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Neue Klage gegen Commerzbank: Jetzt wollen alle ihr Geld

Eine erfolgreiche Idee findet Nachahmer: Noch vor wenigen Wochen hatte ein Londoner Gericht vier ehemaligen Bankangestellten Millionen Euro zugesprochen, die trotz Milliarden-Verlusten ihres Arbeitgebers auf ihre Bonus-Zahlungen pochten. Nun haben weitere 72 Banker Klage eingereicht.

Von Megan Murphy, London

Insgesamt 72 Angestellte und Ex-Angestellte haben am Montag in London Klage gegen die Investmentbank Dresdner Kleinwort und ihre Muttergesellschaft Commerzbank eingereicht. Sie fordern die Zahlung von 33 Millionen Euro an Boni. Weitere 30 Banker bereiten derzeit eine Klage vor.

In den konkreten Fällen geht es um Bleibeprämien, die den Bankern aus einem 400 Millionen Euro großen Pool zugesagt wurden und mit denen sie nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank im Sommer 2008 gebunden werden sollten.

"Das wird nicht von der Politik beeinflusst"

Die Commerzbank und die von ihr übernommene Dresdner Bank mussten mit 18,2 Milliarden Euro vom deutschen Staat gestützt werden. Der Staat ist zudem mit 25 Prozent plus einer Aktie an der Bank beteiligt. Vor allem das Investmentbanking hatte die Commerzbank und insbesondere die Dresdner Bank 2008 belastet. Für 2008 hatte Commerzbank-Chef Martin Blessing daher allen Mitarbeitern die Boni gestrichen. "Wer nichts verdient, kann auch nichts verteilen", sagte er - wenngleich die Bank an einige Angestellte als "Stabilisierungszahlungen" etikettierte Boni ausgezahlt hatte.

Erst Anfang August hatten vier ehemalige Angestellte in einer Klage wegen gestrichener Boni und Kompensationsleistungen gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber Dresdner Kleinwort vor einem Londoner Gericht in erster Instanz recht bekommen und Millionen Euro erhalten.

Anwälte der nun vor Gericht gezogenen Investmentbanker bemühten sich, die Klagen als einen reinen Streit um die Erfüllung von Verträgen darzustellen, um jede Vermischung mit der öffentlichen Debatte um die Fehlanreize durch exzessive Bonusregelungen zu vermeiden. "Dies ist ein Fall, in dem das britische Gericht auf der Basis britischer Gesetze entscheiden und nicht von der Politik beeinflusst werden wird", erklärte Clive Zietman, Partner der Kanzlei Stewart's Law.

Gefunden in der Financial Times Deutschland

FTD
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