Rolf Eckrodt Mit Dynamik und Dolmetscherin - Ein Sanierungsjob in Japan


Im Januar 2004 ist der 61 Jahre alte Westfale drei Jahre in der Leitung von MMC, seit Juni 2002 steht er als erster Deutscher an der Spitze eines großen japanischen Unternehmens.

Noriaki Okada ließ sich nichts anmerken, als die mächtige Hand auf seine Schulter schlug. Gerade hatte er seinem Chef das neue Call Center von Mitsubishi Motors (MMC) vorgestellt, als Rolf Eckrodt seiner Anerkennung mit dem herzlichen Schulterklopfer spontan Ausdruck gab. Die derbe Herzlichkeit des 1,90-Meter-Mannes verletzt zwar japanische Etikette, aber im Hauptquartier des Autobauers haben sich die Mitarbeiter inzwischen an den Stil des ehemaligen DaimlerChrysler-Managers gewöhnt. Im Januar 2004 ist der 61 Jahre alte Westfale drei Jahre in der Leitung von MMC, seit Juni 2002 steht er als erster Deutscher an der Spitze eines großen japanischen Unternehmens.

DaimlerChrysler ist größter Einzelaktionär

DaimlerChrysler war im Rahmen seiner Globalisierungsstrategie im Jahr 2000 bei Mitsubishi eingestiegen und besitzt heute als größter Einzelaktionär 37 Prozent. Als 2001 ein Qualitätsmängel- Vertuschungsskandal publik wurde, schickte DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp seinen bewährten Krisenmanager Eckrodt nach Asien. Nach schnellen Sanierungserfolgen sah es nach einer glatten Erfolgstory aus, doch stattdessen kam es für Eckrodt richtig dicke, wie er selber sagen würde. Faule Kredite und die hohen Rabatte sorgten für einen Einbruch im für Mitsubishi Motors lebenswichtigen USA-Geschäft.

Tiefrote Halbjahreszahlen

In der Summe wurde MMC dadurch im vergangenen Geschäftsjahr und bis zum ersten Halbjahr 2003/2004 (31. März) mit rund 660 Millionen Euro an außerordentlichen Aufwendungen belastet. Die Folge: Am 11. November musste Eckrodt bei der Vorlage der Halbjahreszahlen tiefrote Zahlen verkünden. In Stuttgart sieht man dies sicher nicht gerne, zumal sich die Mitsubishi-Verluste im 3. Quartal bereits negativ beim operativen Gewinn von DaimlerChrysler bemerkbar gemacht haben. Zwar betont der Deutsche in Tokio, dass die US-Probleme jetzt gelöst seien. Allerdings: "Leider ist man in dem Geschäft vor Überraschungen nie völlig gefeit".

Entschuldung könnte sich verzögern

Ohnehin gestaltet sich das Verhältnis zum größten Aktionär schwieriger, als Eckrodt sich das bei Amtsantritt vorgestellt haben mag. Der unausgesprochene Konflikt: Schrempp möchte Mitsubishi gern ganz übernehmen, aber natürlich nur schuldenfrei. Eckrodt will sein Unternehmen wieder zu einem erfolgreichen Autobauer machen, was aber nur mit neuen Produkten gehen. Und die kosten viel Geld, wodurch sich die Entschuldung verzögert.

Enorme Synergien im Einkauf

Statt darüber, redet der Mitsubishi-Chef aber lieber über die Vorteil der engen Zusammenarbeit der Autobauer von Mercedes-Benz, Chrysler und smart. "Beim Einkauf sind durch die Allianz enorme Potenziale da." 2005 kommen gemeinsame Produkte von Mitsubishi und Chrysler auf den Markt, schon in wenigen Monaten rollen im gemeinsamen Werk im niederländischen Born der smart fourfor und der Mitsubishi Colt vom Band. Auch um den Heimatmarkt Japan kümmert sich Eckrodt mit einer Dynamik, die dem Autobauer offenbar lange fehlte. "Mitsubishi Motors hat nie richtig kernig Geld verdient. Und man hat am Investment gespart ", sagt Eckrodt. Dies wird jetzt nachgeholt - etwa, in dem man einen dreistelligen Millionenbetrag in die Geschäfte der Händler investiert.

Gefallen an der Aufgabe

Eckrodt, der nach 37 Jahren in der Automobilindustrie schon mit dem Ruhestand im Haus in Portugal liebäugelte, hat offenbar Gefallen an der schwierigen Aufgabe in Japan gefunden: "Ich genieße es extrem, dass ich Kontakt zu Japanern habe und zwar auf allen Ebene, auch zur Politik. Ich bin nicht auf der Ausländerschiene geparkt." Für Japanisch wird es aber nicht reichen.

Noch kein Ende in Sicht

"Bei dem Pensum, das wir hier fahren, könnte ich nicht zusätzlich noch die Sprache lernen". Deshalb muss Michiyo Makiya ran, die Eckrodt als Dolmetscherin über die schwierigsten Klippen hilft. Etwa im legendären "Friday Club", in dem die 29 Topmanager des Mitsubishi-Konglomerats zusammenkommen. Dort lauscht Eckrodt mit einem Knopf im Ohr der Übersetzung von Makiya, die in einem Nebenzimmer sitzt und über Lautsprecher die Diskussion aus dem Herrenclub verfolgt. Die drei Jahre, die der Westfale in Japan bleiben wollte, sind jetzt fast um. Die Mitarbeiter werden seine temperamentvollen Auftritte vorerst nicht missen müssen: "Ich bleibe noch ein bisschen", kündigt Rolf Eckrodt an.

Frank Heidmann DPA

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