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Kunden wundern sich Darum hängen immer mehr Deckel fest an der Flasche

Flaschen von Coca-Cola mit neuen Verschlüssen
Flaschen von Coca-Cola mit neuen Verschlüssen
© Coca-Cola Deutschland
Manche wundern sich, andere sind genervt: Im Supermarkt stoßen Kunden immer häufiger auf Plastikflaschen, deren Verschluss sich nicht abmachen lässt. Dahinter steckt eine neue gesetzliche Vorgabe.

Bei Plastik-Getränkeflaschen können Verbraucher in letzter Zeit einen merkwürdigen Trend beobachten: Der Deckel lässt sich bei manchen Flaschen nicht mehr wie früher komplett abschrauben, sondern bleibt daran hängen. Das ist nicht immer praktisch. Wer direkt aus der Pulle trinken will, muss um den Verschluss herummanövrieren. Viele Kunden fragen sich daher: Warum dieser neue Verschluss?

Hintergrund ist eine EU-Richtlinie für mehr Umweltschutz. Diese schreibt vor, dass PET-Flaschen bis 3 Liter künftig nur noch mit solchen Verschlüssen verkauft werden dürfen. Das soll sicherstellen, dass die Deckel nicht verloren gehen und als Müll enden, sondern ebenfalls recycelt werden. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen daher dafür sorgen, dass die Kunststoffflaschen, deren Verschlüsse und Deckel ebenfalls aus Kunststoff bestehen, "nur in Verkehr gebracht werden, wenn diese Verschlüsse und Deckel während der für das Produkt vorgesehenen Verwendungsdauer an den Behältern befestigt bleiben", heißt es in Artikel 6 der EU-Einwegkunststoffrichtlinie. 

Die Regel greift zwar erst ab dem 3. Juli 2024, aber einige Firmen stellen ihre Deckel jetzt schon um. So hat Branchen-Schwergewicht Coca-Cola die neuen Deckel in Deutschland bereits teilweise eingeführt. "Um rechtzeitig fertig zu sein und die Produktion nicht an allen Standorten gleichzeitig zu unterbrechen, haben wir einen Plan für unsere Werke aufgestellt", erklärt Coca-Cola-Managerin Christine Bergmann auf der Konzern-Homepage. Im Herbst 2021 sei die erste Produktionsanlage in Dorsten umgestellt worden, im Frühjahr dieses Jahres folgten die Werke in Mannheim und Mönchengladbach. Insgesamt würden bis März 2024 knapp zwei Dutzend Produktionsanlagen an elf Standorten umgerüstet.

Deckel sorgen für Erklärungsbedarf

Doch offenbar sorgen die "Tethered Caps", wie die Deckel im Fachjargon heißen, für Erklärungsbedarf bei den Kunden. Um zu verhindern, dass die Cola- und Fanta-Trinker verzweifelt an den Deckeln zerren, ist auf die Verschlüsse extra der Spruch "Lass mich dran fürs Recycling" aufgedruckt. Der Getränkekonzern hat sogar ein Erklärvideo für den richtigen Umgang mit den Lass-mich-dran-Deckeln veröffentlicht, wobei sich die Komplexität des Vorgangs in Grenzen hält ("Aufdrehen, zurückbiegen, Deckel nicht abtrennen"). 

Kunden, die mit den neuen Deckeln fremdeln, beruhigt Coca-Cola, das sei Gewöhnungssache. Schließlich habe man auch die Umstellung der Getränkedosen von abreißbaren Laschen auf feste Verschlüsse Anfang der 90er überstanden. "Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie groß die Diskussion war – und heute redet kein Mensch mehr darüber", sagt Coca-Cola-Nachhaltigkeitsmanager Axel Bachmann.

Das Lose-Deckel-Verbot ist übrigens Teil eines größeren Maßnahmenpakets der EU zur Vermeidung von Plastikmüll. So sieht die Einwegkunststoffrichtlinie auch vor, dass die Industrie weniger Plastik verbraucht und mehr recyceltes Plastik für neue Verpackungen verwendet. Ab 2025 müssen Einweg-Getränkeflaschen mindestens zu 25 Prozent aus Rezyklat bestehen. Andere Wegwerf-Produkte wie Plastik-Trinkhalme oder bestimmte Plastiktüten sind bereits komplett verboten.

Quellen: EU-Richtlinie / Umweltbundesamt / Coca-Cola

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