Privat-Bunker "Wenn Chaos ist - ab in die Erde!"


Können Sie ausschließen, dass irgendein Taliban Ihr Städtchen pulverisiert? Oder der Klimawandel brutalstmöglich zuschlägt? Na also. Zum Glück gibt es neuerdings amtlich zugelassene Bunker, die man im Garten verbuddeln kann. Ein Ortstermin bei der "ABC guard safety systems GmbH".
Von Lutz Kinkel

Der Mann, der sich George Wake nennt, ist klein und wuchtig. Schweiß tropft von seinem kahlrasierten Schädel. "Ich bin Optimist und alles", sagt er. "Aber die Daten sind da". Mit "Daten" meint George Wake den Klimawandel. Die Pegel der Weltmeere werden steigen, prophezeit er, auch die Atomkraftwerke würden irgendwann unter Wasser stehen. "Dann schwimmt der radioaktive Müll auf den Flüssen." Auf diese Situation will sich Wake vorbereiten, sein Leben ist ihm wichtig - er handelt beruflich mit Gold, sagt er. Also interessiert sich Mr. Wake für Bunker.

Wake ist der einzige potenzielle Käufer, der an diesem heißen Mittwochmittag zum Rudolf-Diesel-Weg 10, Industriegebiet Hannover-Nord, gekommen ist. Eigentlich sind nur Journalisten geladen, eine Handvoll ist angereist und vertritt sich die Füße. Links ein weißes Partyzelt mit Tischen und Häppchen, dahinter ein großer, abweisender Industriebau. Müllcontainer. Parkplätze. Zwei verottete Schienen führen zu einer Werkshalle. Darin präsentiert die hier ansässige "ABC guard safety systems GmbH" ihr Produkt: Ein Bunker für den Hausgebrauch, gebaut aus einem Schiffscontainer, gefeit gegen atomare, chemische und biologische Kampfstoffe, zugelassen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Typ "basic" kostet 89.000 Euro. Luxus- und Doppelversionen sind weit teurer.

Selbst ist der Bombenschutz

"Moderner Schutz made in Germany ist unsere Antwort auf den weltweiten Terror", sagt Oliver Redschlag, 36, Geschäftsführer und Alleininhaber der "ABC guard". Er trägt einen Drei-Tage-Bart zum dunklen Anzug und lächelt freundlich, in seinem vorherigen Leben mag er einen Supermarkt geleitet haben. Seine kurze Ansprache liest er vom Blatt ab. "Wir sind sicher: Nicht einmal zwei Prozent der Bevölkerung sind sicher", steht auf dem Zettel. In Berlin zum Beispiel gäbe es nur 27.000 Bunkerplätze für 3,4 Millionen Menschen, viel zu wenig, um im Falle eines Falles Schutz zu gewähren. Das wisse auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und begrüße daher das Angebot seiner Firma. "Jeder soll für sich selbst sorgen, keine Steuergelder sollen dafür verschwendet werden", sagt Redschlag mit Genugtuung. Am weißen Partyzelt knattert der Laster einer Müllentsorgungsfirma vorbei und lädt hinter den Parkplätzen einen Müll-Container ab. Ketten rasseln, Unrat poltert. Redschlag unterbricht. In Deutschland begeht man an diesem Mittwoch den Tag des Lärms.

Zeit für Fragen. Was hilft eigentlich ein Bunker, wenn ein Terrorist ein Hochhaus in die Luft sprengt? Oder eine S-Bahn? "Das ist natürlich immer die Problematik", antwortet Redschlag. Auch ihm ist klar, dass Terroristen keine Vorwarnungen herausgeben. Aber wer weiß? Vielleicht kommt doch noch ein Krieg. Oder ein Erdbeben, eine Lawine, ein GAU, eine Klimakatastrophe. Redschlag kann sich viele Anwendungsbereiche für seinen Bunker vorstellen. Mittelfristig will er jährlich mehr als 100 Stück in Deutschland verkaufen. "Es sind genügend Interessenten da, wir müssen nur ihre Wünsche befriedigen", sagt Redschlag. Einer sei ein Arzt im Rhein-Main-Gebiet, der sich gleich zwei Containerbunker bestellt habe. Für die Installation habe er eine Baufirma beauftragt, die ortsfremd sei. Diskretion ist alles in diesem Geschäft. "Stellen Sie sich vor, es passiert was, und dann sitzen schon die Nachbarn in ihrem Bunker", erklärt Redschlag.

Nische fürs Trockenklo

Der Bunker: Ein grau gestrichener Schiffscontainer mit Spezialtür, Speziallüftungssystem, Spezialnotausstieg und handelsüblichen Neonröhren. 12,2 Quadratmeter Survival-Fläche. Bis zu sieben Menschen sollen vier Wochen lang in der Box ausharren können. Vorausgesetzt, sie haben genug Konserven und Trinkwasser gehortet. Eine Nische im Container ist für ein Trockenklo vorgesehen, die Fäkalien müssen eingetütet und in einem Fass gelagert werden. Der Bunker soll nach dem Einbau etwa einen Meter unter der Vorgarten-Erde liegen, ummantelt von 30 cm Stahlbeton, auf Wunsch wird ein Tunnel zum anliegenden Haus gegraben. Die Anlieferung erfolgt per Schiff und Lastwagen. Menschen, die keinen Garten und keine 89.000 Euro besitzen, haben Pech. Sie fallen am Tag X der staatlichen Fürsorge anheim.

George Wake ist zufrieden, seine Spiegelreflexbrille blinkt im Sonnenlicht. Er will einen Bunker kaufen, auch wenn er das mit dem Grundstück "noch klären" muss. "Man muss es machen wie die Tiere", doziert er. "Wenn Chaos ist, dann ab in die Erde". Die Bienen zum Beispiel, die würden derzeit Deutschland verlassen - ob das noch keiner gemerkt habe? Oliver Redschlag lauert. Vier Jahre hat er auf die Zulassung des Bunkers gewartet, jetzt kann das Geschäft starten. Der Gedanke an Mitbewerber ängstigt ihn nicht, die müssen ja auch erst mal eine Zulassung beantragen. Außerdem, so sagt er, habe er noch Firmen für Freizeitartikel und Medizinprodukte, konkreter will er nicht werden. Oliver Langwisch, 33, ist der Ingenieur des Bunkers. Er humpelt auf Krücken durch die Werkshalle, auf einem Poster protzt eine Brünette mit ihren Reizen. Was mit seinem Bein passiert ist? "Fußball", sagt Langwisch. "Ein Kreuzbandriss." Kurze Pause. "Ganz ohne Feindeinwirkung."


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