HOME

Ölpreis: Erstmals über der 50-Dollar-Marke

Der Ölpreis als Klettermax: Nun halten Analysten gar den Fall der 60 Dollar-Marke für möglich. Hauptursachen für die Preisexplosion sind Unruhen in Nahost und Nigeria sowie die Hurrikan-Folgen im Golf von Mexiko.

Der Preis für ein Barrel Rohöl hat erstmals die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar durchbrochen. Im nachbörslichen Handel in Asien erreichte der Preis am Dienstag das neue Allzeit-Hoch von 50,17 Dollar. Hauptgründe für den neuerlichen Anstieg sind die nach wie vor unsichere Lage in Nahost, jüngste Berichte über Unruhen im afrikanischen Förderland Nigeria und der aktuelle Rückgang der Ölproduktion im Golf von Mexiko infolge von Hurrikan "Ivan". Der Rohölpreis liegt derzeit rund 75 Prozent über dem Stand des Vorjahres.

Der Ölexperte Ng Weng Hoong von Energyasia.com in Singapur erklärte am Dienstag, die Preise auf dem Markt würden zunehmend auch von Panik bei den Endverbrauchern nach oben getrieben. Er gehe davon aus, dass der Preis weiter nach oben klettere. "Nach dem Knacken der 50 Dollar sind nun die 60 Dollar im Visier", sagte Ng. "Der Preis hat eine Hürde genommen, nun wird er das nächste Ziel erreichen."

Ausfälle durch "Ivan" dauern noch an

Nach offiziellen Angaben haben die USA in den vergangenen zwei Wochen im Golf von Mexiko über 11 Millionen Barrel an Förderleistung eingebüßt. Laut US-Behörden liegt die Tagesproduktion im Golf von Mexiko derzeit rund 29 Prozent unter Normalstand.

Die Preise für November-Kontrakte der Marke Light Crude waren am Montag an der New Yorker Rohstoffbörse um 76 Cents auf 49,64 Cents gestiegen. "Der Schaden durch Ivan dauert immer noch an", erklärte der Analyst John Kilduff von Fimat USA in New York.

Opec kann Märkte nicht beruhigen

Mit Skepsis schauen die Märkte derzeit auch auf die OPEC. Analysten bezweifeln mit Blick auf "Ivan", dass die Organisation Erdöl produzierender Staaten in der Lage wäre, im Fall einer akuten und umfassenderen Unterbrechung der weltweiten Ölproduktion die Förderung kurzfristig und in einem beträchtlichen Umfang anheben zu können. Das Förderkartell räumte am Montag ein, dass die Entscheidung, die Förderquoten zum 1. November um 1 Million Barrel anzuheben, nicht das gewünschte Ziel erreicht hat, die Märkte zu beruhigen.

Mit Spannung warten die Märkte nun auf den neuen Bericht zum Öl-Lagerbestand in den USA, der am Mittwoch vorgelegt wird. Normalerweise werden die Vorräte in dieser Jahreszeit wieder aufgestockt, da die höhere Nachfrage nach Benzin nach Ende der Hauptreisezeit nun abklingt. Doch wird diesmal erwartet, dass die durch "Ivan" bedingten Störungen in der Ölproduktion sich negativ auf die Lagerbestände auswirken.

Allgemeines Gefühl von Öl-Knappheit

Verschärft wird die Situation noch durch ein allgemeines Gefühl von Knappheit auf dem weltweiten Ölmarkt. Die weltweite Ölproduktion liegt derzeit bei rund 82 Millionen Barrel am Tag. Die Überschussproduktion beträgt nach Einschätzung vieler Analysten gerade einmal rund 1 Prozent. Das heiß, dass die Märkte im Fall einer größeren Unterbrechung der Ölförderung - aus welchen Gründen auch immer - nur einen geringen Puffer haben.

Etwas trösten mag angesichts all dieser Negativfaktoren die Einsicht, dass der Ölpreis inflationsbereinigt um mehr als 30 Dollar unter dem Niveau liegt, den er 1981 nach der iranischen Revolution hatte.

Yeoh En-Lai, AP / AP