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Schwache Nachfrage: US-Autobauer rufen erneut um Hilfe

Alarmstimmung bei Ford: Der amerikanische Autobauer ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Kaum jemand fragt noch nach den Ford-typischen großen Geländewagen. Da werden die sparsamen Kleinwagen aus Europa zum Rettungsanker. Und die US-Regierung soll helfen. Gemeinsam mit Chrysler und General Motors ruft Ford um Hilfe.

Wegen der historisch-schwachen Autonachfrage ist der US-Hersteller Ford tief in die roten Zahlen gerutscht. Im dritten Quartal fiel der operative Verlust mit 2,98 Milliarden Dollar deutlich höher aus, als von Analysten erwartet wurde. Ford, das laut Experten in besserer Verfassung ist als seine US-Konkurrenten General Motors und Chrysler, kündigte daraufhin am Freitag weitere Sparmaßnahmen an. Außerdem forderte Konzernchef Alan Mullally bei einem Treffen mit hochrangigen US-Politikern in Washington weitere Staatshilfen.

Ford leidet wie alle Autobauer unter gesunkenem Verbrauchervertrauen, der Kreditklemme infolge der Finanzkrise und einbrechenden Verkaufszahlen. Allein im Oktober ging der Ford-Absatz in Amerika um über 30 Prozent zurück. Auch die Nachfrageverschiebung hin zu verbrauchsarmen, kleineren Autos macht dem Konzern zu schaffen, der in den USA mit großen Pickups und Geländewagen jahrzehntelang prächtig Geld verdiente. Da Ford in Europa viele kleine Modelle im Angebot hat und diese nun verstärkt in Amerika anbieten will, ist der Konzern laut Experten jedoch der stärkste der „Big Three“ aus Detroit. Die Aktie legte zum Börsenauftakt rund vier Prozent zu.

Entlassungen sind nicht zu vermeiden

Ford zeigte sich zufrieden mit seiner Finanzausstattung. Inklusive abrufbarer Kredite habe der Konzern Ende des dritten Quartals liquide Mittel von knapp 30 Milliarden Dollar zur Verfügung. Andererseits verbrannte Ford allein im letzten Quartal 7,7 Milliarden Dollar seiner Kapitalreserven, was Insolvenzgerüchte am Leben erhält. So seien weitere Sparmaßnahmen nötig, sagte Konzernchef Mullaly. Nach Kostensenkungen um 15 Prozent kündigte der Konzern bei den Personalkosten weitere Einsparungen von zehn Prozent an. 2600 Jobs sollen angeblich wegfallen. Außerdem sollen Firmenteile verkauft und die Produktion im vierten Quartal weiter zurückgefahren werden.

Mit seinen Kollegen von GM und Chrysler forderte Mullally in Washington außerdem weitere Milliardenhilfen vom Staat. Nach einem Treffen zeigten sich die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, und der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, grundsätzlich offen für weitere Unterstützung. Laut Verhandlungskreisen fordern die Konzerne nach dem bereits bewilligten 25 Milliarden Dollar schweren Kreditpaket weitere 25 Milliarden Dollar für Zahlungen in einen Krankenversicherungsfonds für pensionierte Arbeiter.

Kleiner Gewinn in Europa

Gespräche über Hilfsleistungen führt Ford - immerhin der zweitgrößte amerikanische Autohersteller - praktisch weltweit - auch in der EU. Immerhin: Im Europa-Geschäft erzielte der konzern einen kleinen Vorsteuergewinn von 69 Millionen Dollar nach einem Plus von 293 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Besonders Finanzverluste belasteten das Ergebnis hier. Der Umsatz stieg dagegen um knapp 17 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar. So sorgen die sparsameren, kleinen Modelle, die auf Europas Straßen unterwegs sind, für einen kleinen Hoffnungsschimmer. Die herben Verluste in Amerika ausgleichen können sie natürlich nicht.

Der US-Automarkt ist derzeit insgesamt auf steiler Talfahrt. Die Verkaufszahlen stürzten zuletzt auf den tiefsten Wert seit rund 15 Jahren. Die Lage wird 2009 laut Experten wegen der Folgen der Finanzkrise voraussichtlich noch schlimmer werden. Dies nicht zuletzt, weil die US-Hersteller den Trend zu kleineren und sparsameren Autos verschlafen hätten.

Reuters/DPA / DPA / Reuters