Nach Kleinfeld-Rücktritt Die Nachfolger-Suche läuft auf Hochtouren


Auch wenn der Chefsessel bei Siemens trotz aller Skandale noch immer einer der herausreagendsten Posten in der deutschen Wirtschaft ist: Leicht ist die Wahl des Nachfolgers nicht. Bisher wird jeder Name gleich dementiert.

Beim leidgeplagten Siemens-Konzern läuft die Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Klaus Kleinfeld auf Hochtouren. Der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende Gerhard Cromme hat nach Informationen der dpa bereits eine Liste mit mehreren Kandidaten aufgestellt. In Unternehmenskreisen gilt es praktisch als ausgeschlossen, dass Kleinfeld bis zum Vertragsende im Herbst durchhält. Auch der scheidende Vorstandsvorsitzende betonte, er sei jederzeit bereit, den Platz für einen Nachfolger frei zu machen. Er sehe der Zeit danach ohnehin schon hoffnungsfroh entgegen: "Ich freue mich, wenn ich mal wieder einen Waldlauf machen kann."

Nur sehr renommierte Manager kommen in Frage

Auch wenn der Chefsessel bei Siemens trotz aller Skandale noch immer einer der herausgehobensten Posten in der deutschen Wirtschaft ist: Leicht ist die Wahl des Nachfolgers nicht. "Das ist eine Entscheidung, die gut vorbereitet gehört, und nicht mit heißer Nadel gestrickt sein darf", sagt Claus Goworr von der Unternehmens- und Personalberatung CGC. In Frage kämen in der derzeitigen Krisensituation nur Manager mit hohem internationalem Renommee und Anerkennung auch bei der Arbeitnehmerschaft.

Auch Kleinfeld sagte, dass sein Nachfolger neben der Fähigkeit zum Umgang mit Krisen einiges mitbringen müsse. Internationalität sei angesichts der Geschäfte in aller Welt ebenso gefragt wie eine "Leidenschaft für Innovation und Technik". Beides dürfte wohl Linde-Chef Wolfgang Reitzle mitbringen, der bisher einzige Name, der sich hartnäckig in den Spekulationen hält. Allerdings wies Kleinfeld spitz darauf hin, dass bei Siemens ein einzelner Geschäftsbereich mehr Umsatz machen könne als so mancher DAX-Konzern. Eine Anspielung, die durchaus auch auf Linde gemünzt sein könnte.

Problem: Siemens-Gehalt könnte zu niedrig sein

Zudem wird in der Branche bezweifelt, dass Reitzle Gehaltseinbußen bei Siemens in Kauf nehmen würde. Im vergangenen Jahr verdiente er etwa doppelt so viel Geld wie Kleinfeld. Nach den Prügeln, die Siemens im vergangenen Jahr für eine 30-Prozent-Erhöhung der Vorstandsgehälter einstecken müsste, könnte der Konzern kaum auf das Linde-Niveau aufstocken. Zudem hat Linde abgewunken und betont, Reitzle bleibe Chef. Dennoch ist Reitzle weiter im Rennen. "Er hat einen guten Namen", betonte ein Beteiligter am Donnerstag. Der Linde-Manager sei sowohl bei Arbeitnehmern als auch auf der Kapitalseite vermittelbar. Insofern sei vor allem die Frage, ob er wolle.

Als deutlich unwahrscheinlicher gilt eine Berufung von Wolfgang Bernhard an die Siemens-Spitze. Der frühere DaimlerChrysler- und VW-Manager wurde ebenfalls in Spekulationen genannt, ist aber für die IG Metall ein rotes Tuch. Ein neuer Siemens-Chef müsse nicht nur kompetent sein, sondern auch die Mitbestimmungskultur leben, die bei Siemens herrsche, hieß es bei der Gewerkschaft. Bernhard gilt daher als ausgeschlossen.

"Cromme muss einen suchen"

In Unternehmenskreisen wird inzwischen jedenfalls fest davon ausgegangen, dass ein externer Kandidat gewählt werden wird. Dies wäre ein Novum für Siemens in den vergangenen Jahrzehnten. Wer der richtige sei, müsse jetzt vor allem einer entscheiden, sagt ein Beteiligter: "Der Cromme muss einen suchen." Selbst, ließ Cromme am Donnerstag verlauten, wolle er den Job jedenfalls nicht übernehmen.

Axel Höpner/DPA DPA

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