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PC-Pionier Michael Dell: Wie aus Goliath David wurde

Jahrelang ging es für Michael Dell bergab, nun will der Firmengründer und PC-Pionier sein Lebenswerk retten - und legt mehrere Milliarden US-Dollar auf den Tisch. Es ist nicht sein erstes Comeback.

Von Christoph Fröhlich

Schon lange liefen die Geschäfte für den Computerbauer Dell nicht mehr gut. Der PC-Markt schrumpft unaufhörlich, bei den boomenden Smartphones und Tablets ist das Unternehmen nur schwach aufgestellt. Nun hat Firmengründer Michael Dell die Reißleine gezogen - und sein Unternehmen gemeinsam mit anderen Teilhabern für 24,4 Milliarden US-Dollar zurückgekauft. "Ich bin der Überzeugung, dass durch diese Transaktion ein neues, aufregendes Kapitel für Dell, unsere Kunden und Teammitglieder beginnen wird", erklärte der PC-Pionier. Nun braucht Dell vor allem eins: Zeit. Es ist ein Comeback mit Risiken.

Der schnelle Aufstieg

Wie es ist, ein Geschäft in kurzer Zeit komplett umzukrempeln, hat Michael Dell in seiner Jugend erlebt. Er fand Computer schon immer spannender als Lehrbücher. Statt bis in die Nacht für sein Medizinstudium zu lernen, werkelte der Sohn eines Kieferorthopäden lieber an IBM-PCs und verkaufte diese mit Gewinn weiter. Mit 19 Jahren zog er schließlich einen Schlussstrich: Er schmiss sein Studium, lieh sich von seinem Vater 1000 Dollar und gründete noch auf dem Campus der Universität von Texas in Austin seine Firma.

Dann ging alles ganz schnell: Schon im ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete Dell mit seinem Unternehmen einen Umsatz von sechs Millionen Dollar. Weil Computer in den Achtzigern teuer und nur in Rechenzentren zu finden waren, machte Dell PCs zu einem Produkt für die Masse. Seine Idee: Um Geld zu sparen, nahm er Bestellungen nur per Telefon oder Fax an, erst dann wurde der Rechner nach Kundenwunsch zusammengebaut. Auf diese Weise konnte Dell seine Computer bis zu 15 Prozent billiger anbieten als die Wettbewerber, weil er sich teure Lagerhaltungskosten sparte. 1988 brachte er das Unternehmen an die Börse.

Sein plötzlicher Aufstieg erstaunte die Konkurrenz. In kurzer Zeit wurde Dell zum größten PC-Hersteller der Welt, setzte zwischenzeitlich mehr als 60 Milliarden US-Dollar im Jahr um. Das Geschäft mit den personalisierten Computern blühte, auch dank des Internets, und machte ihn zum Multimilliardär. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 17 Milliarden Dollar zählte er vor wenigen Jahren noch zu den reichsten Menschen der Welt.

Der Absturz kam im Jahr 2006, als Hewlett Packard zum Weltmarktführer wurde. 2007 kehrte er nach mehreren Jahren Pause an die Konzernspitze zurück. Zuletzt war auch noch die chinesische Firma Lenovo vorbeigezogen. Dell konnte sich nie woeder von den Rückschlägen erholen.

Neustart mit ungewissem Ende

Schon 2010 hatte Michael Dell auf einer Investorenkonferenz erklärt, er habe darüber nachgedacht, Dell von der Börse zu nehmen. Die Transformation von Dell sei "unvollständig", bedauerte er seinerzeit. Die Aussagen hatten bereits damals Spekulationen über eine Übernahme ausgelöst, allerdings überwogen an der Wall Street die Zweifel, ob ein Deal dieser Größe wegen des immensen Finanzbedarfs machbar wäre.

Seit einiger Zeit versucht sich Dell neu aufzustellen - als Anbieter von renditestarken Dienstleistungen und Computern für Unternehmenskunden. Als Vorbild dient der IT-Gigant IBM, der sein PC-Geschäft einst an Lenovo verkaufte, sich auf Großrechner und IT-Services verlegte und damit erfolgreich ist. Ein solcher Wandel braucht aber Zeit, und auch klassische Hardwarehersteller versuchen auf den Trend aufzuspringen. Für viele Privatkunden sind die Angebote der traditionellen PC-Hersteller ohnehin unattraktiv geworden. Tablets und Smartphones von Apple oder Samsung haben inzwischen deutlich an Popularität gewonnen.

Der weltweite Marktanteil von Dell sank nach Zahlen der Marktforschungsfirma Gartner im vergangenen Weihnachtsquartal von 12,2 auf 10,2 Prozent. Die Zahl der ausgelieferten Computer ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 11,6 auf 9,2 Millionen Stück zurück. In der Folge waren auch Umsatz und Gewinn zuletzt merklich zurückgegangen.

Mega-Deal

Die Anteilseigner und die Wettbewerbshüter müssen der Übernahme allerdings noch zustimmen. Zudem können andere Interessenten ein Gegenangebot vorlegen. Der Dell-Verwaltungsrat hält die kommenden 45 Tage nach anderen Bietern Ausschau - vor allem um späteren Aktionärsklagen wegen eines zu niedrigen Preises vorzubeugen. Gelingt die Übernahme, wäre es einer der größten Deals unter Beteiligung eines Finanzinvestors seit der Finanzkrise des Jahres 2008.

mit Agenturen