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Meinung

"Unverpackte" Tatsachen: "Nackte Tatsache": Netto kassiert für sexistische Werbung völlig zurecht einen Shitstorm

Das ging nach hinten los: Der Discounter Netto wollte seine unverpackten Lebensmittel bewerben. Doch die junge Frau, die ihre Brüste mit zwei Paprikas bedeckt, oder der junge Mann, der sich einen Kopfsalat vor den Penis hält, kamen im Netz gar nicht gut an. 

Ganz schnell die gute Nachricht vorab: Beim Discounter Netto können Kunden offenbar unverpacktes Obst und Gemüse einkaufen. Das ist prima, denn Gurken in Plastikhaut, Orangen in Plastiknetzen oder Tomaten in Kunststoffschälchen sind auch gar nicht mehr zeitgemäß. Plastik reduzieren, das ist toll! So, das war es dann auch schon mit dem Lob.

Denn das Stichwort "zeitgemäß" scheint der Marktingabteilung oder der beauftragten Werbeagentur wohl nicht so viel zu sagen. Anders lässt sich der aktuelle Reklameaufschlag nicht erklären: Da halten junge Frauen Äpfel oder Paprika vor ihre Brüste, da bedecken Männer ihren Penis mit Kopfsalaten und daneben prangt die Zeile "Nackte Tatsache". Dass die armen Models dabei auch noch völlig entrückt und leicht irre vor sich her grienen, lassen wir mal außer acht.

Netto hat Shitstorm am Hals

Bleibt die Frage: Wer findet im Jahr 2019 eine solche Werbeidee richtig gut? Die User in den sozialen Netzwerken schon mal nicht. Von "Dein Ernst, Netto" bis zu "sexistischer Kackscheiße" reicht da die Bandbreite. "Neulich bei #Netto: 'Wir machen Werbung für unser unverpacktes Gemüse. Ideen?' 'Wir könnten was mit Zwischenebene machen, wie...' 'NE NACKTE!!!!! Wir nehmen ne Nackte, die sich die Hupen mit Gemüse bedeckt!' Allgemeines Nicken brandet in donnernden Applaus. Tränen kullern", kommentiert ein anderer Twitter-User. "Unfassbar, dass so eine Werbung heute noch möglich ist... Für Dich zum mitschreiben Netto-Marken-Discount: Verpackungen reduzieren ja, aber Sexismus nein!", schreibt ein anderer User. Und eine andere Userin kommentiert: "Ich finde diese Art Werbung sooo unnötig und einfallslos.. Egal ob mit Männlein oder Weiblein." 

Dass "unverpackt" schnell die Assoziation mit "nackt" hervorruft, macht deutlich, dass die erste Idee nicht auch immer die beste sein muss. Da hilft es auch nicht, nicht nur Mädels für das plastikfreie Einkaufen auszuziehen, sondern auch Männer. Mensch Netto, war das der Versuch, Gleichberechtigung im Sexismus zu schaffen? Die 1950er haben angerufen - sie hätten gerne ihre peinlichen Reflexe, ihren Rolle-Klischees und die Überzeugung zurück, dass sich wirklich alles mit nackten, jungen Menschen verkaufen lässt.