HOME

Privatkunden: Dresdner Bank kündigt Konten von Iranern

Nicht jeder Privatkunde ist der Dresdner Bank lieb und teuer: Offenbar kündigt das Geldinstitut Kontoinhabern mit iranischer Staatsbürgerschaft in Deutschland die Geschäftsbeziehungen auf. Damit zieht sie Konsequenzen aus US-amerikanischer Außenpolitik.

Von Frank Donovitz

Die Dresdner Bank kündigt offenbar weit umfassender als bisher bekannt Geschäftsbeziehungen mit iranischen Staatsbürgern in Deutschland auf. Nach Informationen von stern.de, der Online-Ausgabe des Hamburger Magazins, sollen davon allein in der Dresdner-Bank-Hauptfiliale am Hamburger Jungfernstieg mehr als 100 Kunden betroffen sein. Ihnen seien schriftlich sämtliche Kontoverbindungen gekündigt worden, heißt es aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen.

Auf Nachfrage sei erklärt worden, die Kündigung würde gegenstandlos, sofern neben der iranischen auch noch eine andere Staatsbürgerschaft bestünde, berichten betroffene Kunden. In Deutschland leben rund 120.000 Iraner, mehr als 50.000 von ihnen sind eingebürgert. Sie gelten als eine der am stärksten integrierten Migranten-Gruppen mit einem weit überdurchschnittlichen Anteil an Akademikern und Unternehmern.

Allianz will USA-Geschäft nicht gefährden

Inoffiziell wurde den konsternierten Sparern persischer Herkunft erläutert, es würde eine Anweisung des Münchener Allianz-Konzerns umgesetzt, zu dem die Dresdner Bank gehört. Demnach breche die Allianz systematisch Kundenbeziehungen zu iranischen Staatsbürgern ab, um ihre Geschäfte in den USA nicht zu gefährden, hieß es weiter. Die Vereinigten Staaten und der Iran befinden sich seit Jahren in diplomatischem Streit, insbesondere über das Atomprogramm der islamischen Republik. Der Abbruch von Finanzbeziehungen mit dem Iran ist Teil amerikanischer Sanktionsforderungen an die internationale Staatengemeinschaft.

Den Rückzug aus Geschäften "mit und im Iran" hatte der Allianz-Konzern bereits im Sommer bestätigt. Ähnlich verfahren Deutsche Bank, Commerzbank und auch schweizerische und britische Institute.

Staatsbürgerschaft spielt angeblich keine Rolle

Ein Sprecher der Dresdner Bank in Frankfurt erklärte gegenüber stern.de, es würde lediglich Privatkunden gekündigt, die - neben anderen - eine Meldeadresse im Iran unterhielten. Darüber hinaus würden private Konten aufgelöst, von denen aus "regelmäßig" Überweisungen in den Iran vorgenommen würden. Die Staatsbürgerschaft spiele bei den Vorgängen keine Rolle, so der Sprecher.

Kunden mit iranischem Pass berichten indes, sie seien von der Dresdner bereits zu Jahresbeginn auf "Probleme" im Zusammenhang mit bestehenden US-Dollar-Konten angesprochen worden - seinerzeit jedoch ohne weitere Folgen. Die Anweisung, nunmehr sämtliche Konten von Iranern zu kündigen, sei an Hamburger Filialmitarbeiter mit dem Hinweis ergangen, den Vorgang binnen einer Woche abzuschließen.

Korrektur: Liebe Leser, aus dem ursprünglichen Text haben wir nachträglich folgenden Satz gestrichen: "Von der Kündigung aller Kontoverbindungen in Deutschland lebender, iranischer Privatkunden war jedoch bislang bei der Dresdner Bank nicht die Rede gewesen - zumindest nicht offiziell." Diese Formulierung ist missverständlich - es sind nicht alle in Deutschland lebende Iraner betroffen. Wir bitten Sie, diesen Fehler zu entschuldigen. Ihre stern.de-Redaktion