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Sergio Marchionne: "Supermanager" wird neuer Fiat-Chef

Der Industrie-Manager Sergio Marchionne ist überraschend neuer Vorstandschef beim Turiner Fiat-Konzern. Der "Supermanager" hat keine leichte Aufgabe vor sich.

Innerhalb von nur zwei Tagen kann der Turiner Fiat-Konzern mit einem komplett neuen Führungsteam ans Werk gehen. Sah es zunächst so aus, als würden der Tod von Umberto Agnelli und der anschließende Rücktritt von Vorstandschef Giuseppe Morchio ein tiefes Loch reißen, wurde dieses durch schnelle Entscheidungen bereits am Dienstag gefüllt. Der Aufsichtsrat wählte den gewieften Industrie-Manager Sergio Marchionne - mit der Zustimmung der gesamten Familie Agnelli - zum neuen Vorstandschef, nachdem Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo (56) bereits am Sonntag zum neuen Präsidenten ernannt worden war.

Marchionne hat keine leichte Aufgabe vor sich: Der Sanierungsplan seines Vorgängers, der das Kerngeschäft mit Autos wieder in den Vordergrund des Unternehmens stellte, zeigte in den Bilanzen zwar schnell positive Resultate. Jedoch gibt es noch viel zu tun, um das selbst gesetzte Ziel, bis Ende des Jahres den Break-even zu erreichen, in die Tat umzusetzen.

Neue Führung - alte Strategie

Obwohl es nach Umbertos Tod in der Gruppe zu Unstimmigkeiten kam, die zum prompten Rücktritt Morchios führten, scheint die neue Führung die alte Strategie weiter zu verfolgen: Das Team will auf die krisengeschüttelte Autosparte setzen. "Kaufen wir wieder italienische Autos! Ich hoffe, schon im nächsten Jahr ein paar mehr Wagen von uns da draußen zu sehen", sagte Montezemolo jetzt scherzhaft vor Industriellen. Der piemontesische Adelige fungiert seit einer Woche auch als neuer italienischer Arbeitgeber-Präsident.

Die Wahl Marchionnes kommt unterdessen für viele überraschend, waren zuvor doch Namen wie der von Maserati-Chef Martin Leach oder Unicredito-Präsident Alessandro Profumo im Gespräch. Wie italienische Medien berichteten, soll der schon an Krebs leidende Agnelli den Manager vor geraumer Zeit selbst als Nachfolger Morchios vorgeschlagen haben. "Er ist ein internationaler Manager mit klarer strategischer Vision und starken organisatorischen Fähigkeiten", kommentierte der Chef der mächtige Mediobanca, Gabriele Galateri.

"Charismatisch, anspruchsvoll und hart"

Sergio Marchionne ist italienischen Ursprungs, wuchs aber in Kanada auf und hat die doppelte Staatsbürgerschaft. Nach seinem Jura-Studium in Toronto und einem anschließenden Master in Business Administration arbeitete er in den 90er Jahren zunächst für den Schweizer Chemie-Konzern Lonza, bevor er seit Anfang 2002 Chef der Genfer Warenprüfungsgesellschaft SGS (Société Générale de Surveillance) wurde. Innerhalb von kürzester Zeit brachte er dort die Finanzen in Ordnung und führte die Gruppe aus der Krise. Im Mai 2003 wurde er als unabhängiger Berater von Fiat engagiert. Beobachter bezeichneten den geschickten Sanierer als "charismatischen, anspruchsvollen und harten Supermanager für Industrie und Finanzen".

Carola Frentzen, dpa / DPA