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Sparen statt Prassen: Warum die Saudis erstmals Steuern fürs Tanken zahlen müssen

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman gönnt sich die teuersten Villen, Yachten und Gemälde der Welt. Doch zu Hause muss er Haushaltslöcher stopfen und seine Bürger erstmals mit Steuern belästigen - sogar auf Benzin.

Tankstelle in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad

Tankstelle in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad

Als vor zwei Jahren das Chateau Louis XIV für den Rekordpreis von 300 Millionen US-Dollar verkauft wurde, rätselte man noch, wer der unbekannte Käufer sei. Dabei war die Lösung fast zu einfach. Wie nun bekannt wurde, soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hinter dem Kauf stecken. Das ist insofern wenig überraschend, als der Mann einen gewissen Hang zum Luxus hat.

Nach dem Kauf der teuersten Villa der Welt 2015 gönnte er sich im vergangenen Jahr für schlappe 500 Millionen Dollar die Luxus-Yacht des russischen Wodka-Moguls Juri Shefler. Und auch die 450 Millionen Dollar für Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" - nun teuerstes Gemälde der Welt - soll der gerade mal 32-jährige Saudi berappt haben. Laut New York Times hat Mohammed bin Salman den Kauf über einen befreundeten Prinzen abgewickelt, um nicht selbst in Erscheinung zu treten.

Dass der kaufwütige Kronprinz sich bei der Versteigerung des Gemäldes lieber bedeckt hielt, hat einen guten Grund. Denn ausgerechnet der Mann, der sich die teuersten Villen, Yachten und Gemälde aus aller Welt zusammenkauft, muss seine Landsleute zu Hause gerade auf ein Sanierungsprogramm einschwören.

Saudi-Arabien muss Haushaltslöcher stopfen

Denn Saudi-Arabien muss tatsächlich sparen. Das ölreichste Land der Erde leidet seit 2014 unter dem schwächelnden Ölpreis - und hat seitdem ein fettes Loch in der Staatskasse. Vergangenes Jahr betrug das Haushaltsdefizit rund 100 Milliarden Dollar. Der im Juni dieses Jahres von König Salman zum Kronprinzen ernannte Mohammed bin Salman muss nun die Staatsfinanzen sanieren und für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen.

Zu den Spar-Maßnahmen gehört der Abbau von Subventionen auf Wasser, Strom und Kraftstoff. Zudem sollen die saudischen Bürger ab 1. Januar 2018 tatsächlich Steuern entrichten. Auf Einkommensteuern und Gewinnsteuern wird zwar weiterhin verzichtet, dafür kommt eine Mehrwertsteuer auf Verbrauchsgüter. Fünf Prozent beträgt der Steuersatz, der auch auf Benzin angewendet werden wird.

 Benzin kostet plötzlich was

Die saudischen Bürger müssen sich mit der Einführung der Mehrwertsteuer - neben der Einführung des Frauenfahrrechts - im kommenden Jahr auf einen zweiten Paradigmenwechsel einstellen. Ohnehin sind die Benzinpreise in letzter Zeit bereits deutlich angehoben worden. War Tanken für die Bürger des Ölstaats noch vor wenigen Jahren quasi gratis, so kostet der Liter Kraftstoff aktuell bereits 25 Cent. In Kürze könnte er laut Handelsblatt sogar auf 50 Cent steigen. Für saudische Verhältnisse geradezu ein Wucherpreis.

Der Ölstaat muss allerdings aufpassen, es mit der neuen Haushaltsdisziplin nicht zu übertreiben. Der Internationale Währungsfonds warnte das Land kürzlich, nicht zu viel zu sparen, um die Konjunktur nicht abzuwürgen. Die Staatsausgaben sollen nun wieder etwas erhöht werden, ein ausgeglichener Haushalt wird erst für 2023 statt 2020 anvisiert.

Mohammed bin Salmans langfristiges Ziel ist es, neben der Ölindustrie eine wissensbasierte Wirtschaft aufzubauen, die sein Land bis 2030 unabhängig von der Ölpreis-Konjunktur macht. Jobs sollen dabei nicht nur für die vielen jungen Leute im Land entstehen, sondern auch für Frauen, die auf dem Arbeitsmarkt derzeit außen vor sind.

Kurzfristig gesucht sein dürften zum Beispiel Finanzfachleute. Bisher gebe es in Saudi-Arabien "weder Steuerberater noch sind Unternehmen überhaupt bei Finanzämtern registriert", berichtet Oliver Oehms, der Delegierte der deutschen Wirtschaft in Riad dem "Handelsblatt".