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Neuer Großaktionär: Vatas Zwischenlandung bei Air Berlin

Vatas, der neue Großaktionär von Air Berlin, öffnet möglicherweise Tür und Tor für den Einstieg eines Konkurrenten. Zusammen mit der Deutschen Bank könnte das Unternehmen 30 Prozent der Air-Berlin-Anteile an einen strategischen Investor verkaufen, mutmaßen Analysten.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat mit einem Schlag einen neuen Hauptaktionär erhalten. Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Vatas erwarb über ihre Tochterfirma Haarlem One 15,4 Prozent der Stimmrechte und hält nun knapp mehr Anteile als die Deutsche Bank, die mit 15 Prozent der Aktien bisher größter Anteilseigner war. Die Kosten für den Aktienerwerb lagen beim derzeitigen Aktienkurs bei rund 128 Millionen Euro.

Die Absichten der Beteiligungsgesellschaft Vatas, die vom umstrittenen Jungunternehmer Lars Windhorst gemanagt wird, sind unklar. Zumal Air Berlin nach eigenen Aussagen von dem Einstieg überrascht wurde und Vatas sich auf Anfrage von stern.de nicht äußern will.

Gemeinsames Vorgehen von Deutsche Bank und Vatas denkbar

Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mutmaßten im Gespräch mit stern.de, dass Vatas und die Deutsche Bank gemeinsam vorgehen und ihre jeweiligen Anteile an einen strategischen Investor verkaufen könnten.

In diesem Falle hätte dieser einen Aktienanteil von knapp über 30 Prozent und könnte mit seiner Sperrminorität erheblichen Einfluss auf das Geschäft von Air Berlin ausüben. Ein solcher Investor wäre allerdings gezwungen, auch den übrigen Aktieninhabern ein Übernahmeangebot zu machen. Eine andere große Luftfahrtgesellschaft käme hierfür möglicherweise in Frage. Auf konkrete Nachfrage welche Unternehmen dies sein könnten, wollte sich die Bank nicht äußern.

Die Experten der LBBW rechnen auch deshalb nicht mit einem längerfristigen Engagement von Vatas bei Air Berlin. Das bishergie Investitionsverhalten der Beteiligungsgesellschaft lege nahe, dass Vatas den niedrigen Börsenkurs der Air Berlin als günstige Einstiegsgelegenheit betrachtete. Nach der Bekanntgabe der Aktienkäufe durch Vatas stieg der Kurs der Air Berlin Aktien um immerhin zehn Prozent.

Air Berlin bleibt gelassen

Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel wollte sich nicht an den Spekulationen um die Absichten des neuen Hauptaktionärs beteiligen. Es gäbe bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass die Deutsche Bank und Vatas ihre Anteile gemeinsam an einen strategischen Investor verkaufen könnten, sagte Hauptvogel im Gespräch mit stern.de. Er hoffe auf das gesunde Gewinninteresse von Vatas und gehe deshalb von einer längerfristigen Beteiligung aus, so der Pressesprecher.

Hauptvogel bezeichnete die Investitionen als normale Vorgänge am Aktienmarkt, mit denen man leben müsse und auch könne. Solange sich kein Investor der Sperrminorität nähere, sei man bei Air Berlin unbesorgt.

Spektakulärer Deal von einem umstrittenen Manager

Aufsehen hatte der Einstieg von Vatas bei Air Berlin aus zweierlei Gründen erregt. Zum einen verlangen die Regeln eine Aktienbeteiligung an einem Unternehmen bereits ab drei Prozent der Börsenaufsicht zu melden. Da dies aber nicht geschehen ist, vermuten Insider, dass Vatas mehrere kleine Aktienpakete über Banken und Fonds erworben und nun auf einen Schlag gebündelt hat. Mit diesem Vorgehen wurde der Markt gänzlich überrascht.

Zum anderen ist der Manager von Vatas, einem Unternehmen des südafrikanischen Finanzmoguls Robert Hersov, äußerst umstritten. Vatas wird seit einem Jahr vom ehemaligen Vorzeigemanager Lars Windhorst geführt. Windhorst feierte bereits als Jungunternehmer im Alter von 16 Jahren kolossale Erfolge auf die nicht minder kolossale Pleiten folgten. Zwar hat Windhorst mit einem Vergleich seine Gläubiger abschütteln können, doch noch sind Ermittlungen wegen Verdachts auf Betrug, Insolvenzverschleppung und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung anhängig. Vor wenigen Tagen machte Windhorst erneut Schlagzeilen, als er beim Absturz eines Privatflugzeugs in Kasachstan knapp mit dem Leben davon kam.

sh/dpa / DPA