Produktpiraten Alles nur geklaut


Produktpiraten haben Hochkonjunktur. Wurden früher zumeist teure Uhren und Textilien gefälscht, sind es heute genauso Lebensmittel, Kinderspielzeug oder Werkzeuge.

Produktpiraten verursachen Millionenschäden. "Gefälschte Produkte machen inzwischen acht Prozent des Welthandels aus, allein in Deutschland wird der jährliche Schaden auf 25 Milliarden Euro geschätzt", sagte der Geschäftsführer der Frankfurter Messe, Detlef Braun, am Donnerstag. Die Messe startete deshalb eine neue Kampagne gegen Fälschungen, die durch die hohen Gewinnspannen stark zunehmen.

Häufig sind die Plagiate vom Original mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden. Ein Wasserkocher wird zum Beispiel in einer Garagenfirma produziert und sieht dem Original eines großen Elektrogeräteherstellers perfekt ähnlich. "Erst wenn man Original und Fälschung nebeneinander sieht, bemerkt man, wie dreist abgekupfert wird", sagte Christine Lacroix vom Verein Plagiarius, der seit rund 30 Jahren gegen Produktpiraterie kämpft.

"Rund 90 Prozent der Fälschungen kommen aus dem Ausland"

Der Verein hat eine ganze Sammlung an gefälschten Produkten, die er künftig zum Teil in einem Museum in Solingen zeigen will. Angefangenen hatte es mit einer Briefwaage, die Vereinsgründer Rido Busse in den 70er Jahren entwickelt hatte und die ein Hersteller aus Hongkong als Kopie zu einem Sechstel des Originalpreises anbot. Inzwischen werden selbst komplizierte elektronische Geräte wie ein Gameboy gefälscht. "Und in China wurden schon ganze Straßenbahnen abgekupfert", berichtete Lacroix.

"Rund 90 Prozent der Fälschungen kommen aus dem Ausland", sagte der Leiter der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz des Zolls, Klaus Hoffmeister. Kontrolliert wird an Flughäfen, Seehäfen wie auch an den Grenzen. Allerdings können nur fünf bis zehn Prozent der Warenströme untersucht werden. 2004 gab es mehr als 8500 Beschlagnahmungen im Wert von 145 Millionen Euro - 2003 lag die Zahl dagegen noch bei weniger als 3500 Fällen. Die Produkte werden stets vernichtet - bei Uhren mit Batterien, Feuerzeugen oder auch Container-Ladungen mit gefälschtem Wodka mitunter ein aufwendiges Unterfangen.

Fälschungen können eine Gefahr für Verbraucher darstellen

Für die Fälscher geht es um hohe Gewinnspannen: Schließlich müssen sie Entwicklungskosten und Designstudien nicht bezahlen - und meist produzieren sie auch in einer deutlich schlechteren Qualität als die Originalhersteller. Das kann auch eine Gefahr für die Verbraucher sein. Bei Medikamenten zum Beispiel könnten Fälschungen sogar lebensbedrohliche Auswirkungen haben, warnte Lacroix. "Es ist eine Form von Wirtschaftskriminalität, die eine Menge Schaden verursacht", meint auch Messe-Geschäftsführer Braun.

Rund 50 Prozent der gefälschten Waren kommen bislang aus China und Thailand, schätzen die Experten. Doch in China gebe es jetzt auch erste Urteile gegen Fälscher, sagt Messe-Sprecher Jens Schreiber. "Es zeigt sich ein Bewusstseinswandel." Einer der Gründe: Es gebe zunehmend auch asiatische Hersteller, die Markenprodukte anbieten und diese schützen wollen.

Nicht nur technische Entwicklungen als Patent anmelden

Das Deutsche Patent- und Markenamt rät den Unternehmen, nicht nur technische Entwicklungen als Patent, sondern auch das Design und die Marken zu schützen. Eine so genannte Geschmacksmuster-Anmeldung sei schließlich recht einfach, sagte Mitarbeiterin Katharina Schäfer. Und die Gebühren seien niedrig. Sie betragen für das erste Produkt rund 70 Euro, für weitere Produkte dann jeweils rund sieben Euro.

Die Messe Frankfurt will über die Möglichkeiten zur Bekämpfung von Plagiaten verstärkt informieren und setzt vor allem auf Prävention. So soll künftig auf allen Veranstaltungen in Frankfurt ein eigener Stand eingerichtet werden, auf dem sich Besucher und Aussteller über das Thema Produktpiraterie informieren können. Und wer als Fälscher auffliegt, wird bei der Messe ausgeschlossen.

Rochus Görgen/DPA


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