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Alain Caparros: Dieser Mann machte Rewe fit für die Zukunft - jetzt soll er C&A retten

Alain Caparros stand rund elf Jahre an der Spitze der Rewe Group - und verließ das Unternehmen im Sommer mit Rekordzahlen. Nun heuert der Mann bei dem kriselnden Textilhändler C&A an. Kann er auch diese Firma retten?

Rekordumsatz, Rekordergebnis, sattes Wachstum im Onlinegeschäft: Alain Caparros konnte seine letzte Pressekonferenz bei der Rewe Group mit Stolz über die Bühne bringen. Nach elf Jahren an der Spitze des Unternehmens hatte er aus dem Lebensmittelhändler mit Schlingerkurs und Korruptionsaffäre ein stabiles Unternehmen geformt, das im Vergleich zu manch einem Wettbewerber deutlich krisenfester für die Zukunft aufgestellt ist. 

Obwohl sein Vertrag noch bis 2018 laufen würde, entschied sich Caparros zu gehen. "Wir sind mit den Aufgaben sehr viel schneller und reibungsloser fertig geworden, als dies bei meiner vorzeitigen Vertragsverlängerung zu Beginn des Jahres 2014 absehbar war", ließ der ehemalige Rewe-Chef in einer Mitteilung im Frühjahr wissen. Nun heuert der Rewe-Retter bei einem neuen Sorgenkind an: C&A, der traditionsreiche Textilhändler, hat nicht nur die Digitalisierung in weiten Teilen verschlafen, sondern muss sich auch gegen mächtige Wettbewerber zur Wehr setzen. Mit Caparros, der den Posten des Europa-Chefs übernimmt, scheint das Unternehmen einen guten Fang gemacht zu haben.

Rewe hat bei Digitalisierung gepunktet

Denn auch Rewe stand vor elf Jahren vor massiven Problemen: Ein Korruptionsskandal um den damaligen Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus, das Discounterkind Penny ohne klar Strategie und auch die Supermarktkette Rewe brauchte dringend neue Visionen - auch um sich gegen den ewigen Rivalen Edeka abzuheben.


Die brachte der Algerier, der in Lothringen aufwuchs, mit. Heute feiert das Unternehmen nicht nur Rekorderlöse, sondern ist auch Pionier in der Digitalisierung des Lebensmitteleinkaufs. Wo Wettbewerber noch zögern und abwarten, hat Caparros Rewe ins Netz geschickt. In rund 70 Städten liefert die Supermarktkette inzwischen Lebensmittel bis zur Haustür. Das Geschäft ist zwar klein und noch nicht rentabel - doch mit dem Markteintritt von Amazon Fresh vor wenigen Wochen erwarten Experten, dass der Boom des Lebensmittel-Shoppings im Netz gerade erst begonnen hat. Rewe hat schon Erfahrungen gesammelt, wo der Rest der Branche noch abwartet. Ein wertvoller Vorsprung.

C&A hat Online-Handel unterschätzt

Genau diese Weitsicht erhoffen sich die Verantwortlichen bei C&A von der neuen Personalie. Denn C&A steht unter Druck. Primark kämpft mit radikalen Billig-Preisen. Die Marktnische von C&A wird angegriffen und schrumpft und Zalando heizt den Onlinehandel an, der wiederum von C&A lange verschlafen wurde. Man habe "die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der sich der Modehandel in Richtung Online-Umsätze verändert", zitiert die "Welt" Martijn Brenninkmeijer, Chef der Cofra-Holding, zu der C&A gehört. "Kein Zweifel, darauf hätten wir eher reagieren müssen."

C&A wird von Familien-Clan gelenkt

Hinter C&A verbrigt sich kein Finanzinvestor, sondern ein Familien-Clan. Die Cofra-Holding wird von Nachkommen der Gründer Clemens und August Brenninkmeijer (Die Anfangsbuchstaben der Vornamen bildeten den Firmennamen C&A) geführt. Nur wer selbst im Unternehmen arbeitet, kann Mitglied sein. Vererbt werden Firmenanteile nicht. Dennoch: Inzwischen besteht die Brenninkmeijer-Sippschaft aus mehr als tausend Personen. Kein einfaches Konstrukt für den Textilhandelsneuling Caparros. 

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kg