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Postbank: Nicht für dumm verkaufen

An der Börse ein Star, beim Girokonto okay - aber wenn es um die Rente geht, echt schwach. Wie die Postbank ihren guten Ruf riskiert.

Wulf von Schimmelmann kann stolz auf sich sein. Er hat aus einer drögen Staatsfirma eine echte Perle gemacht: die Postbank. Vor drei Wochen stieg er mit ihr sogar in die Königsklasse an der Börse auf. Dort notiert die Postbank jetzt in einer Riege mit der Deutschen Bank im Dax. Die Zeitschrift "EuroFinanzen" kürte sie zur "besten Bank Deutschlands". 14,6 Millionen (meist) Normalverdiener vertrauen der Postbank ihr Geld an. Ist die Schimmelmann-Bank wirklich so gut?

"Schaun mer mal", würde jetzt Postbank-Werbefigur Beckenbauer sagen. Wer zur Postbank will, muss erst einmal Schlange stehen, mit Leuten, die schwere Pakete schleppen oder aus anderen Gründen schlecht gelaunt sind. Denn die Postbank ist Untermieterin der gelben Post. Die Mitarbeiter verkaufen nicht nur Briefmarken, sondern eröffnen auch Girokonten. Die Konditionen stimmen. Gehen mehr als 1250 Euro im Monat ein, sind alle Bankleistungen kostenlos. Für eine Visa-Kreditkarte wird erst nach einem Jahr eine Gebühr fällig. "Beste Bank" wird man damit aber noch nicht.

Vielleicht mit Sparofferten für die Rente. Die Postbank, die sich jetzt auch "Altersvorsorge-Bank" nennt, lädt in der Werbung ein, bei ihr zum "Altersvorsorgecheck" vorbeizukommen. Der Post-Mann am Schalter sagt: "Da müssen Sie einen Termin beim Kundenbetreuer machen." Machen wir und erleben engagierte Berater - mit falschen Produkten.

Der freundliche Herr nimmt sich eine Stunde Zeit. Nachdem er eine erschreckend hohe Versorgungslücke zwischen dem aktuellen Gehalt und der zu erwartenden Rente festgestellt hat, legt er sein Angebot auf den Tisch: das Postbank-Altersvorsorgekonto "mit sechs Prozent Start-Zins". Klingt gut - ist es aber nicht. Die sechs Prozent werden nur fünf Monate lang gezahlt. Während dieser Zeit fließt das Festgeld sukzessive in Renten- und Aktienzertifikate für den langfristigen Vermögensaufbau. "Unterm Strich bleibt von den sechs Prozent eine Jahresrendite von etwa 1,7 Prozent", gibt der Berater zu. "Der Start-Zins ist eher ein Bonbon." Eine nette Umschreibung für Dummenfang. Von Verbraucherschützern ist die Postbank für solche "Kombi-Produkte" schon häufig kritisiert worden.

Noch eine Chance haben Sie, Herr von Schimmelmann. Wir fragen den Berater nach der staatlich geförderten Riester-Rente. "Da haben wir eine private Rentenversicherung und das Sparen mit Investmentfonds." So weit akzeptabel. Aber da fehlt doch noch die dritte Riester-Variante, die besonders für ältere Sparer geeignet ist: der Banksparplan. "Nicht bei uns", schüttelt der Berater den Kopf. Dabei sind Banksparpläne die kostengünstigste und sicherste Form, mit denen Sparer "riestern" können. Durch die staatlichen Zuschüsse erhöht sich ihre durchschnittliche Rendite auf bis zu neun Prozent im Jahr. Sparkassen und Volksbanken haben sie im Angebot.

Warum nicht die Postbank, Herr von Schimmelmann? Der Chef sagt dazu nichts. Sein Vorstandskollege Wolfgang Klein redet sich heraus und verweist auf angeblich noch "ertragreichere Anlageformen". Und warum greift die Postbank immer noch zur Kombi-Masche? Dazu fällt dem Vorstand nichts ein. Nur so viel: "Unsere Produkte sollen für den Kunden nützlich und verständlich sein."

Leider sind sie weder das eine noch das andere.

Joachim Reuter / print