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Sharing-Economy Wie das "Tinder für Essen" die Lebensmittelverschwendung stoppen will

Tinder für Lebensmittel
Tinder für Lebensmittel soll Verschwendung stoppen
© Andrea Warnecke/picture alliance / dpa Themendienst / Picture Alliance
Mehr als 18 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln landen im Müll - allein in Deutschland. Ein Start-up aus London will die Verschwendung eindämmen. Und nutzt dafür das Tinder-Prinzip.

Über die Feiertage ist wieder Rotkohl übrig geblieben. Der steht nun im Kühlschrank. Wie die Reste vom Raclette-Käse. Gegessen wird wohl beides nicht mehr. Nach einigen Tagen landet das Essen im Müll, samt dem schlechten Gewissen, noch genießbare Lebensmittel weggeschmissen zu haben. 

Ein Drittel aller Lebensmittel, die weltweit produziert werden, landet auf dem Müll. Allein in Deutschland werden mehr als 18 Millionen Tonnen Nahrung weggeschmissen, so der WWF. Auch in Großbritannien sieht das nicht anders aus. Eine durchschnittliche Familie entsorgt Lebensmittel im Wert von rund 700 Pfund jedes Jahr im Müll. Ein Start-up aus London will das ändern, berichtet der "Independent". Olio ist eine App, über die Lebensmittel getauscht oder zusammengebracht werden können. Inzwischen unterstützen das Projekt nicht nur User, sondern auch Cafés und Supermarktketten.

Olio, das Tinder für Lebensmittel

Tessa Cook ist einer der Gründerinnen von Olio. Die App funktioniert recht einfach: Die User machen ein Foto von den Lebensmitteln, die sie anbieten und schreiben kurz etwas dazu. Über Nachrichten können sich User miteinander verbinden, um die Lebensmittel auszutauschen. Das "Tinder für Lebensmittel" soll nicht nur die Verschwendung von Nahrung eindämmen, sondern auch dazu ermuntern, neue Zutaten und Rezepte auszuprobieren - und seine Nachbarn kennenzulernen. "Ich dachte, dass diese Lebensmittel absolut köstlich sind. Und ich weiß, dass es keine hundert Meter entfernt jemanden gibt, der sie lieben würde. Das Problem ist nur, dass sie nichts von einander wissen", sagte Cook zur Nachrichtenagentur "Reuters."

Seit knapp einem Jahr ist ihre App nun verfügbar, rund 322.000 User haben sich registriert. Mehr als 400.000 Lebensmittel haben über die App schon den Besitz gewechselt. Ein Drittel der User, die nach Lebensmitteln in der App suchen, sind aus ärmeren Haushalten.

Inzwischen sind auch gewerbliche Anbieter dabei. Cafés und auch die Supermarktkette Sainsbury's teilen Lebensmittel, die ansonsten im Müll enden würden, nun mit der Olio-Community. Die Macher der App hoffen, dass sich das Verhalten der Menschen ändert - und Lebensmittel einfach gar nicht mehr in der Tonne enden.

kg

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