HOME

Protest gegen Milchpreise: Bauernverband zeigt Discounter an

Die Milchpreise sorgen erneut für Ärger. Der Bauernverband zeigte die großen Lebensmitteldiscounter beim Bundeskartellamt an, da sie die Senkung der Preise miteinander abgestimmt hätten. Die Discounter müssten "zur Raison gebracht werden", wetterte Bauernverbands-Chef Gerd Sonnleitner.

Wegen der jüngsten Senkungen der Milchpreise hat der Bauernverband die großen Lebensmittel-Discounter beim Bundeskartellamt angezeigt. Diese hätten zeitgleich sehr ähnliche Anzeigen geschaltet und ihre Preise für Milch und Milchprodukte völlig einander angepasst, kritisierte der Präsident des Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, am Donnerstag im ZDF.

Er sprach von Erpressung gegenüber den Bauern. An den niedrigen Preisen der Discounter - nur noch 49 Cent je Liter Milch - übte der Präsident des Deutschen Bauernverbands heftige Kritik. "Wir müssen den Lebensmitteleinzelhandel zur Raison rufen, der die Zersplitterung der Milchbauern und der Molkereien nahtlos mit seinem Turbokapitalismus ausnützt", sagte Sonnleitner. "Was die gewissenlosen Banker mit dem Turbokapitalismus in der Gesamtwirtschaft angerichtet haben, das richtet an Schaden der Lebensmittel-Einzelhandel gegenüber den Milchbauern und Molkereien an."

Der Bundesrat will an diesem Freitag über Anträge zur Stabilisierung der Milchpreise entscheiden. Doch wird erwartet, dass die Länderkammer alle rein nationalen Stützungsmaßnahmen ablehnt. Auch Sonnleitner sprach sich gegen eine Begrenzung der Milchmenge allein bei deutschen Erzeugern aus. Vielmehr müsse die Menge "in Europa insgesamt" reduziert werden. "Ein Alleingang Deutschlands würde nur bedeuten, dass wir überflutet würden mit Milchprodukten von anderen Ländern", sagte Sonnleitner.

Künast: "Billig billig ist nicht alles"

Die Grünen-Agrarpolitikerin Ulrike Höfken warf Sonnleitner daraufhin ein falsches Spiel vor. Er beklage das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus, trete aber selbst für ungebremste Massenerzeugung ein. "Das kann keine andere Konsequenz haben als den Preisverfall", erklärte Höfken. Der Bundesrat müsse die Mengen begrenzen. Für die neue Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) sei dies die erste Bewährungsprobe. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte Aigner auf, in Brüssel Farbe zu bekennen. "Mehr Geld in naturnahe und ökologische Landwirtschaft hilft den Milchbauern, die bei Grünlandhaltung mehr Arbeitsaufwand als die Agrarindustrie haben", sagte Künast der "Passauer Neuen Presse". "Billig billig ist hier eben nicht alles."

Zuvor hatte bereits der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter Proteste angekündigt. Vor einem halben Jahr hatte er mit einem Lieferboykott Zusagen für höhere Abnahmepreise erzwungen.

Im Bundesrat zur Debatte steht ein Antrag, der die Milchmenge über einen Rechentrick verringern würde. Bislang wurde ein Liter Milch in 1,020 Kilogramm umgerechnet. Künftig sollten es es 1,030 Kilogramm sein. Allein die Veränderung dies Umrechnungsfaktors bewirkt, dass deutsche Milcherzeuger rund ein Prozent weniger Milch liefern dürfen, um die Lieferquote zu erfüllen. Der Agrarausschuss der Länderkammer hat diesen nationalen Alleingang aber schon abgelehnt. Da die EU eine Anhebung der Milchquote für Deutschland ablehne, verschlechtere sich mit der Änderung die Wettbewerbsstellung der deutschen Milchbauern, heißt es zur Begründung.

AP/DPA / AP / DPA