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Peter Löscher: Der oberste Siemensianer

Der Österreicher Peter Löscher machte bei Aventis, General Electric und Merck Karriere. Jetzt absolvierte der "Veteran der Gesundheitsindustrie" einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter: Er wurde oberster Siemensianer.

Gerade war Peter Löscher noch als Nachfolger von Merck-Chef Richard Clark in den USA gehandelt worden. Jetzt kehrt der Österreicher, den seine Karriere durch die halbe Welt geführt hat, wieder nach Europa zurück und wurde überraschend neuer Siemens-Chef in München. Dabei täuschen die Hosenträger nach der Art amerikanischer Investmentbanker. Löscher will nach eigenen Worten nicht das schnelle Geld durch rasche Verkäufe von Unternehmensteilen machen. Er setze auf Evolution statt auf Revolution, sagte er der Presse. Zeit verliert er dennoch nicht. Bereits in der Woche vor seinem offiziellen Amtsantritt nahm er an der Vorstandssitzung teil und stellte sich - noch ohne Klaus Kleinfeld offiziell abgelöst zu haben - den Journalisten. Dabei gab sich der groß gewachsene Pharma-Manager bescheiden: "Ich reihe mich in die Reihe der 475.000 stolzen Siemensianer ein", sagte er.

Internationaler Werdegang

Bodenständig ist der 49-Jährige aber nicht gerade. Geboren in Villach in Kärnten, begann er sein Wirtschafts-Studium in Wien und ging dann gleich weiter nach Hongkong. In Harvard machte er sein Diplom, wurde Unternehmensberater bei Kienbaum und nach 1988 Leiter der Konzernplanung beim Frankfurter Arzneikonzern Hoechst AG. Chef der Konzernplanung war er nach der Fusion auch beim französischen Aventis-Konzern, den er vom breit gefächerten Konglomerat zu einem fokussierten LifeScience-Konzern verschlankte.

2002 wechselte er zum englischen Konkurrenten Amersham und rückte nach dessen Übernahme durch General Electric in den Zentralvorstand des US-Konzerns und großen Siemens-Konkurrenten auf. Seit genau einem Jahr ist Löscher Vertriebschef des krisengeschüttelten US-Pharmariesen Merck in New Jersey, mit der Aussicht auf den Chefposten. Er sei "ein Veteran der Gesundheitsindustrie", der gezeigt habe, dass er neue Ansätze und Ideen in ein Unternehmen einbringen und Wandel und Wachstum vorantreiben könne, erklärte Merck vor einem Jahr.

Erster Quereinsteiger auf dem Chefsessel

Cromme sagte, Löscher kenne Siemens seit vielen Jahren von außen. "Sein globaler Hintergrund, sein hohes internationales Renommee, seine breite Erfahrung in der Strategie-Entwicklung, in Finanzmarktfragen und Technologiethemen sowie seine aufrechte Persönlichkeit waren ausschlaggebend für unsere Entscheidung." Auch wenn Löscher als erster Seiteneinsteiger auf dem Chefsessel keine eigene Hausmacht bei Siemens hat, weiß er doch die entscheidenden Kräfte hinter sich.

Der stellvertretende IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte, die Arbeitnehmer hätten in den vergangenen zwei Tagen ausführlich mit Löscher gesprochen. Nach den Jahren des raschen Konzernumbaus durch seinen Vorgänger Kleinfeld versucht Löscher offenbar Tempo bei Siemens herauszunehmen. Er wirbt um Vertrauen bei den knapp 500.000 Siemens-Mitarbeitern, von denen ihn noch kaum einer kennt. Dennoch trauen die Beschäftigten dem Hobby-Segler zu, den in schwere See geratenen Traditionskonzern in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Dazu gehört wohl auch seine Zusage, keine Kahlschlagpolitik zu betreiben und die Arbeitsplätze in Deutschland und anderswo in den Mittelpunkt seiner Bemühungen zu stellen.

"Außerordentliche Ehre"

Löscher betonte: "Es ist für mich eine außerordentliche Ehre und große Herausforderung, Vorstandsvorsitzender von Siemens zu werden." Er kenne Siemens als herausragende Adresse in der Welt und freue sich auf diese Aufgabe. Und zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern komme er gerne wieder zurück nach Deutschland.

AP/Reuters / AP / Reuters