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DaimlerChrysler: Schlaglöcher von Maut bis Mitsubishi

DaimlerChrysler-Boss Jürgen Schrempp hat sein Ziel, die Nummer Eins der weltweiten Automobilindustrie zu werden, nicht aufgegeben. Doch der Weg dorthin ist zurzeit voller Schlaglöcher.

DaimlerChrysler-Boss Jürgen Schrempp hat sein ehrgeiziges Ziel, die Nummer Eins der weltweiten Automobilindustrie zu werden, nicht aufgegeben. Man sei in "allen Geschäftsfeldern auf dem richtigen Weg", bekräftigte Schrempp am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart seine Vision. Allerdings tun sich auf dieser Wegstrecke neue tiefe Schlaglöcher auf.

Mitsubishi braucht eine kräftige Kapitalspritze

Just, als Schrempp den anwesenden Journalisten einen eher verhaltenen Ausblick präsentierte, kam aus Tokio die Nachricht, dass es Mitsubishi Motors deutlicher schlechter als geplant geht. Der Verlust dürfte zum Ende des Geschäftsjahres 2003/04 (31. März) mit 105 Milliarden Yen (774 Mio Euro) mehr als doppelt so hoch sein wie erwartet. Dabei hatte Schrempp-Intimus Rolf Eckrodt als Mitsubishi- Präsident eigentlich zu seinem Vertragsende (Ende 2004) mit schönen schwarzen Zahlen sein Ferienhaus in Portugal beziehen wollen. Nun wird heftig über seine Ablösung spekuliert.

Teuer wird es bei Mitsubishi auf jeden Fall. Denn neben den Verlusten steht eine kräftige Kapitalspritze an, damit Mitsubishi mit neuen Modellen aus der Krise fahren kann. Dass an dem japanischen Stolperstein auf jeden Fall festgehalten wird, machte Schrempp, dessen Vertrag bis 2008 verlängert wird, erneut klar.

Keine Rückstellungen für Maut-Desaster

Heftiger als beim Thema Mitsubishi wurde Schrempp und seinem Finanzchef Manfred Gentz von den Journalisten beim Maut-Desaster zugesetzt. Eine Schadenersatzpflicht sehe er nicht und deshalb seien dafür auch keine Rückstellungen gebildet worden, antwortete Gentz auf Fragen zu möglichen finanziellen Auswirkungen der Toll Collect-Pleite für DaimlerChrysler. Zwar kostete die Beteiligung am Toll Collect- Konsortium (45 Prozent) den Autobauer für 2003/2004 insgesamt rund 250 Millionen.

Allerdings würde eine endgültige Vertragskündigung "die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns erheblich negativ beeinflussen", heißt es im Geschäftsbericht im Gegensatz zu den eher beruhigenden Äußerungen bei der Bilanzvorlage. Kein Wunder, dass Schrempp ("berechtigte Kritik, Fehler von allen Seiten") massiv für eine gütliche Einigung mit der Bundesregierung warb.

Ausgang des Kerkorian-Prozesses weiter unklar

Das nächste Schlagloch befindet sich im US-Provinzstädtchen Wilmington: Denn unklar ist weiter, wie der Prozess des US- Milliardärs Kirk Kerkorian gegen DaimlerChrysler wegen des Charakters der Fusion ausgehen wird. Im schlimmsten Fall könnte der Ausgang des Prozesses über eine Milliarde Dollar kosten.

Dagegen nahmen sich die Prognosen des in den vergangenen Jahren heftig gebeutelten Chrysler-Chefs Dieter Zetsche wie Verheißungen aus. Immerhin rechnet er in Detroit für 2004 angesichts der angelaufenen Modelloffensive mit einem positiven Ergebnis. Vielleicht ein Hindernis weniger auf Schrempps schwierigem Weg an die Spitze.

Frank Heidmann, DPA / DPA