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Nach Verbot von Leerverkäufen in EU-Ländern: Aktienmärkte erholen sich

Von ihren Höchstständen sind die Börsen noch weit entfernt. Aber nach dem dramatischen Kursrutsch zuletzt haben sich die Kurse am Freitag erholt - auch weil die Politik die Zügel anzieht und Spekulanten den Kampf ansagt.

Nach einer turbulenten Börsenwoche haben mehrere EU-Staaten in einer gemeinsamen Aktion Leerverkäufe vor allem von Finanzaktien vorübergehend verboten. Zu den Ländern, die den Beschluss umsetzten gehören Frankreich, Italien, Spanien und Belgien, deren Bankaktien zuletzt unter Beschuss geraten waren. Die EU-Kommission und Deutschland, wo ein solches Verbot bereits seit dem Jahr 2010 gilt, sprachen sich am Freitag für ein europaweites Vorgehen aus. Während Italien stärkere Sparmaßnahmen ankündigte, zeigten sich die Gläubiger Portugals mit dessen Finanzpolitik zufrieden.

Das neue Verbot von Leerverkäufen für Bank- und Versicherungstitel gilt in den Ländern den Behörden zufolge zunächst für die kommenden beiden Wochen. In Belgien, wo seit dem Jahr 2008 bereits ein generelles Verbot ungedeckter Leerverkäufe gilt, wurden für vier Versicherungen und Banken nun auch gedeckte Transaktionen verboten. In Spanien, das wie Italien im Strudel der Schuldenkrise steckt, verbot die Finanzmarktaufsicht Leerverkäufe für 16 Banken und Versicherungen. In Italien gilt die Maßnahme für 29 Finanzinstitute.

Aufatmen auf den Aktienmärkten

Das Vorgehen sorgte zunächst für Entspannung auf den Aktienmärkten: In Europa schlossen die großen Indizes am Freitag mit Aufschlägen von jeweils über drei Prozent und erholten sich damit weiter von den enormen Abschlägen der ersten Wochenhälfte. Auch an den US-Börsen machte sich vorsichtiger Optimismus breit.

Unter anderem angetrieben von Kursgewinnen der Finanzwerte schloss der Dax 3,5 Prozent höher bei 5997 Zählern und ging damit wieder auf Tuchfühlung zur Marke von 6000 Punkten, die er zuletzt am Mittwoch vorübergehend übersprungen hatte. Allerdings hat der Dax seit Beginn der Talfahrt vor knapp drei Wochen fast 20 Prozent an Wert eingebüßt. In der abgelaufenen Woche belief sich das Minus auf 3,8 Prozent. Der europäische Stoxx50 schaffte am Freitag ein Plus von 3,9 Prozent. Die zunehmende Sorge der US-Verbraucher vor einer Rezession wurde von den Anlegern weitgehend ignoriert, obwohl der entsprechende Index von Reuters und der Universität Michigan im August auf 54,9 Punkte von 63,7 Zählern im Vormonat absackte und damit so niedrig notierte wie seit Mai 1980 nicht mehr.

"Das dicke Ende kommt noch"

Das Ende der Talfahrt sei das aber wohl noch nicht, warnten Börsianer. Denn das Leerverkaufsverbot lindere nicht die Angst vor einer Ausweitung der Staatsschuldenkrise und negativen Folgen für die Konjunktur. "Wir haben diese Woche erste Panikattacken im Markt gesehen, die in ihrer Dynamik ähnlich waren wie 2008", sagte Ingo Mainert, einer der europäischen Investmentchefs bei Allianz Global Investors/RCM, zu Reuters. Eine Erholung sei kurzfristig möglich, aber wahrscheinlich von technischer Natur. Auch Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co warnte vor voreiliger Euphorie: "Das dicke Ende kommt noch. Es ist durchaus möglich, dass sich die konjunkturellen Schwächen zu einer Rezession ausweiten."

Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters