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Ölpreis: 150-Dollar-Marke rückt näher

Die Rekordjagd beim Öl verschärft sich. Zeitweise kostete das Barrel an den Rohstoffmärkten mehr als 146 Dollar. Branchenbeobachter erwarten nun, dass es in Kürze auch an den Tankstellen zu einer neuen Preisrunde kommen wird.

An den Ölmärkten hat sich die Rekordjagd nach der jüngsten Zuspitzung im Atomstreit mit dem Iran noch einmal beschleunigt. Der Preis für Nordsee-Rohöl durchbrach am Donnerstag erstmals die Marke von 146 Dollar. Der US-Ölpreis sprang zugleich im Tagesverlauf auf fast 146 Dollar je Fass. Die 150-Dollar-Marke rückt damit immer näher.

Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent schnellte auf die Rekordhöhe von 146,69 Dollar je Barrel (159 Liter), bevor er dann wieder leicht nachgab. Der US-Rohölpreis erklomm zeitweilig den bisherigen Rekordwert von 145,85 Dollar, um dann ebenfalls geringfügig abzufallen. Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) übersprang zur Wochenmitte erstmals die Marke von 137 Dollar. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Donnerstag kostete ein Barrel 137,73 Dollar.

Iran-Konflikt und Dollarschwäche

Händler begründeten die jüngsten Preissprünge mit der Furcht der Anleger vor dem schwelenden Konflikt um das iranische Atomprogramm. Der iranische Ölminister Gholam Hossein Nozari hatte am Rande des Welt-Erdölkongresses in Madrid für den Fall eines Militärschlags der USA oder Israels gegen den Iran vor einer scharfen Reaktion gewarnt. Außerdem erklären die Experten die jüngste Ölpreisrally auch mit dem anhaltend schwachen Dollar. Rohöl wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Die Kursschwäche der US-Währung halte daher die Nachfrage speziell aus Ländern außerhalb des Dollarraums hoch, sagten Experten.

Der Höhenflug an den Ölmärkten rückt immer stärker in den Fokus der Regierungen führender Industrienationen. Experten rechnen damit, dass auf dem G8-Gipfel vom 7. bis 9. Juli in Japan deutliche Worte zu den Gefahren der hohen Ölpreise für die Weltwirtschaft fallen werden. Zuletzt warnte der US-Finanzminister Henry Paulson nach Gesprächen mit seinem britischen Amtskollegen Alistair Darling in London vor den konjunkturellen Risiken durch den hohen Ölpreis. Die steigenden Energiepreise könnten nach Aussagen des US-Finanzministers die weltweite wirtschaftliche Abkühlung verlängern. Der hohe Ölpreis sei ein "starker Gegenwind" für die Wirtschaft.

Steigende Benzinpreise in Sicht

Branchenkenner erwarten nun eine weitere Preisrunde an den Tankstellen. Benzin kostete am Donnerstag im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen 1,56 Euro pro Liter, Diesel 1,52 Euro. Das sind zwar zwei beziehungsweise ein Cent weniger als die Rekordstände in der vergangenen Woche. Die Spritpreise reagieren aber meist erst mit Verzögerung auf die Ölpreishöhenfluge.

Die stark steigenden Energiekosten werden einer Branchenstudie zufolge in diesem Sommer auch auf die Preise für Reisen oder Gaststättenbesuche durchschlagen. 42 Prozent der Reisebüros, 40 Prozent der Reiseveranstalter und 36 Prozent der Reisebusfirmen planen Anhebungen, wie aus einer am Donnerstag in Berlin vorgelegten Firmenbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervorgeht. Höhere Kosten an die Kunden weitergeben wollen demnach auch 32 Prozent der Gastronomen. Bei Hotels sind es 26 Prozent, bei Campingplätzen 18 Prozent. Die Geschäftserwartungen sind daher gemischt. Für die Studie wurden den Angaben zufolge im Frühjahr 5900 Firmen der verschiedenen Tourismusbereiche befragt.

DPA / DPA