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Neuer Datenskandal: Lidl trennt sich von Deutschland-Chef

Der Lebensmittel-Discounter Lidl zieht die Konsequenzen aus dem neuen Datenskandal und entlässt mit sofortiger Wirkung seinen Deutschland-Chef Frank-Michael Mros. Am Wochenende wurde bekannt, dass der Konzern systematisch Buch über die Krankheiten seiner Mitarbeiter geführt hatte. Ein Nachfolger steht aber schon bereit.

Die Lebensmittelkette Lidl hat nach der jüngsten Datenaffäre ihren Deutschland-Chef Frank-Michael Mros von seinen Aufgaben entbunden. Nachfolger solle der 59-jährige Jürgen Kisseberth werden, der bereits seit zwei Jahrzehnten in leitenden Funktionen bei Lidl tätig sei. Damit reagiere der Vorstand auf die jüngsten Vorwürfe zum Datenschutz, teilte das Unternehmen am Montag in Neckarsulm mit.

Der Konzern hatte am Wochenende eingeräumt, Informationen über die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten zu haben. Diese persönlichen Daten sind nach Darstellung von Lidl genutzt worden, um die Mitarbeiter ihrem Gesundheitszustand entsprechend einzusetzen. "Dabei wurden Informationen erfasst, die persönliche Belange berücksichtigten", gestand der Konzern ein. Dies sei "nicht datenschutzkonform" gewesen. Kritik an der Praxis kam unter anderem vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. Der Grund einer Erkrankung gehe den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an.

Die Angelegenheit rief außerdem die Datenschützer in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg auf den Plan, die eine Überprüfung einleiteten. Man habe sich mit einem Fragenkatalog an das Unternehmen gewandt, teilte die baden-württembergische Aufsichtsbehörde für den Datenschutz im nichtöffentlichen Bereich mit. Der Sprecher der nordrhein-westfälischen Datenschutzbeauftragten sagte: "Für die Aufzeichnung der Krankheitsgründe durch den Arbeitgeber sehen wir keine Rechtsgrundlage."

Lidl erklärte, die Arbeit mit den Listen sei im Zuge der Umsetzung des neuen Datenschutzkonzepts zum Jahresende 2008 eingestellt worden. Der Konzern überprüfe seit dem vergangenen April alle Geschäftsprozesse gewissenhaft und überarbeite sie gegebenenfalls, versicherte der Lidl-Berater und ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob.

Dabei seien Krankenakten bei Lidl gängige Praxis gewesen, sagte Jacob. Ob es bei der Dokumentation flächendeckende Anweisungen für jede der mehr als 30 Lidl-Regionalgesellschaften gegeben habe, konnte er aber nicht sagen. Seine Prüfung werde noch bis Mai oder Juni dauern. "Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen", sagte Jacob. Von den geheimen Krankenakten habe er im November erfahren. "Bis Anfang Dezember hätten eigentlich alle Unterlagen zerschreddert werden müssen." Er sei "schon angefressen, dass durch diese neuerliche Sache das Ganze jetzt wieder einen Knacks bekommt."

Bereits im vergangenen Jahr hatten stern und stern.de aufgedeckt, dass Lidl mit Hilfe von Detekteien unter anderem das Privatleben von Angestellten hatte ausforschen lassen. Der Discounter musste deswegen knapp 1,5 Millionen Euro Strafe zahlen. Im Konzern wurden infolge des ersten Skandals knapp 40 betriebliche Datenschutzbeauftragte ernannt, wie Jakob berichtete.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters