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Stiftung Warentest: Schlüsseldienste im Test: Abzocker, Pfuscher – und ein paar Seriöse

Die Stiftung Warentest hat lokale und überregionale Schlüsseldienste getestet – und Haarsträubendes erlebt. Nur wenige erledigten ihren Job professionell und zu anständigen Preisen.

Vorsicht vor unseriösen Schlüsseldiensten

Vorsicht vor unseriösen Schlüsseldiensten

Getty Images

Schlüsseldienste haben einen schlechten Ruf – und das häufig zu Recht. Viele Dienste nutzen die Notlage ihrer Kunden aus, um zu völlig überhöhten Preisen Türen zu öffnen und Schlösser zu tauschen. So wie bei einer stern-Leserin, die kurz nach Feierabend den Schlüssel in ihrer Wohnungstür abbrach und sich aussperrte. Horrende 1240,50 Euro verlangte der nach kurzem Googeln gerufene Schlüsseldienst für das Knacken und Austauschen des Schlosses – und das bar auf die Kralle. "Eingeschüchtert und überrumpelt", fühlte sich die junge Rheinländerin, die erst zahlte und am nächsten Tag zur Polizei ging. 

Ein krasses Beispiel (mehr dazu lesen Sie hier), aber längst kein Einzelfall. Die Verbraucherzentralen wissen zahlreiche ähnliche Geschichten zu berichten. Und auch der aktuelle Praxistest der Stiftung Warentest legt die in der Branche verbreiteten Sitten schonungslos offen. In fünf Großstädten ließen sich die Tester aussperren, um anschließend einen lokalen Schlüsseldienst oder einen überregionalen Vermittler von Schlüsselnotdiensten zu Hilfe zu rufen.

Vor allem bei Vermittlern müssen Kunden aufpassen, denn häufig kommen die gerufenen Handwerker von weiter weg als man denkt und verschwinden, sobald sie ihr Geld haben, auf Nimmerwiedersehen. Zudem wechseln einige der Vermittlungszentralen, die es unter die vorderen Google-Treffer schaffen, immer wieder ihre Namen, sodass es schwer ist, den Überblick zu behalten. Zwei Chefs einer solchen Vermittlungsfirma wurden 2018 gar wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs und Steuerhinterziehung zu Haftstrafen verurteilt

Nur ein Schlüsseldienst-Vermittler fällt nicht durch

Auch die Warentester können von drei der vier getesteten Vermittler für Schlüsselnotdienste nur abraten. Sie waren allesamt zu teuer. Die von der Firma Remus vermittelten Nothelfer nahmen werktags zwischen 8 und 18 Uhr für Standardaufgaben wie Türaufsperren und Schloss tauschen zwischen 150 Euro und 240 Euro. Beim AFL Schlüsseldienst waren es sogar 225 bis 285 Euro, zudem scheiterte einer der Monteure an einer lediglich ins Schloss gefallenen Tür.

Die größten Wucherer erlebten die Tester beim MK Notservice (235 bis 415 Euro), bei dem ein Kollege in Stuttgart erst 870 Euro verlangte und erst nach Protest den Zylinder wieder ausbaute und die Rechnung auf immer noch happige 415 Euro reduzierte. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentralen aus dem Jahr 2017 kostet eine Türnotöffnung werktags tagsüber in der Regel nur zwischen 60 und 80 Euro. Nach Feierabend und am Wochenende sind es je nach Region 85 bis 150 Euro.

Der einzige Vermittler, den die Warentester empfehlen können, ist der "Schlüsseldienst von Gelbe Seiten". Die Telefonzentrale nannte vorab Festpreise zwischen 89 und 119 Euro. In einem Fall verlangte der Monteur aber auch hier zunächst 220 Euro und reduzierte erst nach Hinweis auf den vereinbarten Festpreis die Rechnung auf 119 Euro.

Zusätzlich zu den Vermittlungsdiensten riefen die Tester zehn lokale Schlüsseldienste direkt an. Hier waren die Ergebnisse etwas besser. Nur ein Monteur aus Berlin nahm mit 170 Euro einen deutlich überhöhten Preis, ein Dresdner stellte sich so umständlich an, dass er die Tür leicht beschädigte.

Den gesamten Schlüsseldienst-Test der Stiftung Warentest lesen Sie hier.

bak
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