Premiere Bezahlsender macht erstmals Gewinn


Nach dem verlorenen Bundesliga-Poker kann Premiere endlich wieder einen Erfolg melden: Der Bezahlsender machte 2005 den ersten Gewinn der Firmengeschichte. Und 13 Spiele der Champions League werden künftig im DSF laufen.

Endlich gibt's bei Premiere wieder Positives zu vermelden: "Bei der Profitabilität haben wir einen kräftigen Sprung nach vorne gemacht", erklärte Premiere-Chef Georg Kofler. Nach Steuern erzielte der Konzern im vergangenen Jahr ein Ergebnis von 48,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 80,6 Millionen Euro im Jahr zuvor. Allerdings hatte sich der Aktienkurs von Premiere nach dem Verlust der Bundesliga-Rechte mehr als halbiert. Experten rechnen deshalb mit zahlreichen Abo-Kündigungen im Sommer. Im vergangenen Jahr konnte der Pay-TV-Sender aber seinen Aufwärtstrend noch fortsetzen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um gut 73,5 Prozent auf 137,5 Millionen Euro. Damit lag Premiere im Rahmen der Erwartungen. Der Gesamtumsatz legte um 9,1 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro zu.

Hoffnung auf Bundesliga-Rechte

Premiere-Chef Georg Kofler zeigte sich zufrieden. "Mit einer Wachstumsrate von 9,1 Prozent liegen wir weiterhin klar über dem Durchschnitt der deutschen Medienindustrie." Premiere hofft weiterhin, die Fußball-Bundesliga auch in der kommenden Saison zeigen zu können. Premiere sei in laufenden Gesprächen mit den Pay-TV-Rechteinhabern Arena und Deutsche Telekom, so Kofler. "Die Situation ist offen", sagte Kofler. "Wir machen Fortschritte, aber Ergebnisse sind erst in den kommenden Wochen zu erwarten." Drei Pay-TV-Angebote nebeneinander gebe es in keinem anderen Land. "Deshalb werden sich hier vernünftige Leute zusammentun und eine Lösung finden", sagte der Premiere-Chef. Ein dritter Pay-TV-Anbieter könnte auf jeden Fall nicht gratis "auf unsere Infrastruktur-Autobahn kommen". Falls Premiere die Bundesliga endgültig verlieren sollte, würden die Abo-Preise und -Pakete angepasst. Premiere würde dann "zwischendurch kleinere, aber vielleicht auch profitablere Brötchen" backen.

Eines der offenen Probleme konnte Premiere jetzt beseitigen. Ab der kommenden Saison will der Pay-TV-Konzern erstmals Spiele der Champions League live im frei empfangbaren Sportsender DSF präsentieren. Der Konzern hatte sich neben den Pay-TV-Rechten erstmals auch die Rechte an der Champions League für das frei empfangbare Fernsehen gesichert. Zunächst wollte Premiere für die Übertragung der 13 Spiele einen neuen Sender aufbauen oder kaufen. Nun werden die Partien im DSF präsentiert. Die Einigung sei perfekt, teilte der DSF-Besitzer EM.TV am Dienstag mit.

Nur wenige Spiele deutscher Teams

Dabei werden von der kommenden Saison an 13 Spiele der Champions League live im DSF übertragen. Durch diese Einigung zwischen dem DSF und dem Pay-TV-Sender werden die Fußballfans aber deutlich weniger Partien mit deutschen Mannschaften im frei empfangbaren Fernsehen anschauen können als derzeit noch bei Sat.1. Premiere als Inhaber der kompletten Rechte für den deutschen Markt will möglichst viele der attraktiven Spiele exklusiv im Pay-TV übertragen und nur die Minimalforderungen des Europäischen Fußball-Verbandes UEFA erfüllen.

In der Vorrunde muss nach Angaben von Premiere lediglich eine Partie jeder qualifizierten deutschen Mannschaft im Free-TV gezeigt werden. Da es für die K.o.-Runde keine Auflagen gebe, wäre nach derzeitigen Planungen ein heimisches Team erst wieder im frei empfangbaren DSF zu sehen, wenn es das Finale erreicht. Spitzenbegegnungen wie Bayern München gegen Real Madrid würden demnach nur noch im Bezahl-Fernsehen gesendet. "Die entscheidenden Spiele werden in Deutschland künftig exklusiv auf Premiere zu sehen sein", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. Premiere-Chef Georg Kofler nennt das Konzept ein "Paradebeispiel für die intelligente Verzahnung von Abo-TV und Free- TV".

Vorerst kein eigener Free-TV-Sender

Premiere wird das jeweils dreistündige Programm mit einem Live-Spiel und einer Zusammenfassung komplett produzieren und beim DSF unter dem Namen "Champions TV" ausstrahlen lassen. Die von der UEFA abgesegnete Kooperation gilt für drei Jahre. "Mit Champions TV etablieren wir eine neue Marke als Keimzelle für die Free-TV- Aktivitäten von Premiere. Dabei werden wir uns mittelfristig auf den Sportbereich konzentrieren", sagte Kofler. Der zunächst angestrebte Versuch, einen eigene Free-TV-Sender aufzubauen oder zu kaufen, ist damit vorerst gescheitert.

"Einen Großteil der Lizenzkosten werden wir durch Werbeeinnahmen refinanzieren", sagte der Premiere-Chef. Das DSF geht nach eigenen Angaben davon aus, dass es durch die Vereinbarung keine "signifikanten Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis" geben werde. "Es wird jedoch eine Steigerung des Marktanteils und die Festigung der Positionierung als Fußballsender erwartet." Premiere hatte im August 2005 von der UEFA alle Live-TV-Rechte an der Champions League für die Spielzeiten 2006/2007 bis 2008/2009 erworben.

Keine Verhandlungen mit Saban

Kofler dementierte auch, dass es zwischen Premiere und dem Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 Verhandlungen über einen Einstieg gibt. Er habe auch keinen Hinweis, dass die Investorengruppe von Haim Saban einen Übernahmeversuch starten würde, sagte Kofler und verwies auf den großen Streubesitz bei Premiere. Dass "eine Kombination zwischen Pay-TV und Free-TV Sinn machen kann, liegt auf der Hand", sagte Kofler. Denkbar sei zum Beispiel, dass Premiere den einen oder anderen Kanal von ProSieben oder Sat.1 zeige. Es gebe aber auch darüber keine konkreten Gespräche. Er mache auch keine Avancen, betonte Kofler. "Wir warten mal ab, ob irgendwelche Offers kommen", sagte der Vorstandschef. "Wenn bei uns einer mit Geld kommt und Aktien kauft, ist er immer willkommen." Das gelte aber für Saban ebenso wie für Lieschen Müller.

mit AP, DPA DPA

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