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Niedrige Inflation: Warum sinkende Preise gefährlich sind

Seit Monaten sinken die Preise für Heizöl und Benzin. Lebensmittel verteuern sich kaum. Klingt erstmal gut. Doch Ökonomen warnen: Fallen die Preise auf breiter Front, wäre der Aufschwung futsch.

Der Sprit ist billig wie lange nicht und der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln lässt etwas nach: Damit bleibt die Inflation in Deutschland wie im Euroraum niedrig - obwohl die Konjunktur anzieht. Während sich Verbraucher freuen können, hält sich bei Ökonomen die Sorge vor einer Deflation.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist eigentlich Deflation?

Darunter verstehen Ökonomen eine Spirale sinkender Preise quer durch die Warengruppen.

Und was ist so schlecht an sinkenden Preisen?

Zunächst können sich die Menschen bei fallenden Preisen mehr kaufen. Doch bald könnten Einkäufe in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise verschoben werden. Das setzt eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang: Unternehmen machen weniger Gewinn, Investitionen bleiben aus, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten, und der Druck auf die Preise nimmt weiter zu. Die Folge: Die Konjunktur wird geschwächt, Steuereinnahmen sinken und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

Droht aktuell eine Deflation?

Im Euroraum halten dies einige Experten für möglich. Denn die Prognosen der Europäischen Zentralbank deuteten auf eine lange Phase mit sehr niedrigen Inflationsraten hin, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kürzlich: "Die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale ist bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten durchaus real." Notenbanker wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann widersprechen: "Es gibt keine Anzeichen, dass private Haushalte in Erwartung sinkender Preise ihre Konsumentscheidungen aufschieben."

Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?

"Etwa zwei Drittel des Inflationsrückgangs gehen auf fallende Preise für Energie und Nahrungsmittel zurück", sagt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret zur Preisentwicklung im Euroraum. Diese Effekte seien höchstwahrscheinlich nur vorrübergehend. In Deutschland war Heizöl im Februar 8,7 Prozent billiger als ein Jahr zuvor, Benzin 6,3 Prozent. Damit hat sich der Preisverfall aus dem Vorjahr noch verstärkt, auch weil der starke Euro Energieimporte verbilligt.

Steigen die Nahrungsmittelpreise in Deutschland weiter?

Vorerst ja, aber nicht mehr so rasant wie im Vorjahr. Die Preise von Nahrungsmitteln schwanken oft stark und werden nicht nur von Unwettern oder Dürren beeinflusst. "Das milde Wetter dürfte die Nahrungsmittelpreise gedrückt haben. Hinzu kommt der wieder intensiver gewordene Preiskampf im Einzelhandel", sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Warum steigen die Preise hierzulande schneller als im übrigen Euroraum?

Das ist eine Folge der Anpassungen in Krisenländern des Euroraums. Dort müssen Unternehmen Preise senken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Regierungen müssen sparen, um ihre Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust, das Staatsdefizit minimal. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen. "Angesichts der lebhaften Nachfrage dürfte es den Unternehmen nicht schwer fallen, die höheren Lohnkosten auf ihre Preise aufzuschlagen", erklärt die Commerzbank.

Wie werden sich die Verbraucherpreise insgesamt entwickeln?

Experten rechnen auch 2014 nur mit moderaten Preissteigerungen. Zwar bestehe in Deutschland anders als in vielen anderen Euro-Länderndurch die anziehende Konjunktur mittelfristig Potenzial für höhere Raten. Doch die niedrigen Importpreise dämpfen den Preisauftrieb. Eine Teuerungsrate von nahe 2 Prozent dürfte so schnell nicht wieder erreicht werden. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter dieser Marke. Nach der EZB-Prognose wird die Inflation im Euroraum in diesem Jahr mit 1,0 Prozent weit vom Zielwert entfernt bleiben und sich 2015 nur auf 1,3 Prozent beschleunigen.

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Sind die Preise stabil, bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Steigen die Preise, können sich Menschen bei konstanten Einkommen von ihrem Geld hingegen immer weniger leisten. Die Bundesbank erklärt das so: Ein Paar Schuhe kosten heute 100 Euro. Bei einer Inflationsrate von 5 Prozent muss man dafür in einem Jahr 105 Euro bezahlen, in 5 Jahren schon rund 128 Euro. Auch für Sparer ist eine hohe Inflation schlecht: Je schneller die Preise steigen, umso höher müssen ihre Geldanlagen verzinst werden. Sonst verliert ihr Geld real an Wert. Aktuell ist die Inflation zwar niedrig, sie liegt aber über den Zinsen, die Sparer mit Sparbüchern oder Tagesgeld erwirtschaften können. Auf der anderen Seite zehrt Inflation aber auch Schulden auf.

Harald Schmidt, DPA / DPA