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Pillenskandal: Ratiopharm wechselt Führung aus

Der Chef des Generikaherstellers Ratiopharm, Claudio Albrecht, muss auf Druck der Eigentümerfamilie Merckle seinen Posten mit sofortiger Wirkung abgeben. Ein stern-Artikel war daran nicht ganz unschuldig.

Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" musste der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Claudio Albrecht, am Donnerstag ebenso seinen Schreibtisch räumen wie Finanzgeschäftsführer Peter Prock. Grund für die Trennung vom einstigen Novartis-Manager Albrecht sei "die nachhaltige Disharmonie im Verständnis von Führungsfragen", zitiert die Zeitung den Eigentümervertreter Philipp Daniel Merckle, der jetzt die Ratiopharm-Leitung übernimmt. "Die Folgen der bisherigen Führung sind mir in vielem zutiefst zuwider."

Nach einem großen Artikel im stern ("Der Pharma-Skandal" 46/2005) war der Konzern in den vergangenen Tagen wegen aggressiver Vertriebspraktiken in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem soll er Ärzten systematisch Geld dafür gezahlt haben, dass sie seine Medikamente verordnen. Ratiopharm hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und von "Einzelfällen aus der Vergangenheit" gesprochen. Die Darstellung, dass Ratiopharm seit Jahren systematisch fragwürdige Marketing- und Vertriebsmethoden praktiziere, sei falsch.

Staatsanwaltschaft untersucht Vorwürfe

Ratiopharm prüft nach Angaben des Sprechers weiterhin rechtliche Schritte gegen den stern. Die Staatsanwaltschaft Ulm untersucht unterdessen, ob sich Ratiopharm wegen Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr strafbar gemacht hat. Erste Ergebnisse dazu sollen nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Mitte Dezember vorliegen.

Der 39-jährige Sohn des Familienpatriarchen Adolf Merckle ist seit dem 1. August auf Gesellschafterseite für die Merckle-Pharmagruppe und damit für Ratiopharm verantwortlich. 2004 erzielte die Ratiopharm-Gruppe weltweit einen Umsatz von 1,46 Milliarden Euro. In Deutschland beschäftigte das Unternehmen mit Sitz in Ulm 2004 insgesamt 3110 Mitarbeiter, weltweit waren es 5306.

Reuters/DPA / DPA / Reuters