweise Primark, die gerade in den Augen der jungen Kundschaft modischere Artikel im Angebot hatte. 

"Er hat C&A in die richtige Richtung gelenkt"

Die Herausforderung reizte Caparros wohl. Jedenfalls brachte er im Eiltempo frischen Wind in das leicht angestaubte Familienunternehmen. Mit neuen Eigenmarken im Niedrigpreissegment versuchte er, Billiganbietern wie Primark Paroli zu bieten. Gleichzeitig brachte er aber auch erstmals bekannte Marken wie Mustang-Jeans in die Regale, um die stark auf Marken fixierte jugendliche Kundschaft besser zu erreichen. Und er holte Partner wie den Deko-Artikel-Hersteller Butlers und den Kostümanbieter Deiters ins Haus, um neue Kunden anzulocken. 

"Er hat C&A in die richtige Richtung gelenkt", betonte der Chef des Familienimperiums, Martijn Brenninkmeijer bei der Bekanntgabe des Rücktritts. Caparros wird C&A weiter als Berater zur Verfügung stehen, wie das Unternehmen betont. 

Nachfolger von Caparros wird mit Edward Brenninkmeijer ein Mitglied der Eigentümerfamilie. Der Unternehmer ist bereits seit 2014 für das C&A-Geschäft in Brasilien, Mexiko und China verantwortlich und wird nun auch die Verantwortung für das Europageschäft übernehmen.

mod / DPA