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Schuldenkrise: Spaniens Arbeitslosigkeit bricht Weltrekord

Griechenland und Spanien leiden unter der höchsten nachgewiesenen Arbeitslosenrate der Welt. Die Statistik für Jugendliche ist noch weit verheerender.

Von Mathias Ohanian, Berlin

Südeuropa leidet unter der höchsten nachgewiesenen Arbeitslosenrate der Welt. Das geht aus einer Länderanalyse hervor, die die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) auf der Basis ihres globalen Beschäftigungsberichts exklusiv für die FTD angefertigt hat. Nach den ILO-Daten liegt die Erwerbslosenquote in Spanien und Griechenland mit 24,5 beziehungsweise 22,3 Prozent höher als in allen Ländern, für die international vergleichbare Daten vorliegen.

Auch bei der Jugendarbeitlosigkeit zählen die Südeuropäer weltweit zu den traurigen Schlusslichtern. Und Besserung ist nicht in Sicht: "Selbst wenn die Euro-Krise in den kommenden Monaten nicht eskaliert, wird die Arbeitslosigkeit in den Euro-Südländern in den nächsten Jahren nur sehr langsam sinken", sagte Ekkehard Ernst, Chef der ILO-Prognosabteilung, der FTD.

Der Uno-Ableger erhebt Jobzahlen für 178 Staaten rund um den Globus. In etwa 50 davon führt die ILO Umfragen in der Bevölkerung durch, um die Ergebnisse international vergleichbar zu machen. Diese Zahlen sind statistisch belastbar. Für viele afrikanische, karibische und lateinamerikanische Staaten besitzt die ILO dagegen nur - teils grobe - Schätzungen. Doch selbst hier gibt es nur wenige Länder, in denen prozentual mehr Menschen ohne Job sind als in Griechenland oder Spanien: etwa in Namibia. Selbst in Mali ist die Quote niedriger.

"Viele ohne Job dürften sich bald frustriert abwenden"

Die Zahlen belegen, wie eklatant die Verantwortlichen von IWF, EU und EZB die negativen Effekte der Sparprogramme auf die Konjunktur und die Jobentwicklung in den betroffenen Ländern in der Vergangenheit unterschätzt haben. Noch im Herbst 2010 hatte der IWF prognostiziert, dass die Erwerbslosigkeit in Griechenland 2012 bei knapp 15 Prozent liegen und bis 2015 auf gut 13 Prozent sinken werde. Für Spanien wurde eine auf 18 Prozent gesunkene Quote für 2012 geschätzt.

Demgegenüber fallen die ILO-Vorhersagen viel pessimistischer aus. Die Fachleute erwarten, dass 2015 in Griechenland noch immer 20,3 und in Spanien 23,4 Prozent der Erwerbsbevölkerung ohne Job sein dürften. Dabei bedeuten diese leicht sinkenden Zahlen nicht einmal, dass die Jobkonjunktur tatsächlich anzieht. "Viele Menschen ohne Job dürften sich schon bald frustriert von den Arbeitsmärkten abwenden - dann fallen sie einfach aus der Statistik", so ILO-Fachmann Ernst. Besonders die Jungen spüren heute die Rezession. Nach ILO-Auswertung sind 55 Prozent der unter 24-jährigen Griechen ohne Job, in Spanien liegt die Quote bei 53,2 Prozent - und bis 2015 werden sie demnach noch immer bei etwa 50 Prozent notieren. Selbst im Nahen Osten und Nordafrika, wo die Jugend wegen des Arbeitsplatzmangels die arabischen Revolutionen auslöste, sind die Zahlen nicht so schlecht.

Mathias Ohanian / FTD