Rebellion gegen Vattenfall Atterwasch fürchtet die Kohle


Die Energiepreise sind so hoch, dass sich sogar der Braunkohleabbau wieder lohnt: Der Energiekonzern Vattenfall will dafür den Tagebau Jänschwalde im großen Stil ausbauen. Allerdings müssten drei Dörfer weichen - deren Einwohner wollen sich wehren.

Ein Schwein mit Hut begrüßt Surfer auf der Webseite von Atterwasch bei Guben. Mehr als 26.000 Besucher haben sich bisher durch die Seiten der Gemeinde geklickt und sich auch über deren jährliche "Bauernolympiade" informiert. "Die Neugierigen werden auf unserer Seite ganz schnell aufgeklärt", sagt der Verantwortliche für die Internetseite und Vater der skurrilen "Bauernolympiade", Uwe Brose. "Was allerdings noch nicht auf der Seite zu lesen ist, sind die aktuellen Sorgen der Leute in Atterwasch und ihrer Nachbarn in Grabko und Kerkwitz", berichtet der 43-jährige Unternehmer. Die drei Dörfer mit ihren rund 900 Einwohnern sollen dem neuen Tagebau Jänschwalde-Nord weichen. Auch die traditionelle Atterwascher Bauernolympiade, die jeweils im Juli stattfindet, werde damit der Kohle zum Opfer fallen, befürchtet Brose.

Hiobsbotschaft kam aus heiterem Himmel

Etwa 20.000 Schaulustige aus Berlin, Brandenburg und Sachsen seien seit 1996 in das vom Heimat- und Feuerwehrverein erbaute "Olympia-Stadion" am Schwarzen Fließ gekommen, erzählt der bisherige Vereinsvorsitzende Brose. Bei Gaudi-Wettbewerben wie Strohballen-Rollen, Schubkarren-Rennen über Baumstämme sowie Eierläufen über knorrige Äste amüsierten sich die Gäste wunderbar, wie sich Brose erinnert. Nach den jüngst bekannt gewordenen Kohleplänen sei den Menschen jedoch die Lust am Feiern vergangen. Die Hiobsbotschaft habe das 240 Einwohner zählende Straßendorf, sagt Brose, wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen.

"Wir haben das Haus mit unseren eigenen Händen hochgezogen, Ziegel für Ziegel", schildert Broses Vater. Da hänge man an jedem Zentimeter Mauerwerk, erklärt der 77-jährige Landwirt, der früher in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) des Dorfes als Traktorist gearbeitet hat. Für ihn breche jetzt eine Welt zusammen, gesteht er unter Tränen. Auch seine Frau Margot ist fassungslos. "Ich möchte das alles nicht mehr erleben", sagt sie voller Trauer. Noch gut erinnert sich die 68-Jährige an das Schicksal der Einwohner vom benachbarten Horno und den Widerstand von dessen wohl bekanntesten und letzten Bewohner, Werner Domain. Nach der Kohle-Nachricht mache das Leben plötzlich überhaupt keinen Spaß mehr, beklagt die Frau.

Kredite fließen nicht mehr

Uwe Brose legt seine Stirn in Zornesfalten. Mehrere Tausend Euro habe er jetzt schon mit seinem 21-jährigen Sohn Manuel in die neue Produktion von Kunststoffflaschen auf seinem Grundstück gesteckt. Mit fünf neuen Mitarbeitern wollten sie im nächsten Jahr starten. Nachdem die Kohlepläne öffentlich geworden seien, stehe der von den Banken versprochene Kredit allerdings "in den Sternen".

Dennoch will der Atterwascher, zu dem auf seine Cottbuser Bowlingbahn regelmäßig auch etliche Kohlekumpel und Kraftwerker aus Jänschwalde kommen, nicht aufgeben. Schon in einigen Tagen soll es neben seiner Bauernolympiade-Seite eine neue Internetseite "Unsere Heimat" als Plattform für den gemeinsamen Widerstand gegen die drohende Abbaggerung geben. Und noch am Montag wollte Brose mit in der Kerkwitzer Kirche sitzen - vorgesehen war die Gründung einer Bürgerinitiative gegen die neuen Kohlepläne von Vattenfall.

Brita Beyer/DDP DDP

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