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OECD-Treffen: Berlin verschärft Kampf gegen Steueroasen

Gegen heftige Widerstände wollen Deutschland und Frankreich die Weltfinanzkrise nutzen, um Steueroasen auszutrocknen. Der Organisation "Transparency International" zufolge beherbergen die Steuerparadiese weltweit etwa zwei Millionen Briefkastenfirmen und mehr als 400 Banken, die auch zur Geldwäsche dienen.

Auf Initiative Deutschlands und Frankreichs haben in Paris rund 20 Länder über ein entschlosseneres Vorgehen gegen Steuerparadiese beraten. Ziel des Treffens am Dienstag ist es, die rund 40 Steueroasen weltweit zur Übernahme internationaler Standards im Bankgeschäft zu bringen und dort ansässige Hedgefonds stärker zu kontrollieren.

Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge gibt es 38 Länder mit einem stark ausgeprägten Bankgeheimnis und niedrigen oder gar keinen Steuern. Aber nur drei stehen auf der Schwarzen Liste der Organisation, weil sie jegliche Information über ihren Finanzsektor verweigern: Andorra, Liechtenstein und Monaco. Alle anderen wurden von der Liste gestrichen, weil sie versprachen, in diesem Punkt künftig besser mit der OECD zusammenzuarbeiten. Allerdings fordern Berlin und Paris nun, dass die OECD bis zum kommenden Jahr eine neue Liste der Staaten aufstellt, die Steuerflucht und Geldwäsche fördern.

Nach Angaben aus französischen Regierungskreisen könnte eine erweiterte Liste rund ein Dutzend Länder ausweisen. "Es ist Zeit, dass Länder wie Belgien, Luxemburg, Österreich oder die Schweiz sich bewegen", sagte der französische Haushaltsminister Eric Woerth.

Der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International zufolge beherbergen die Steuerparadiese derzeit rund zwei Millionen Briefkastenfirmen, mehr als 400 Banken und 220 Hedgefonds. Das seien "rechtsfreie Zonen", wo auch Geld gewaschen werde, erklärte der Frankreich-Chef Daniel Lebègue.

Diese unkontrollierten Unternehmen verwalteten vor der Finanzkrise zehn Billionen Dollar an Kreditforderungen. Allerdings mussten die Hedgefonds zuletzt massiv Aktien verkaufen, weil Banken und andere Kunden ihnen Kapital entzogen. Dies trug weltweit zum Absturz der Aktienmärkte bei.

DPA/AFP / DPA