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Schlecker-Pleite Rossmann will jede vierte Ihr-Platz-Filiale übernehmen


Die Drogeriekette Rossmann meldet beim Bundeskartellamt die Übernahme von 120 Ihr-Platz-Filialen an. Damit sichert sie sich einen Teil des Schlecker-Erbes. Der Kampf um die Kunden hat begonnen.
Von Henning Hinze und Gerhard Hegmann

Im Verteilungskampf auf dem Drogeriemarkt versucht sich Rossmann ein großes Stück des Kuchens zu sichern. Deutschlands zweitgrößter Drogist will 120 der verbliebenen 490 Ihr-Platz-Drogerien übernehmen. Das geht aus einer Anmeldung beim Bundeskartellamt hervor.

Rossmann bedient sich damit als Erster im großen Stil aus der Insolvenzmasse des untergegangenen Marktführers Schlecker, zu dem auch die Kette Ihr Platz gehörte. Dessen Schließung hatte in den vergangenen Wochen ein Gerangel um seine bisherigen Marktanteile ausgelöst. Drogeriemärkte und Discounter kämpfen mit Preissenkungen bei Drogerieartikeln um die heimatlos gewordenen Schlecker-Kunden.

Mehrere Unternehmen hatten zudem Interesse an ehemaligen Filialen angemeldet. Einem Sprecher des Insolvenzverwalters zufolge laufen Gespräche. Zu den Interessenten gehört auch der neue Marktführer DM. Er hat den bisher bekannten Zahlen zufolge aber erst neun Filialen übernommen.

Insbesondere die Bahnhofsfilialen sind gefragt

Mit der Übernahme eines größeren Filialpakets würde Rossmann ihm wieder etwas näher rücken. DM hatte zum letzten Bilanzstichtag 2536 Filialen, darunter 1256 in Deutschland; Rossmann kam auf 2531 und 1612 in Deutschland. Trotzdem setzt DM mit knapp 6,2 Mrd. Euro gut 1 Mrd. mehr um als Rossmann. Diesen Vorsprung könnte Rossmann mit dem geplanten Paketgeschäft verringern - oder zumindest nicht noch größer werden lassen, falls DM später ebenfalls noch ein größeres Filialpaket aus der Schlecker-Insolvenzmasse übernimmt. DM hatte ursprünglich die Übernahme von bis zu 80 Märkten für möglich erklärt.

Wie viele davon nun noch übrig sind ist unklar. Zwar hatte Schlecker auch nach der Schließungswelle in der Insolvenz gut 3000 Schlecker- und größere Schlecker-XL-Märkte; dazu kommen die 490 Ihr-Platz-Märkte. Die meisten Filialen sind aber zu klein und zu schlecht gelegen, um für die großen Ketten attraktiv zu sein. Deshalb konzentrierten sich die Prüfungen von Anfang an auf die Ihr-Platz- und XL-Märkte. Deren Lage ist aber teilweise so attraktiv, dass Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider bei seinen gescheiterten Sanierungsbemühungen peinlich darauf bedacht war, den Vermietern keinen Kündigungsgrund zu liefern. Sie könnten mit einer Neuvermietung mehr verdienen. Insbesondere die Bahnhofsfilialen sind gefragt.

Unklar blieb am Dienstag, welche Standorte Rossmann haben will. Die angemeldete Paketlösung deutet darauf hin, dass es sich um Filialen eines einzelnen Vermieters handeln könnte, möglicherweise also um die Bahnhofsfilialen. Auch ob Angestellte, Waren oder Einrichtungsgegenstände übernommen werden sollen, ist unklar. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte zu dem geplanten Geschäft aber keine Stellung nehmen. Rossmann war nicht zu erreichen.

Henning Hinze und Gerhard Hegmann FTD

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